1. Einleitung

S. K. Donaldson führte Anfang der 80er Jahre eine auf eichtheoretischen Methoden beruhende Methode zur Untersuchung 4-dimensionaler glatter Mannigfaltigkeiten ein [Don83]. Dabei wird einer solchen Mannigfaltigkeit eine Teilmenge des Lösungsraums der Yang-Mills-Gleichung bezüglich der Eichgruppe SU(2) als Invariante zur Seite gestellt bzw. aus dieser eine Invariante abgeleitet. In Kombination mit einem Resultat von M. Freedman [Fre82], welches ein Jahr zuvor veröffentlicht wurde, konnte daraus gefolgert werden, dass viele topologische 4-Mannigfaltigkeiten nicht mit einer differenzierbaren Struktur versehen werden können. Etwa ein Jahrzehnt danach erkannte E. Witten [Wit94], dass Überlegungen zu supersymmetrischen 𝒩︀=2 Yang-Mills-Theorien, welche er zusammen mit N. Seiberg im Jahr 1994 veröffentlicht hatte [SW94a, SW94b], dabei helfen konnten ähnliche Ergebnisse zu erzielen. Die Gleichungen, die er aufstellte, führten im Vergleich zur Theorie von S. K. Donaldson zu einer deutlich einfacheren Theorie, da sie eine abelsche Eichtheorie verwendeten, und sie werden heute als Seiberg-Witten-Gleichungen bezeichnet. Sie kombinieren die Dirac-Gleichung für ein masseloses, positiv-chirales Dirac-Spinorfeld mit einer quadratischen Gleichung für ein 𝑈(1)-Eichfeld an das der Dirac-Spinor gekoppelt wird. Die Menge der Lösungen dieser Gleichungen bis auf Eichtransformationen bezeichnen wir als den Modulraum der Seiberg-Witten-Gleichungen. Die Studie dessen ist interessant, da mit ihr die Konstruktion der Seiberg-Witten-Invariante einhergeht, eine ganzzahlige Invariante, die feiner ist als eine topologische und insbesondere von der auf der Basis-Mannigfaltigkeit gewählten glatten Struktur abhängt.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, dem Seiberg-Witten-Modulraum einer kompakten, einfach zusammenhängenden, Riemannschen 4-Mannigfaltigkeit 𝑀 mit 𝑏+(𝑀)>0 eine Struktur als endlich-dimensionale Mannigfaltigkeit zu geben und die Dimension dieser Mannigfaltigkeit zu berechnen. Dabei benutzen wir eine verallgemeinerte Version des Satzes vom regulären Wert für unendlich-dimensionale Mannigfaltigkeiten, die uns die gesuchte Dimension in Form des Fredholm-Index des positiven Dirac-Operators und der Euler-Charakteristik eines gewissen zu 𝑀 gehörigen elliptischen Komplexes liefert. Für die Berechnung des Fredholm-Index des Dirac-Operators nutzen wir einen Spezialfall des Atiyah-Singer-Indexsatzes, der den Index und damit die Dimension des Modulraums in Abhängigkeit von topologischen Invarianten von 𝑀 und den Vektorbündeln, bezüglich derer der Dirac-Operator definiert ist, liefert.

Zuerst werden wir in Kapitel 2 Begriffe wie den eines Hauptfaserbündels, einer Reduktion der Strukturgruppe und den eines induzierten Zusammenhangs auf einem assoziierten Vektorbündel einführen. Da bei der Formulierung der Seiberg-Witten-Gleichungen eine abelsche Eichtheorie auftritt, achten wir insbesondere auf die in diesem Fall eintretenden Vereinfachungen. Anschließend können wir in Kapitel 3 den Begriff einer Spin- bzw. Spinℂ-Struktur sowie den Dirac-Operator einer semi-Riemannschen Spin- bzw. Spinℂ-Mannigfaltigkeit einführen. Das Kapitel 4 beschäftigt sich mit den Seiberg-Witten-Gleichungen. Zuerst wird der Begriff eines linearen Differentialoperators zwischen Schnitten in Vektorbündeln und des Hauptsymbols eines solchen erklärt. Anschließend stellen wir den Begriff eines elliptischen Komplexes vor und erläutern die Eigenschaften des Hodge-Stern-Operators einer Riemannschen 4-Mannigfaltigkeit. Dann lassen sich die Seiberg-Witten-Gleichungen formulieren. Anschließend folgt eine vorbereitende Diskussion des Begriffs einer Banach-Mannigfaltigkeit und der Fredholm-Abbildungen mit Rückgriff auf den Begriff eines elliptischen Komplexes. In diesem Abschnitt berechnen wir die nötigen Indizes, die wir zur Dimensionsberechnung benötigen. Die nachfolgenden Abschnitte legen die Dimensionsberechnung des Modulraums mit Hilfe des Satzes vom regulären Wert dar.

2. Eichtheorie

Ziel dieses Kapitels ist es, die nötigen Begriffe der mathematischen Eichtheorie einzuführen, damit in Kapitel 3 die Grundbegriffe der Spingeometrie und darauf aufbauend in Kapitel 4 die Seiberg-Witten-Gleichungen beschrieben werden können. Wir definieren den Begriff eines Hauptfaserbündels und eines Zusammenhangs in einem Hauptfaserbündel sowie in dazu assoziierten Vektorbündeln. Vorausgesetzt werden die Begriffe einer Mannigfaltigkeit, eines Vektorbündels, eines Tensorprodukts von Vektorbündeln und der einer Differentialform mit Werten in einem Vektorraum. Diese können in Literatur zur Differentialgeometrie, z. B. [Lee12], nachgelesen werden. Wenn nicht anders gekennzeichnet, folgen die Definitionen denen aus [Bau14].

2.1. Lie-Gruppen und Lie-Algebren

Zuerst führen wir den Begriff einer Lie-Gruppe ein. Dies sind die punktweisen Symmetrien, unter denen die Lösungsräume von Eichtheorien invariant sind.

Definition 2.1.1 Eine Lie-Gruppe ist eine Mannigfaltigkeit 𝐺, die gleichzeitig eine Gruppe ist, mit der Eigenschaft, dass die Abbildung auf das Inverse und die Multiplikation glatt sind.

Eine Vielzahl bekannter Gruppen sind Lie-Gruppen. Im Folgenden finden sich einige wichtige Beispiele.

Beispiel 2.1.2

  1. Jeder endlich-dimensionale reelle oder komplexe Vektorraum mit der Addition von Vektoren als Gruppenoperation bildet eine Lie-Gruppe, da die Abbildung auf das Inverse und die Addition linear bzw. bilinear und somit glatt sind.

  2. Die Gruppen GL(𝑛,ℝ) und GL(𝑛,ℂ) mit den kanonischen Strukturen als Untermannigfaltigkeiten von ℝ𝑛2 bzw. ℝ2𝑛2 sind Lie-Gruppen, da die Multiplikation und die Abbildung auf das Inverse in jedem Eintrag polynomiell und somit glatt sind.

  3. Aus dem nächsten Lemma folgt, dass die Sphäre 𝑆1≔{𝑧∈ℂ||𝑧|=1} zusammen mit der komplexen Multiplikation als abgeschlossene Untergruppe der Lie-Gruppe GL(1,ℂ) eine Lie-Gruppe bildet.

Lie-Gruppen können auf verschiedene Arten konstruiert werden. Insbesondere werden wir mit dem folgenden Lemma in Kapitel 3 die sogenannten Spin- und Spinℂ-Gruppen konstruieren.

Lemma 2.1.3

  1. Jede abgeschlossene Untergruppe einer Lie-Gruppe ist selbst wieder eine Lie-Gruppe.

  2. Sind 𝐺,𝐻 Lie-Gruppen, so ist ihr Produkt 𝐺×𝐻 als Produktmannigfaltigkeit zusammen mit der komponentenweisen Multiplikation wieder eine Lie-Gruppe.

  3. Ist 𝑁⊂𝐺 eine abgeschlossene Untergruppe des Zentrums einer Lie-Gruppe 𝐺, d. h. alle Elemente in 𝑁 kommutieren mit allen Elementen in 𝐺, dann besitzt die Menge aller Linksnebenklassen

    𝐺/𝑁≔{{𝑔𝑛|𝑛∈𝑁}|𝑔∈𝐺}

    eine eindeutige Struktur als Lie-Gruppe, sodass die Projektionsabbildung 𝜋:𝐺→𝐺/𝑁 ein glatter Gruppenhomomorphismus und eine Submersion wird.

Beweis: Siehe Satz 1.21 und Satz 1.24 in [Bau14].

Beispiel 2.1.4 Beispiele abgeschlossener Untergruppen von Lie-Gruppen sind 𝑂(𝑛),SO(𝑛),𝑈(𝑛) und SU(𝑛) als Untergruppen von GL(𝑛,ℝ) bzw. GL(𝑛,ℂ), SO(𝑟,𝑠) als Untergruppe von GL(𝑟+𝑠,ℝ) und die Spin-Gruppe, welche wir in Kapitel 3 einführen werden, als Untergruppe der invertierbaren Elemente der sogenannten Clifford-Algebra. Ein Beispiel für eine Lie-Gruppe, die als Quotient entsteht, ist der Torus 𝑇2=ℝ2/ℤ2 aber auch die Spinℂ-Gruppe, welche wir auch in Kapitel 3 einführen werden.

Definition 2.1.5 Seien 𝐺,𝐻 Lie-Gruppen. Ein Lie-Gruppen-Homomorphismus ist ein Gruppenhomomorphismus 𝜙:𝐺→𝐻, welcher gleichzeitig eine glatte Abbildung ist. Wenn 𝜙 zusätzlich ein Diffeomorphismus ist, heißen 𝐺 und 𝐻 isomorph.

Beispiel 2.1.6 Die Lie-Gruppen 𝑈(1) und 𝑆1 sind isomorph. In der mathematischen Literatur wird meist die Schreibweise 𝑆1 bevorzugt, da ein Element 𝑧∈𝑆1 auf natürliche Weise als Endomorphismus eines komplexen Vektorraums per Multiplikation betrachtet werden kann. In der physikalischen Literatur wird andererseits meist die Schreibweise 𝑈(1) bevorzugt.

Über Lie-Gruppen-Homomorphismen lässt sich außerdem das folgende bemerkenswerte Lemma formulieren, welches wir zum Beispiel in Kapitel 3 benutzen werden, um zu zeigen, dass eine dort definierte Darstellung tatsächlich glatt ist.

Lemma 2.1.7 Wenn 𝐺,𝐻 Lie-Gruppen sind und 𝜙:𝐺→𝐻 ein stetiger Gruppenhomomorphismus ist, dann ist 𝜙 schon glatt, also ein Lie-Gruppen-Homomorphismus.

Beweis: Siehe Satz 1.9. in [Bau14].

Wir führen nun den Begriff der Lie-Algebra einer Lie-Gruppe ein, welchen wir beispielsweise benötigen werden, um den Begriff einer Zusammenhangsform auf einem Hauptfaserbündel einführen zu können, welche eine Differentialform mit Werten in der Lie-Algebra sein wird. Zuerst benötigen wir die folgenden Abbildungen.

Definition 2.1.8 Sei 𝐺 eine Lie-Gruppe. Die Gruppenmultiplikation induziert für alle 𝑎∈𝐺 die Links- und Rechtstranslation mit 𝑎, d. h.

𝐿𝑎:𝐺∋𝑔↦𝑎𝑔∈𝐺und𝑅𝑎:𝐺∋𝑔↦𝑔𝑎∈𝐺.

Die Inversen zu 𝐿𝑎 bzw. 𝑅𝑎 sind 𝐿𝑎−1 bzw. 𝑅𝑎−1. Aus der Definition einer Lie-Gruppe folgt insbesondere, dass diese Abbildungen Diffeomorphismen sind. Somit können wir die folgende Definition aufstellen.

Bemerkung 2.1.9 Die Abbildung 𝔤∋𝑋↦𝑋𝑒∈𝑇𝑒𝐺 ist bijektiv. Die inverse Abbildung ordnet jedem Tangentialvektor 𝑋𝑒∈𝑇𝑒𝐺 an 𝑒∈𝐺 das linksinvariant-verschobende Vektorfeld zu, d. h.

𝑇𝑒𝐺∋𝑋𝑒↦(𝑎↦𝑑𝐿𝑎𝑋𝑒)∈𝔤.

Es ist daher nützlich, 𝔤 mit dem Tangentialraum 𝑇𝑒𝐺 an der Identität 𝑒∈𝐺 zu identifizieren. Die Menge 𝑇𝑒𝐺 besitzt jedoch keine natürliche Algebrastruktur, weshalb der kanonische zugrunde liegende Vektorraum der Lie-Algebra die linksinvarianten Vektorfelder sind.

Wir benötigen außerdem die adjungierte Darstellung einer Lie-Gruppe auf ihrer Lie-Algebra. Diese werden wir zum Beispiel zur Charakterisierung des Transformationsverhaltens sogenannter Zusammenhangsformen unter Eichtransformationen im späteren Verlauf dieses Kapitels verwenden, um den Seiberg-Witten-Modulraum in Kapitel 4 besser verstehen zu können.

Definition 2.1.10 Sei 𝐺 eine Lie-Gruppe und 𝔤 ihre Lie-Algebra. Für 𝑎∈𝐺 bezeichnen wir mit Ψ𝑎:𝐺∋𝑔↦𝑎𝑔𝑎−1∈𝐺 die Konjugation mit a und mit

Ad𝑎≔𝑑(Ψ𝑎)𝑒∈GL(𝔤)

die adjungierte Darstellung von 𝐺.

Da wir uns in Kapitel 4 mit einer abelschen Eichtheorie beschäftigen, sind die Vereinfachungen relevant, die in diesem Fall auftreten.

Bemerkung 2.1.11 Wenn 𝐺 abelsch ist, dann ist die Lie-Klammer [⋅,⋅] auf 𝔤 trivial und für alle 𝑎∈𝐺 gilt Ψ𝑎=id𝐺 und damit auch Ad𝑎=id𝔤.

Jeder Lie-Gruppe kann außerdem eine sogenannte Lie-Gruppen Exponentialabbildung zugeordnet werden. Um diese Abbildung definieren zu können, benötigen wir das folgende Lemma.

Lemma 2.1.12 Sei 𝐺 eine Lie-Gruppe und 𝔤 ihre Lie-Algebra. Die maximale Integralkurve zu 𝑋∈𝔤 durch 𝑒∈𝐺 ist auf ganz ℝ definiert.

Beweis: Siehe [Bau14].

Definition 2.1.13 Die Lie-Gruppen Exponentialabbildung von 𝐺 ist definiert als Auswertung zum Zeitpunkt 𝑡=1 der maximalen Integralkurve 𝜙𝑋 vom linksinvarianten Vektorfeld 𝑋∈𝔤 durch 𝑒∈𝐺, d. h.

exp:𝔤∋𝑋↦𝜙𝑋(1)∈𝐺.

Sofern der Kontext klar ist, nennen wir diese Abbildung auch nur Exponentialabbildung.

Die Lie-Gruppen Exponentialabbildung unterscheidet sich von der zu einer Metrik gehörenden geodätischen Exponentialabbildung. Für manche, zum Beispiel alle kompakten, Lie-Gruppen existieren jedoch sogenannte biinvariante Metriken mit der Eigenschaft, dass die Lie-Gruppen Exponentialabbildung mit der zu dieser Metrik gehörenden geodätischen Exponentialabbildung übereinstimmt (siehe [Lee18]).

Wir können nun ein weiteres Standardresultat über Lie-Gruppen-Homomorphismen formulieren, welches wir zum Beispiel in Lemma 3.3.11 nutzen werden, um zu zeigen, dass eine dort definierte Darstellung ein lokaler Diffeomorphismus ist.

Lemma 2.1.14 Wenn 𝐺,𝐻 Lie-Gruppen sind, 𝜙:𝐺→𝐻 ein Lie-Gruppen-Homomorphismus und 𝔤 die Lie-Algebra von 𝐺 ist, dann gilt für alle 𝑋∈𝔤

𝜙(exp(𝑡𝑋))=exp(𝑡(𝑑𝜙)𝑒(𝑋)).

Im Fall einer Matrix-Lie-Gruppe, also einer Lie-Gruppe, die eine Untergruppe von GL(𝑛,ℂ) ist, vereinfachen sich die zuvor eingeführten Strukturen wie folgt.

Bemerkung 2.1.15 Sei 𝐺⊂GL(𝑛,ℂ) eine Lie-Gruppe. Die Lie-Algebra 𝔤 von 𝐺 kann als Untervektorraum von Mat(𝑛,ℂ) aufgefasst werden, und die Algebrastruktur von 𝔤 ist genau durch den Kommutator zwischen Matrizen gegeben, d. h.

∀𝐴,𝐵∈𝔤:[𝐴,𝐵]=𝐴⋅𝐵−𝐵⋅𝐴∈𝔤.

Außerdem stimmt die Exponentialabbildung in diesem Fall mit dem üblichen Matrixexponential überein:

exp:𝔤∋𝐴↦∑𝑘=0∞𝐴𝑘𝑘!∈𝐺.

Für einen Beweis siehe [Bau14].

Im Sinne der vorherigen Bemerkung wird die Algebrastruktur der Lie-Algebra einer Lie-Gruppe in der Physik häufig auch als Kommutationsrelationen bezeichnet. Auch wird eine Basis der Lie-Algebra oft informell als eine Menge von Generatoren der Lie-Gruppe bezeichnet und die Bilder der Generatoren (und Linearkombinationen dieser) unter der Lie-Gruppen Exponentialabbildung als von den Generatoren erzeugt. Ein besonderes Beispiel für die Physik ist dabei die sogenannte Lorentzgruppe, d. h. die spezielle Invarianzgruppe der Standard-Bilinearform 𝜂1,3 mit Signatur (1,3) auf ℝ4. Das nächste Beispiel beschäftigt sich mit dieser Lie-Gruppe.

Beispiel 2.1.16 Sei SO(1,3)⊂GL(𝑛,ℝ) die Lorentz-Gruppe und 𝔰𝔬(1,3) ihre Lie-Algebra. Vermöge der Identifikation von 𝔰𝔬(1,3) mit einem Untervektorraum von Mat(4,ℝ) ist eine Menge von Generatoren gegeben durch

𝐽1≔(
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
−1
0
0
1
0
),𝐽2≔(
0
0
0
0
0
0
0
1
0
0
0
0
0
−1
0
0
)
,𝐽3
≔(
0
0
0
0
0
0
−1
0
0
1
0
0
0
0
0
0
)
,
𝐾1≔(
0
1
0
0
1
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
)
,𝐾2
≔(
0
0
1
0
0
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
0
)
,𝐾3
≔(
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
0
0
1
0
0
0
)
.

Die Generatoren erfüllen außerdem für 𝑖,𝑗,𝑘∈{1,2,3} die Kommutationsrelationen

[𝐽𝑖,𝐽𝑗]=∑𝑘=13𝜀𝑖𝑗𝑘𝐽𝑘,[𝐽𝑖,𝐾𝑗]=∑𝑘=13𝜀𝑖𝑗𝑘𝐾𝑘,[𝐾𝑖,𝐾𝑗]=−∑𝑘=13𝜀𝑖𝑗𝑘𝐽𝑘.

Dabei ist 𝜀𝑖𝑗𝑘 die eindeutige antisymmetrische Abbildung mit 𝜀123≔1∈ℝ bzw. 𝜀132=−1. Unter der Exponentialabbildung erzeugen die Generatoren 𝐽1,𝐽2,𝐽3 räumliche Drehungen und die Generatoren 𝐾1,𝐾2,𝐾3 sogenannte boosts in die unterschiedlichen Raumrichtungen.

Abschließend führen wir die zu einer Lie-Gruppe gehörende Maurer-Cartan-Form ein. Mit dieser werden wir in Kapitel 4 das Transformationsverhalten von Zusammenhangsformen unter Eichtransformationen beschreiben.

Definition 2.1.17 Sei 𝐺 eine Lie-Gruppe und 𝔤 ihre Lie-Algebra. Die Maurer-Cartan-Form von 𝐺 ist die Abbildung

𝜇𝐺:𝑇𝐺→𝑇𝑒𝐺≅𝔤,𝜇𝐺(𝑌) ≔𝑑𝐿𝑎−1𝑌für𝑌∈𝑇𝑎𝐺,𝑎∈𝐺,

welche einem Tangentialvektor an 𝐺 dessen linksinvariante Fortsetzung zuordnet.

2.2. Hauptfaserbündel

Sei im Folgenden immer 𝐺 eine Lie-Gruppe und 𝑀 eine Mannigfaltigkeit. Faserbündel notieren wir als 4-Tupel (𝐸,𝜋,𝐵;𝐹), wobei 𝜋:𝐸→𝐵 die Projektion und 𝐹 der Fasertyp ist. Wenn die Projektion klar ist, kürzen wir (𝐸,𝜋,𝐵;𝐹) mit 𝐵 ab.

Wir möchten nun den Begriff eines Hauptfaserbündels einführen. Dies ist die Gesamtmenge aller Referenzpunkte, die eine beobachtende Person einnehmen kann.

Definition 2.2.1 Eine glatte Rechts- bzw. Linkswirkung 𝜙:𝐺×𝑃→𝑃 von 𝐺 auf einer Mannigfaltigkeit 𝑃 heißt einfach transitiv, wenn für alle 𝑝1,𝑝2∈𝑃 genau ein 𝑔∈𝐺 mit 𝜙(𝑔,𝑝1)=𝑝2 existiert.

Definition 2.2.2 Ein 𝐺-Hauptfaserbündel (𝐺-HFB) ist ein Faserbündel (𝑃,𝜋,𝑀;𝐺), dessen Fasertyp eine Lie-Gruppe ist, sodass eine glatte Rechtswirkung von 𝐺 auf 𝑃 gegeben ist, die fasertreu und einfach transitiv in jeder Faser operiert.

Abbildung 2: Rechts-
wirkung von 𝐺 auf 𝑃.

𝐺 wird auch Strukturgruppe des 𝐺-HFB oder im physikalischen Kontext auch Symmetriegruppe genannt. Für 𝑝∈𝑃 und 𝑔∈𝐺 notieren wir die Rechtswirkung mit 𝑝⋅𝑔∈𝑃 oder auch nur mit 𝑝𝑔∈𝑃. Wie im Abschnitt zu Lie-Gruppen lassen sich auch für 𝐺-HFB einige wichtige Beispiele anführen. Zuerst benötigen wir jedoch das folgende Lemma zur Konstruktion von Hauptfaserbündeln.

Lemma 2.2.3 Sei 𝑃 eine Menge, 𝜋:𝑃→𝑀 eine Abbildung, {𝑈𝑖|𝑖∈𝐼} eine offene Überdeckung von 𝑀 zusammen mit Abbildungen 𝜑𝑖:𝜋−1(𝑈𝑖)→𝑈𝑖×𝐺, die pr1∘𝜑𝑖=𝜋|𝜋−1(𝑈𝑖) erfüllen. Alle Abbildungen

𝜑𝑖∘𝜑𝑗−1:(𝑈𝑖∩𝑈𝑗)×𝐺→(𝑈𝑖∩𝑈𝑗)×𝐺

seien von der Form 𝜑𝑖∘𝜑𝑗−1(𝑥,𝑔)=(𝑥,𝑔𝑖𝑗𝑔) mit glatten 𝑔𝑖𝑗:𝑈𝑖∩𝑈𝑗→𝐺. Dann existiert genau eine Struktur als glatte Mannigfaltigkeit auf 𝑃, sodass (𝑃,𝜋,𝑀;𝐺) ein Faserbündel mit Bündelkarten 𝜑𝑖 wird. Durch die Rechtswirkung von 𝐺 auf die zweite Komponente in 𝑈𝑖×𝐺 kann die Rechtswirkung

𝑝⋅𝑔≔𝜑𝑖−1(𝜑𝑖(𝑝)⋅𝑔)für𝑝∈𝜋−1(𝑈𝑖),𝑔∈𝐺

von 𝐺 auf 𝑃 definiert werden, mit welcher (𝑃,𝜋,𝑀;𝐺) ein 𝐺-HFB wird.

Beweis: Siehe Satz 3.4 und Satz 4.5 in [Sch24].

In der Auswahl der nun folgenden Beispiele beschränken wir uns auf die für die Definition einer Spin-Struktur in Kapitel 3 benötigten Beispiele .

Beispiel 2.2.4

  1. Das Basenbündel GL(𝑀) von 𝑇𝑀 ist das GL(𝑛,ℝ)-HFB, dessen Faser über 𝑥∈𝑀

    GL(𝑀)𝑥≔{𝑏𝑥|𝑏𝑥ist Basis von𝑇𝑥𝑀}

    aus der Menge der Basen von 𝑇𝑥𝑀 besteht. Wir definieren die Menge

    GL(𝑀)≔⋃̇𝑥∈𝑀GL(𝑀)𝑥

    und die Abbildung 𝜋:GL(𝑀)∋𝑏𝑥↦𝑥∈𝑀. Ein Atlas {(𝑈𝑖,𝑥𝑖)} von 𝑀 induziert Abbildungen 𝜑𝑖:𝜋−1(𝑈𝑖)→𝑈𝑖×GL(𝑛,ℝ), sodass die Abbildungen 𝜑𝑖∘𝜑𝑗−1 durch 𝑑(𝑥𝑖∘𝑥𝑗):ℝ𝑛→ℝ𝑛 gegeben sind und somit glatt sind. Gemäß Lemma 2.2.3 ist (GL(𝑀),𝜋,𝑀;GL(𝑛,ℝ)) ein GL(𝑛,ℝ)-HFB mit der Rechtswirkung gegeben durch

    𝑏⋅𝐴≔(∑𝑗=1𝑛𝑏𝑗𝐴𝑗1,… ,∑𝑗=1𝑛𝑏𝑗𝐴𝑗𝑛)∈GL(𝑀)für alle𝐴∈GL(𝑛,ℝ),𝑏∈GL(𝑀).
  2. Wenn (𝐸,𝜋,𝑀,𝑉) ein ℂ-Vektorbündel von Rang 𝑛 über 𝑀 ist, können wir das GL(𝑛,ℂ)-HFB definieren, dessen Faser GL(𝐸)𝑥 über 𝑥∈𝑀 aus den Basen von 𝐸𝑥 besteht. Ein Bündelatlas von 𝐸 induziert Abbildungen 𝜑𝑖:𝜋−1(𝑈𝑖)→𝑈𝑖×GL(𝑛,ℂ), sodass die Abbildungen 𝜑𝑖∘𝜑𝑗−1 durch glatte 𝑔𝑖,𝑗:𝑈𝑖∩𝑈𝑗→GL(𝑛,ℂ) gegeben sind. Gemäß Lemma 2.2.3 ist GL(𝑀)≔∪𝑥∈𝑀GL(𝑀)𝑥 mit der Rechtswirkung

    𝑏⋅𝐴≔(∑𝑗=1𝑛𝑏𝑗𝐴𝑗1,… ,∑𝑗=1𝑛𝑏𝑗𝐴𝑗𝑛)∈GL(𝐸)für alle𝐴∈GL(𝑛,ℂ),𝑏∈GL(𝐸)

    ein GL(𝑛,ℂ)-HFB, das Basenbündel GL(𝐸) von 𝐸.

  3. Wenn eine Metrik 𝑔 der Signatur (𝑟,𝑠) auf 𝑀 gegeben ist, kann das Orthonormalbasenbündel

    𝑂(𝑀,𝑔)≔{𝑏∈GL(𝑀)|𝑏ist𝑔-Orthonormalbasis}⊂GL(𝑀)

    definiert werden. Eine 𝑔-Orthonormalbasis über 𝑥∈𝑀 ist dabei eine Basis 𝑏∈GL(𝑀)𝑥, sodass 𝑔(𝑏𝑖,𝑏𝑖)∈{±1} gilt und die Metrik auf dem Spann der ersten 𝑟-Basisvektoren negativ definit ist. Die Strukturgruppe dieses Bündels ist die orthonormale Gruppe 𝑂(𝑟,𝑠).

  4. Wenn eine Metrik 𝑔 der Signatur (𝑟,𝑠) auf 𝑀 gegeben, 𝑀 orientierbar und eine Orientierung vorgegeben ist, kann das spezielle Orthonormalbasenbündel

    SO(𝑀,𝑔)≔{𝑏∈𝑂(𝑀,𝑔)|𝑏ist positiv orientiert}⊂𝑂(𝑀,𝑔)

    definiert werden. Die Strukturgruppe dieses Bündels ist die spezielle orthonormale Gruppe SO(𝑟,𝑠).

Wenn in der Situation des vierten Beispiels die Metrik 𝑔 auf 𝑀 die Signatur (1,3) trägt, entspricht die physikalische Interpretation der SO(1,3)-Wirkung auf den Fasern der Transformation zwischen Bezugssystemen mittels Lorentztransformationen.

Wir benötigen außerdem den Begriff einer Eichtransformation eines 𝐺-HFB, welcher ein Spezialfall eines Isomorphismus zwischen 𝐺-HFB ist. Für die Definition des Seiberg-Witten-Modulraums in Kapitel 4 ist der Begriff einer Eichtransformation wesentlich, da der Lösungsraum der Seiberg-Witten-Gleichungen invariant unter Eichtransformationen ist. Eine solche Eichinvarianz des Lösungsraums ist in physikalischen Theorien ein häufig vorkommendes Prinzip.

Definition 2.2.5 Seien (𝑃,𝜋𝑃,𝑀;𝐺) und (𝑄,𝜋𝑄,𝑀;𝐺) zwei 𝐺-HFB. Eine Abbildung 𝑓:𝑃→𝑄 heißt HFB-Isomorphismus, wenn 𝑓 ein fasertreuer Diffeomorphismus ist, der zusätzlich 𝐺-äquivariant ist, d. h.

𝑓(𝑝⋅𝑔)=𝑓(𝑝)⋅𝑔∀𝑝∈𝑃,𝑔∈𝐺.

Definition 2.2.6 Eine Eichtransformation von 𝑃 ist ein HFB-Isomorphismus 𝑓:𝑃→𝑃. Mit anderen Worten: eine Eichtransformation ist ein fasertreuer Diffeomorphismus 𝑓:𝑃→𝑃, welcher 𝐺-äquivariant ist, d. h.

𝑓(𝑝⋅𝑔)=𝑓(𝑝)⋅𝑔∀𝑝∈𝑃,𝑔∈𝐺.

Wir bezeichnen mit 𝒢︀(𝑃) die Gruppe der Eichtransformationen von 𝑃. Da die Rechtswirkung von 𝐺 auf 𝑃 einfach-transitiv in jeder Faser ist, können wir außerdem jeder Eichtransformation 𝑓∈𝒢︀(𝑃) bijektiv ein Element 𝜎𝑓 in der Menge

{𝜎:𝑃→𝐺glatt|∀𝑔∈𝐺:𝜎(𝑝𝑔)=𝑔−1𝜎(𝑝)𝑔}

durch die Bedingung 𝑓(𝑝)=𝑝⋅𝜎𝑓(𝑝) für alle 𝑝∈𝑃 zuordnen.

Abschließend führen wir den Begriff einer Reduktion der Strukturgruppe eines Hauptfaserbündels ein, welcher zur Definition des Begriffs einer Spin-Struktur in Kapitel 3 benötigt wird.

Definition 2.2.7 Sei (𝑃,𝜋,𝑀;𝐺) ein 𝐺-HFB über 𝑀, 𝐻 eine weitere Lie-Gruppe sowie 𝜆:𝐻→𝐺 ein Lie-Gruppen-Homomorphismus. Eine 𝜆-Reduktion von 𝑃 ist ein Tupel (𝑄,𝐹), sodass

  1. 𝑄 ein 𝐻-Hauptfaserbündel über 𝑀 ist und

  2. 𝐹:𝑄→𝑃 eine fasertreue, 𝜆-äquivariante Abbildung ist, d. h. es gilt

    𝐹(𝑞⋅ℎ)=𝐹(𝑞)⋅𝜆(ℎ)∀𝑞∈𝑄,ℎ∈𝐻.

Wir sagen auch, dass die Strukturgruppe des 𝐺-Hauptfaserbündels entlang 𝜆 von 𝐺 auf 𝐻 reduziert wird. Wenn der Kontext klar ist, bezeichnen wir eine 𝜆-Reduktion auch als 𝐻-Struktur auf 𝑃.

Beispiel 2.2.8

  1. Wenn 𝑔 eine semi-Riemannsche Metrik der Signatur (𝑟,𝑠) auf 𝑀 ist und 𝑂(𝑀,𝑔) das Orthonormalbasenbündel zu (𝑀,𝑔) ist, dann definiert die Inklusion

    𝐹:𝑂(𝑀,𝑔)∋𝑏↦𝑏∈GL(𝑀)

    eine Reduktion der Strukturgruppe des Basenbündels GL(𝑀) von GL(𝑟+𝑠,ℝ) auf 𝑂(𝑟,𝑠).

  2. Wenn 𝑀 zusätzlich eine Orientierung trägt und SO(𝑀,𝑔) das spezielle Orthonormalbasenbündel zu (𝑀,𝑔) ist, dann definiert die Inklusion

    SO(𝑀,𝑔)∋𝑏↦𝑏∈GL(𝑀)

    eine Reduktion der Strukturgruppe des Basenbündels GL(𝑀) von GL(𝑟+𝑠,ℝ) auf SO(𝑟,𝑠).

Bemerkung 2.2.9 Ist andersherum (𝑄,𝐹) eine Reduktion der Strukturgruppe des Basenbündels GL(𝑀) von GL(𝑟+𝑠,ℝ) auf 𝑂(𝑟,𝑠), so definieren wir die Basen in GL(𝑀), die im Bild

𝐹(𝑄)={𝐹(𝑞)∈GL(𝑀)|𝑞∈𝑄}

von 𝐹 liegen, als Orthonormalbasen. Dies liefert eine wohldefinierte Bündelmetrik, da zwei verschiedene Orthonormalbasen 𝐹(𝑞1),𝐹(𝑞2) über eine orthonormale Transformation verbunden sind, was aus

𝑞1=𝑞2𝐴⇒𝐹(𝑞1)=𝐹(𝑞2)𝐴mit𝐴∈𝑂(𝑟,𝑠),𝑞1,𝑞2∈𝑄

folgt. In diesem Sinne ist die Wahl einer semi-Riemannschen Metrik auf 𝑀 äquivalent zur Wahl einer Reduktion der Strukturgruppe des Basenbündels GL(𝑀) von GL(𝑟+𝑠,ℝ) auf 𝑂(𝑟,𝑠).

Ein weiteres Beispiel ist der Begriff der Spin- bzw. Spinℂ-Struktur einer semi-Riemannschen Mannigfaltigkeit, den wir in Kapitel 3 einführen möchten.

In den nächsten Abschnitten werden wir dem Begriff eines Hauptfaserbündels weitere Strukturen hinzufügen. Insbesondere interessieren wir uns dafür, wie diese Strukturen unter Eichtransformationen transformieren.

2.3. Assoziierte Faser-, Vektor- und Hauptfaserbündel

Sei weiterhin 𝑀 eine Mannigfaltigkeit und 𝐺 eine Lie-Gruppe. Sei außerdem (𝑃,𝜋,𝑀;𝐺) ein 𝐺-HFB über 𝑀.

Nachdem wir nun die Begriffe der Lie-Gruppen und Hauptfaserbündel eingeführt haben, können wir zu einem Hauptfaserbündel gewisse Faserbündel definieren, deren Punkte explizit unabhängig von der Wahl eines Referenzpunktes im Hauptfaserbündel sind. Dies sind die assoziierten Faserbündel.

Definition 2.3.1 Sei 𝑁 eine Mannigfaltigkeit und 𝜌 eine Linkswirkung von 𝐺 auf 𝑁. Definiere auf dem Produkt 𝑃×𝑁 die Äquivalenzrelation

(𝑝,𝑛)∼(𝑝𝑔,𝜌(𝑔−1,𝑛))für𝑝∈𝑃,𝑛∈𝑁,𝑔∈𝐺.

Den Quotienten bezüglich dieser Relation notieren wir als

𝑃×𝜌𝑁≔(𝑃×𝑁)/∼.

Setze 𝜋̂:𝑃×𝜌𝑁∋[(𝑝,𝑦)]↦𝜋(𝑝)∈𝑀, wobei 𝜋:𝑃→𝑀 die Projektion in 𝑃 ist. Dann existiert genau eine Struktur auf 𝑃×𝜌𝑁, sodass (𝑃×𝜌𝑁,𝜋̂,𝑀;𝑁) ein Faserbündel mit Fasertyp 𝑁 wird. Dies bezeichnen wir als das zu 𝑃 und der Wirkung von 𝐺 auf 𝑁 assoziierte Faserbündel.

Beweis: Siehe Satz 2.7 in [Bau14].

Bevor wir ein erstes Beispiel angeben können, betrachten wir den Fall, dass der Fasertyp eines assoziierten Faserbündels ein Vektorraum oder eine Lie-Gruppe ist. In diesen Fällen zeichnet sich das assoziierte Faserbündel dadurch aus, dass es die zusätzliche Struktur als Vektorbündel bzw. als Hauptfaserbündel trägt. Aus diesem Grund ist beispielsweise das Spinorbündel in Kapitel 3 ein Vektorbündel.

Definition 2.3.2

  1. Wenn 𝑉 ein reeller oder komplexer Vektorraum ist und 𝜌𝑉 eine Darstellung von 𝐺 auf 𝑉 ist, dann definiert

    𝜌(𝑔,𝑣)≔𝜌𝑉(𝑔)𝑣

    eine Linkswirkung von 𝐺 auf 𝑉. Auf dem assoziierten Faserbündel 𝑃×𝜌𝑉 definieren wir für alle 𝑥∈𝑀 und 𝑝∈𝑃𝑥 eine Vektorraumstruktur auf der Faser über 𝑥, sodass die Abbildung

    (𝑃×𝜌𝑉)𝑥∋[(𝑝,𝑣)]↦𝑣∈𝑉

    ein Vektorraumisomorphismus wird. Die so definierte Vektorraumstruktur auf (𝑃×𝜌𝑉)𝑥 ist unabhängig von der Wahl des Punktes 𝑝, da 𝜌(𝑔) für 𝑔∈𝐺 eine lineare Abbildung ist. Das so definierte Vektorbündel nennen wir das zu 𝑃 und der Darstellung von 𝐺 auf 𝑉 assoziierte Vektorbündel und wir schreiben

    𝑃×𝜌𝑉𝑉≔𝑃×𝜌𝑉.
  2. Wenn 𝐻 eine Lie-Gruppe und 𝜆:𝐺→𝐻 ein Lie-Gruppen-Homomorphismus ist, dann definiert

    𝜌𝜆(𝑔,ℎ)≔𝜆(𝑔)ℎ∀𝑔∈𝐺,ℎ∈𝐻

    eine Linkswirkung von 𝐺 auf 𝐻. Auf dem assoziierten Faserbündel 𝑃×𝜌𝜆𝐻 definieren wir die Rechtswirkung

    (𝑃×𝜌𝜆𝐻)×𝐻∋([(𝑝,ℎ)],ℎ′)↦[(𝑝,ℎ⋅ℎ′)]∈𝑃×𝜌𝜆𝐻.

    Diese Wirkung ist fasertreu und einfach transitiv in jeder Faser und somit bildet 𝑃×𝜌𝜆𝐻 ein 𝐻-HFB. Dies nennen wir das zu 𝑃 und 𝜆 assoziierte Hauptfaserbündel und schreiben

    𝑃×𝜆𝐻≔𝑃×𝜌𝜆𝐻.

Wir wollen als Beispiel für den Begriff eines assoziierten Vektorbündels das Tangentialbündel einer Mannigfaltigkeit betrachten. Hierfür führen wir den Begriff eines Vektorbündelisomorphismus als Spezialfall eines Vektorbündelhomomorphismus ein. Wir werden diesen Begriff außerdem bei der Definition der Clifford-Multiplikation in Kapitel 3 benötigen.

Definition 2.3.3 Seien (𝑋,𝜋𝑋,𝑀;𝑉),(𝑌,𝜋𝑌,𝑀;𝑊) zwei Vektorbündel über 𝑀. Eine glatte Abbildung 𝑓:𝑋→𝑌 heißt Vektorbündelhomomorphismus, wenn 𝑓 fasertreu und eingeschränkt auf jede Faser linear ist. Wenn 𝑓 zusätzlich bijektiv ist, heißt 𝑓 Vektorbündelisomorphismus.

Beispiel 2.3.4 Sei GL(𝑀) das Basenbündel von 𝑇𝑀 und 𝜌std die Standard-Darstellung von GL(𝑛,ℝ) auf ℝ𝑛. Dann sind die Vektorbündel

GL(𝑀)×𝜌stdℝ𝑛und𝑇𝑀

isomorph. Um dies einzusehen, definieren wir einen Vektorbündelisomorphismus durch

𝑓:GL(𝑀)×𝜌stdℝ𝑛→𝑇𝑀,𝑓([(𝑏1,…,𝑏𝑛,𝑣1,…,𝑣𝑛)])=∑𝑖=1𝑛𝑣𝑖𝑏𝑖=𝑏⋅𝑣.

Ist 𝐴∈GL(𝑛,ℝ), so gilt (𝑏,𝑣)∼(𝑏𝐴,𝐴−1𝑣) und 𝑏𝐴⋅𝐴−1𝑣=𝑏⋅𝑣 und somit ist 𝑓 wohldefiniert. Die Abbildung 𝑓 ist außerdem surjektiv und hat eingeschränkt auf jede Faser einen trivialen Kern, da (𝑏1,…,𝑏𝑛) eine Basis ist. Somit ist 𝑓 ein Vektorbündelisomorphismus.

Um in Kapitel 3 die Clifford-Multiplikation definieren zu können, benötigen wir das folgende Lemma.

Lemma 2.3.5 Sei 𝜌 eine Darstellung von 𝐺 auf einem Vektorraum 𝑉, 𝐻 eine weitere Lie-Gruppe, 𝜆:𝐻→𝐺 ein Lie-Gruppen-Homomorphismus und (𝑄,𝐹) eine 𝜆-Reduktion von 𝑃. Dann definiert 𝜌∘𝜆 eine Darstellung von 𝐻 auf 𝑉 und die zugehörigen assoziierten Vektorbündel sind isomorph, d. h.

𝑃×𝜌𝑉≅𝑄×𝜌∘𝜆𝑉.

Beweis: Ein Faserbündelisomorphismus ist gegeben durch

𝜙:𝑄×𝜌∘𝜆𝑉∋[(𝑞,𝑣)]↦[(𝐹(𝑞),𝑣)]∈𝑃×𝜌𝑉.

Die Abbildung 𝜙 ist wohldefiniert, da 𝐹 𝜆-äquivariant ist und somit

𝜙([(𝑞ℎ,𝜌(𝜆(ℎ)−1)𝑣)])=[(𝐹(𝑞)𝜆(ℎ),𝜌(𝜆(ℎ)−1)𝑣)]=[(𝐹(𝑞),𝑣)]∀ℎ∈𝐻,𝑞∈𝑄,𝑣∈𝑉

gilt. Die Abbildung ist außerdem nach Definition linear auf jeder Faser. Sie ist zusätzlich fasertreu (da 𝐹 fasertreu ist) und glatt (da 𝐹 glatt ist). Um zu zeigen, dass die Abbildung surjektiv ist, wählen wir ein beliebiges Element [(𝑝,𝑣)]∈𝑃×𝜌𝑉 und ein beliebiges Element 𝑞∈𝑄. Dann gibt es ein 𝑔∈𝐺 mit 𝐹(𝑞)=𝑝𝑔 und somit gilt

𝜙([(𝑞,𝜌(𝑔−1)𝑣)])=[(𝐹(𝑞),𝜌(𝑔−1)𝑣)]=[(𝐹(𝑞)𝑔−1,𝑣)]=[(𝑝,𝑣)].

Nun bleibt zu zeigen, dass die Abbildung injektiv ist. Seien 𝑞1,𝑞2∈𝑄, 𝑣1,𝑣2∈𝑉 mit 𝜙([(𝑞1,𝑣1)])=𝜙([(𝑞2,𝑣2)]). Es existiert ein ℎ∈𝐻 mit 𝑞1ℎ=𝑞2. Dann gilt mit dem Ergebnis aus Gl. (2.1):

[(𝐹(𝑞1),𝑣1)]=[(𝐹(𝑞1)𝜆(ℎ),𝜌(𝜆(ℎ)−1)𝑣1)]=[(𝐹(𝑞2),𝜌(𝜆(ℎ)−1)𝑣1)]=[(𝐹(𝑞2),𝑣2)].

Demnach gilt 𝑣2=𝜌(𝜆(ℎ)−1)𝑣1 und somit auch

[(𝑞1,𝑣1)]=[(𝑞1ℎ,𝜌(𝜆(ℎ)−1)𝑣1)]=[(𝑞2,𝑣2)].

Insgesamt ist 𝜙 linear auf jeder Faser, bijektiv und somit tatsächlich ein Vektorbündelisomorphismus.□

2.4. Zusammenhänge und Krümmung in Hauptfaserbündeln

Sei weiterhin 𝑀 eine Mannigfaltigkeit, 𝐺 eine Lie-Gruppe, 𝔤 ihre Lie-Algebra und 𝑃 ein 𝐺-Hauptfaserbündel über 𝑀.

Für die Diskussion in Kapitel 4 benötigen wir den Begriff eines Zusammenhangs auf einem Hauptfaserbündel. Später betrachten wir die durch einen solchen Zusammenhang induzierten Zusammenhänge auf assoziierten Vektorbündeln. Diese werden insbesondere zur Definition des Dirac-Operators in Kapitel 3 benötigt, der in den Seiberg-Witten-Gleichungen eine zentrale Rolle spielt.

Definition 2.4.1

  1. An jedem Punkt 𝑝∈𝑃 definieren wir den vertikalen Tangentialraum 𝑇𝑝𝑣𝑃 als den Teilraum des Tangentialraums an 𝑝∈𝑃, der tangential an die Faser 𝑃𝜋(𝑝) ist, d. h.

    𝑇𝑝𝑣𝑃≔ker(𝑑𝜋𝑝)={𝑋∈𝑇𝑝𝑃|d𝜋(𝑋)=0}≅𝑇𝑝(𝑃𝜋(𝑝)).

    Solche 𝑋∈𝑇𝑝𝑣𝑃 nennen wir vertikal.

  2. Die Rechtswirkung von 𝐺 auf 𝑃 induziert für alle 𝑝∈𝑃 einen Isomorphismus 𝔤≅𝑇𝑝𝑣𝑃 mit

    𝔤∋𝑋↦𝑋̃𝑝≔dd𝑡|𝑡=0(𝑝exp(𝑡𝑋))∈𝑇𝑝𝑣𝑃.

    Wir nennen 𝑋̃:𝑝↦𝑋̃𝑝 das vertikale Vektorfeld zu 𝑋∈𝔤.

  3. Die Wahl eines weiteren Unterraums 𝑇𝑝ℎ𝑃, der den vertikalen Tangentialraum 𝑇𝑝𝑣𝑃 zu 𝑇𝑝𝑃 ergänzt, d. h.

    𝑇𝑝𝑃=𝑇𝑝𝑣𝑃⊕𝑇𝑝ℎ𝑃,

    nennen wir einen horizontalen Tangentialraum an 𝑝∈𝑃.

  4. Ein Zusammenhang auf 𝑃 ist eine glatt-variierende Wahl ℋ︀ von solchen horizontalen Tangentialräumen auf ganz 𝑃, die 𝐺-invariant ist, d. h.

    (𝑅𝑔)∗ℋ︀𝑝=ℋ︀𝑝𝑔.

    Glatt-variierend bedeutet dabei, lokal durch eine Familie von (glatten) Vektorfeldern aufgespannt zu sein. Untervektorbündel vom Tangentialbündel bezeichnen wir als Distributionen und bezeichnen einen Zusammenhang demnach auch als horizontale Distribution.

Es ist nützlich eine solche Wahl von horizontalen Tangentialräumen mit einer gewissen Lie-Algebra-wertigen 1-Form zu identifizieren. Aus dieser 1-Form kann anschließend die Krümmungsform abgeleitet werden, welche in den Seiberg-Witten-Gleichungen auftreten wird.

Definition 2.4.2 Eine Zusammenhangs 1-Form oder auch nur Zusammenhangsform auf dem Hauptfaserbündel (𝑃,𝜋,𝑀;𝐺) ist eine 1-Form

𝐴∈Ω1(𝑃,𝔤)=Γ(𝑇∗𝑀⊗(𝑀×𝔤)),

mit Werten in der Lie-Algebra 𝔤 von 𝐺, sodass gilt

  1. (𝑅𝑔)∗𝐴=Ad𝑔−1∘𝐴 für alle 𝑔∈𝐺, und

  2. 𝐴(𝑋̃)=𝑋 für alle vertikalen Vektorfelder 𝑋̃, definiert wie in Definition 2.4.1.

Die Menge der Zusammenhangsformen auf 𝑃 bezeichnen wir mit 𝒜︀(𝑃).

Bemerkung 2.4.3 Die Angabe eines Zusammenhangs auf 𝑃 ist äquivalent zur Angabe einer Zusammenhangsform im folgenden Sinne.

  1. Wenn 𝐴 eine Zusammenhangsform auf 𝑃 ist, definieren wir einen Zusammenhang auf 𝑃 durch

    ℋ︀≔ker(𝐴).
  2. Wenn ℋ︀ ein Zusammenhang auf 𝑃 ist, definieren wir eine Zusammenhangsform durch

    𝐴|𝑇𝑝𝑃≔pr𝑇𝑝𝑣𝑃:𝑇𝑝𝑃→𝑇𝑝𝑣𝑃≅𝔤.

    Dabei ist 𝑇𝑝𝑣𝑃≅𝔤 der Isomorphismus aus Definition 2.4.1.

Wir wollen nun folgern, dass auf jedem 𝐺-HFB eine Zusammenhangsform existiert. Insbesondere ist dies in Kapitel 4 relevant, da wir dort eine „Basis-Zusammenhangsform“ voraussetzen werden. Zuerst benötigen wir den trivialen Zusammenhang im trivialen 𝐺-HFB.

Beispiel 2.4.4 Wenn 𝑃 das triviale 𝐺-HFB über 𝑀 ist, d. h. (𝑃=𝑀×𝐺,pr1,𝑀;𝐺), dann ist der triviale Zusammenhang auf 𝑃 und die triviale Zusammenhangsform auf 𝑃 gegeben durch

ℋ︀=𝑇𝑀⊕{0}⊂𝑇𝑃und𝐴=pr2∗𝜇𝐺.

Dabei ist 𝜇𝐺 die Maurer-Cartan-Form aus Definition 2.1.17. Dies definiert einen wohldefinierten Zusammenhang. Für den Beweis siehe [Sch24].

Mit dieser Definition können wir nun die folgende Proposition zur Existenz einer Zusammenhangsform auf 𝑃 festhalten.

Proposition 2.4.5 Auf 𝑃 existiert mindestens eine Zusammenhangsform, d. h. 𝒜︀(𝑃)≠∅.

Beweis: Sei {(𝑈𝑖,𝜓𝑖)|𝑖∈𝐼} ein lokal endlicher Bündelatlas von 𝑃. Über jedem 𝑈𝑖 kann bezüglich 𝜓𝑖 der triviale Zusammenhang aus Beispiel 2.4.4 gewählt werden. Bezeichne diesen mit 𝐴𝑖 und wähle eine Teilung der Eins (𝑓𝑖)𝑖∈𝐼 bezüglich {𝑈𝑖}. Definiere dann 𝐴≔∑𝑖∈𝐼𝑓𝑖𝐴𝑖. Es folgt, dass 𝐴 eine Zusammenhangsform auf 𝑃 ist.□

Wir werden nun den Begriff der Krümmung eines Zusammenhangs auf einem Hauptfaserbündel einführen, welcher einerseits bei der Definition der Seiberg-Witten-Gleichungen benötigt wird und andererseits in der Physik als Feldstärke einer Eichtheorie interpretiert wird.

Definition 2.4.6 Sei 𝐴 eine Zusammenhangsform auf 𝑃 und prℋ︀:𝑇𝑃→ℋ︀ die Projektion auf die gemäß Bemerkung 2.4.3 zu 𝐴 gehörige horizontale Distribution ℋ︀.

  1. Sei 𝑉 ein Vektorraum. Das absolute Differential ist

    𝐷𝐴:Ω𝑘(𝑃,𝑉)∋𝜔↦𝑑𝜔(prℋ︀⋅,…,prℋ︀⋅⏟𝑘+1)∈Ω𝑘+1(𝑃,𝑉).
  2. Die Krümmungsform zu 𝐴 ist

    𝐹𝐴≔𝐷𝐴𝐴∈Ω2(𝑃,𝔤).

Satz 2.4.7 Sei 𝐴 eine Zusammenhangsform auf 𝑃 und [⋅,⋅]:𝔤×𝔤→𝔤 die Lie-Klammer von 𝐺. Für die Krümmungsform 𝐹𝐴 zu 𝐴 gilt die sogenannte Strukturgleichung:

𝐹𝐴(𝑋,𝑌)=𝑑𝐴(𝑋,𝑌)+[𝐴(𝑋),𝐴(𝑌)]∀𝑝∈𝑃,𝑋,𝑌∈𝑇𝑝𝑃.

Beweis: Siehe Satz 3.15 in [Bau14].

Wieder können wir für den Fall einer abelschen Eichtheorie die resultierenden Vereinfachungen festhalten.

Korollar 2.4.8 Wenn 𝐺 abelsch ist, dann folgt aus Bemerkung 2.1.11 und der Strukturgleichung:

𝐹𝐴=𝑑𝐴.

2.5. Kontravariante Darstellungen und die lokale Krümmungsform

Sei wieder 𝑀 eine Mannigfaltigkeit, 𝐺 eine Lie-Gruppe, 𝔤 ihre Lie-Algebra, (𝑃,𝜋,𝑀,𝐺) ein 𝐺-HFB über 𝑀 und 𝐴 eine Zusammenhangsform auf 𝑃. Sei außerdem 𝑉 ein reeller oder komplexer Vektorraum und 𝜌:𝐺→GL(𝑉) eine Darstellung von 𝐺 auf 𝑉.

Die Punkte in den assoziierten Faserbündeln aus Abschnitt 2.3 sind explizit unabhängig von der Wahl eines von einer beobachtenden Person eingenommenen Referenzpunktes. Wir möchten jedoch einer solchen koordinatenfreien Darstellung in diesem Kapitel wieder eine koordinatenabhängige Darstellung zuordnen.

Definition 2.5.1 Eine 𝑘-Form 𝜔∈Ω𝑘(𝑃,𝑉) heißt

  1. horizontal, falls 𝜔 auf vertikalen Vektoren verschwindet, d. h.

    𝜔𝑝(𝑋1,…,𝑋𝑖,…,𝑋𝑘)=0falls𝑋𝑖∈𝑇𝑝𝑣𝑃.
  2. vom Typ 𝜌 oder 𝜌-äquivariant, falls für alle 𝑔∈𝐺 gilt

    (𝑅𝑔)∗𝜔=𝜌(𝑔−1)∘𝜔.

Wir bezeichnen die Menge der 𝜔∈Ω𝑘(𝑃,𝑉), welche beide Bedingungen erfüllen, mit

Ωhor𝑘(𝑃,𝑉)(𝐺,𝜌).

Elemente in Ωhor𝑘(𝑃,𝑉)(𝐺,𝜌) nennen wir lokale Darstellungen.

Beispiel 2.5.2 Die Zusammenhangsform 𝐴 auf 𝑃 ist nach Definition vom Typ Ad.

Satz 2.5.3 Sei 𝐸≔𝑃×𝜌𝑉 das zu 𝑃 und der Wirkung 𝜌 von 𝐺 auf 𝑉 assoziierte Vektorbündel und 𝜋:𝑃→𝑀 die Projektion in 𝑃. Es existiert eine kanonische Zuordnung

𝜙:Ω𝑘(𝑀,𝐸)→∼Ωhor𝑘(𝑃,𝑉)(𝐺,𝜌),

welche definiert ist durch die Eigenschaft, dass für alle 𝑥∈𝑀,𝑝∈𝑃𝑥,𝑌1,…,𝑌𝑘∈𝑇𝑝𝑃 gilt:

[(𝑝,𝜙(𝜔)𝑝(𝑌1,…,𝑌𝑘))]=𝜔𝑥(𝑑𝜋(𝑌1),…,𝑑𝜋(𝑌𝑘)).

Beweis: Siehe Satz 10.1. in [Sch24] oder Satz 3.5 in [Bau14].

Proposition 2.5.4 Wenn 𝛼∈Ω𝑘(𝑃,𝑉) von Typ 𝜌 ist, dann gilt dies auch für 𝑑𝛼 und 𝐷𝐴𝛼.

Beweis: Siehe Proposition 9.4. in [Sch24].

Korollar 2.5.5 Die Krümmungsform zu 𝐴 ist nach Proposition 2.5.4 horizontal und vom Typ Ad, d. h. es gilt

𝐹𝐴∈Ωhor2(𝑃,𝔤)(𝐺,Ad).

Definition 2.5.6 Das adjungierte Bündel ist

Ad𝑃≔𝑃×Ad𝔤.

Definition 2.5.7 Sei 𝜙 der Isomorphismus aus Satz 2.5.3 (hier mit 𝐸=Ad𝑃). Dann definieren wir

Ω𝐴≔𝜙−1(𝐹𝐴)∈Ω2(𝑀,Ad𝑃).

Dies nennen wir die lokale Krümmungsform zu 𝐹𝐴 (bzw. zu 𝐴).

Bemerkung 2.5.8 Die Differenz zweier Zusammenhänge auf 𝑃 ist nach Definition horizontal und vom Typ Ad. Ist andererseits 𝜔∈Ωhor1(𝑃,𝔤)(𝐺,Ad), so ist

𝐴̃≔𝐴+𝜔

eine Zusammenhangsform auf P. Die Menge der Zusammenhangsformen auf 𝑃 ist folglich ein affiner Unterraum von Ω1(𝑃,𝔤) (aufgefasst als ℝ-Vektorraum), aufgespannt durch den Vektorraum Ωhor1(𝑃,𝔤)(𝐺,Ad). In diesem Sinne lässt sich die Menge der Zusammenhänge 𝒜︀(𝑃) auf 𝑃 nach Wahl einer Basis-Zusammenhangsform mit Ω1(𝑀,Ad𝑃) identifizieren.

Satz 2.5.9 Für 𝜔∈Ωhor𝑘(𝑃,𝑉)(𝐺,𝜌) gilt

𝐷𝐴𝜔(𝑋1,…,𝑋𝑘+1)=𝑑𝜔(𝑋1,…,𝑋𝑘+1)+1𝑘!∑𝜎∈𝑆𝑘+1sgn(𝜎)𝜌∗(𝐴(𝑋𝜎(1)))(𝜔(𝑋𝜎(2),…,𝑋𝜎(𝑘+1))).

Beweis: Siehe [Sch24].

2.6. Induzierte Zusammenhänge auf assoziierten Vektorbündeln

Sei wieder 𝑀 eine Mannigfaltigkeit, 𝐺 eine Lie-Gruppe, 𝔤 ihre Lie-Algebra, 𝑃 ein 𝐺-HFB über 𝑀, 𝐴 eine Zusammenhangsform auf 𝑃 und 𝜌 eine Darstellung von 𝐺 auf einem reellen oder komplexen Vektorraum 𝑉. Sei außerdem 𝐸≔𝑃×𝜌𝑉 das zu 𝑃 und 𝜌 assoziierte Vektorbündel.

Aus der Wahl eines Zusammenhangs auf einem Hauptfaserbündel leiten wir nun die daraus resultierende natürliche Wahl einer Ableitung auf jedem assoziierten Vektorbündel ab. Insbesondere benötigen wir diesen, um den Dirac-Operator in Kapitel 3 definieren zu können.

Definition 2.6.1 Sei eine Abbildung 𝑑𝐴:Ω𝑘(𝑀,𝐸)→Ω𝑘+1(𝑀,𝐸) definiert durch das kommutative Diagramm

Definition 2.6.2 Der durch 𝐴 induzierte Zusammenhang auf 𝐸 ist

∇𝑋𝐴𝜑≔(𝑑𝐴𝜑)(𝑋)∀𝜑∈Γ(𝐸),𝑋∈Γ(𝑇𝑀).

Proposition 2.6.3 ∇𝐴 ist ein Zusammenhang auf 𝐸.

Beweis: Siehe [Sch24].

Um in Kapitel 3 den Dirac-Operator auf das positive und negative Spinorbündel einschränken zu können, benötigen wir die folgende lokale Darstellung des induzierten Zusammenhangs auf 𝐸.

Lemma 2.6.4 Sei 𝑠:𝑈→𝑃 ein lokaler Schnitt in 𝑃, 𝜑∈Γ(𝐸) und 𝑤:𝑈→𝑉 definiert durch

𝜑|𝑈=[(𝑠,𝑤)].

Dann gilt für den durch 𝐴 induzierten Zusammenhang

(∇𝑋𝐴𝜑)|𝑈=[(𝑠,𝑋(𝑤)+𝜌∗(𝐴(𝑑𝑠(𝑋)))𝑤)]∀𝑋∈Γ(𝑇𝑀).

Beweis: Siehe [Sch24].

Lemma 2.6.5 Wenn 𝑓:𝑃→𝑃 eine Eichtransformation ist, dann ist 𝑓∗𝐴 wieder eine Zusammenhangsform auf 𝑃. Dies nennen wir den transformierten Zusammenhang zu 𝑓 und 𝐴. Für diesen gilt

𝑓∗𝐴=Ad𝜎𝑓−1∘𝐴+𝜎𝑓∗𝜇𝐺,𝐹𝑓∗𝐴=𝑓∗𝐹𝐴=Ad𝜎𝑓−1∘𝐹𝐴.

Dabei ist Ad𝑔:𝔤→𝔤 für 𝑔∈𝐺 die adjungierte Darstellung von 𝐺 wie in Definition 2.1.10 und 𝜇𝐺 die Maurer-Cartan-Form von 𝐺 wie in Definition 2.1.17.

Beweis: Siehe Satz 3.22 in [Bau14].

Für die Berechnung der Dimension des Modulraums der Lösungen der Seiberg-Witten-Gleichungen werden wir in Proposition 4.6.9 annehmen, dass die zugrunde liegende Mannigfaltigkeit einfach-zusammenhängend ist und somit für Eichtransformationen ein globaler Logarithmus existiert. Die in diesem Fall auftretenden Vereinfachungen beschreibt das folgende Lemma.

Lemma 2.6.6 Sei 𝐺=𝑆1, 𝑓:𝑃→𝑃 eine Eichtransformation, 𝜎𝑓:𝑃→𝑆1 definiert durch 𝑓(𝑝)=𝑝⋅𝜎𝑓(𝑝) und exp:𝔤≅𝑖ℝ→𝑆1 die Exponentialabbildung von 𝑆1 wie in Definition 2.1.13. Es existiere außerdem für 𝜎𝑓 ein globaler Logarithmus, d. h. eine glatte Abbildung 𝑢:𝑃→𝑖ℝ mit 𝜎𝑓=exp∘𝑢. Dann gilt für den transformierten Zusammenhang

𝑓∗𝐴=𝐴+𝑑𝑢.

Beweis: Seien 𝑝∈𝑃,𝑋∈𝑇𝑝𝑃,𝑣≔𝑑𝑢𝑝(𝑋) und 𝑎≔𝑢(𝑝)∈𝑖ℝ. Dann gilt mit Gl. (2.2) und der Definition der Maurer-Cartan-Form (siehe Definition 2.1.17) sowie Bemerkung 2.1.11

𝑓∗𝐴(𝑋)−𝐴(𝑋)=(𝜎𝑓∗𝜇𝐺)(𝑋)=(𝑑(𝐿exp(𝑎)))−1(𝑑𝜎𝑓(𝑋))=𝑑(𝐿exp(𝑎)−1)exp(𝑎)(𝑑(exp∘𝑢)𝑝(𝑋))=𝑑(𝐿exp(𝑎)−1)exp(𝑎)(𝑑exp𝑎(𝑣))=𝑑(𝐿exp(𝑎)−1∘exp)𝑎(𝑣)=dd𝑡|𝑡=0(exp(𝑎)−1exp(𝑎+𝑡𝑣)).

Die Behauptung folgt nun daraus, dass die Exponentialabbildung der Lie-Gruppe 𝑆1 ein Gruppenhomomorphismus ist und somit gilt exp(𝑎)−1exp(𝑎+𝑡𝑣)=exp(𝑡𝑣).□

Da wir in Kapitel 4 eine abelsche Eichtheorie betrachten, sind wir auch an dieser Stelle an den Vereinfachungen interessiert, die in diesem Fall auftreten.

Bemerkung 2.6.7 Sei 𝐺 abelsch und seien die Abbildungen

𝜙:Ω𝑘(𝑀,Ad)→Ωhor𝑘(𝑃,𝔤)(𝐺,id)𝑑𝐴:Ω𝑘(𝑀,Ad𝑃)→Ω𝑘+1(𝑀,Ad𝑃)

definiert wie in Satz 2.5.3 bzw. Definition 2.6.1. Dann gelten die folgenden Aussagen.

  1. Das adjungierte Bündel Ad𝑃 ist trivial, d. h.

    Ad𝑃≅𝑀×𝔤.
  2. Die Abbildung 𝜙 ist gegeben durch 𝜙=𝜋∗, wobei 𝜋:𝑃→𝑀 die Projektion in 𝑃 ist.

  3. Die Abbildung 𝑑𝐴 reduziert sich zu 𝑑𝐴𝜔=𝑑𝜔 für alle 𝜔∈Ω𝑘(𝑀,𝔤).

  4. Wenn 𝑓∈𝒢︀(𝑃) eine Eichtransformation ist, dann existiert eine glatte Funktion 𝜎:𝑀→𝐺 mit

    𝑓(𝑝)=𝑝⋅(𝜋∗𝜎)(𝑝).
  5. Die Krümmungsform 𝐹𝐴∈Ω2(𝑃,𝔤) und die lokale Krümmungsform Ω𝐴∈Ω2(𝑀,𝔤) sind invariant unter Eichtransformationen.

Beweis: Die erste Aussage folgt sofort aus Ad𝑎=id𝔤 für alle 𝑎∈𝐺. Die zweite Aussage folgt aus der ersten und aus der Definition von 𝜙. Die dritte, vierte und fünfte Aussage folgen wieder aus Ad𝑎=id𝔤 für alle 𝑎∈𝔤, sowie aus Satz 2.5.9 und Lemma 2.6.5.□

2.7. Chern- und Pontrjagin Klassen

Sei wieder 𝑀 eine Mannigfaltigkeit, 𝐺 eine Lie-Gruppe, 𝔤 ihre Lie-Algebra, 𝑃 ein 𝐺-HFB über 𝑀, 𝐴 eine Zusammenhangsform auf 𝑃 und 𝐹𝐴∈Ωhor2(𝑃,𝔤)(𝐺,Ad) die zu 𝐴 gehörige Krümmungsform.

Um in Kapitel 4 mit Hilfe des Atiyah-Singer-Indexsatzes den Index des Dirac-Operators einer Spinℂ-Mannigfaltigkeit formulieren zu können, benötigen wir die Begriffe der Chern- und Pontrjagin-Klassen.

Definition 2.7.1 Wir betrachten die kommutative Algebra der symmetrischen, Ad-invarianten Abbildungen 𝑆Ad∗(𝔤)≔⨁𝑘∈ℕ0𝑆Ad𝑘(𝔤), wobei

𝑆Ad𝑘(𝔤)≔{𝑓:𝔤×…×𝔤→ℂ|𝑓mutlilin., symmetrisch,Ad-invariant}.

Die Multiplikation ist dabei für 𝑓∈𝑆Ad𝑘(𝔤),ℎ∈𝑆Adℓ(𝔤) gegeben durch

(𝑓⋅ℎ)(𝑋1,…,𝑋𝑘+ℓ)≔1(𝑘+ℓ)!∑𝜎∈𝑆(𝑘+ℓ)𝑓(𝑋𝜎(1),…,𝑋𝜎(𝑘))⋅ℎ(𝑋𝜎(𝑘+1),…,ℎ𝜎(𝑘+𝑙))

und lineare Fortsetzung.

Definition 2.7.2 Für 𝑓∈𝑆Ad𝑘(𝔤) ist

𝑓(𝐹𝐴∧…∧𝐹𝐴⏟𝑘-mal)≔𝑓∘𝐹𝐴∧…∧𝐹𝐴∈Ωhor2𝑘(𝑃,ℂ)(𝐺,id)

horizontal und Ad-invariant und kann somit gemäß Satz 2.5.3 mit einer Form

𝑓(𝐹𝐴∧…∧𝐹𝐴)∈Ω2𝑘(𝑀,ℂ)

auf 𝑀 identifiziert werden, welche wir wieder mit demselben Namen bezeichnen.

Es kann nun gezeigt werden (siehe zum [Bau14]), dass für 𝑓∈𝑆Ad𝑘(𝔤) die Kohomologie-Klasse

[𝑓(𝐹𝐴∧…∧𝐹𝐴)]∈ΩdR2𝑘(𝑀,ℂ)

unabhängig von der Wahl der Zusammenhangsform 𝐴 auf 𝑃 ist. Somit ergibt sich folgende Definition.

Definition 2.7.3 Die additive Fortsetzung der Abbildung

𝑊𝑃:𝑆Ad𝑘(𝔤)∋𝑓↦[𝑓(𝐹𝐴∧…∧𝐹𝐴)]∈𝐻dR2𝑘(𝑀,ℂ)

zu einer Abbildung 𝑊𝑃:𝑆Ad∗(𝔤)→𝐻dR∗(𝑀,ℂ) heißt Weil-Homomorphismus zu 𝑃.

Um die Chern-Klassen eines komplexen Vektorbündels zu definieren, benötigen wir außerdem den Begriff eines homogenen Polynoms.

Definition 2.7.4 Eine Abbildung 𝑞:𝔤→ℂ heißt homogenes Polynom von Grad 𝑘, wenn sie bezüglich einer Basis von 𝔤 als eine Linearkombination von Produkten von Koeffizientenfunktionen geschrieben werden kann und außerdem gilt

𝑞(𝜆𝑋)=𝜆𝑘𝑞(𝑋)∀𝑋∈𝔤,𝜆∈ℝ.

Wir schreiben 𝑃Ad∗(𝔤)≔⨁𝑘∈ℕ0𝑃Ad𝑘(𝔤) für die kommutative Algebra der homogenen, Ad-invarianten Polynome, wobei 𝑃Ad𝑘(𝔤) der ℂ-Vektorraum der homogenen, Ad-invarianten Polynome von Grad 𝑘 ist. Die Multiplikation auf 𝑃Ad∗(𝔤) ist durch die Multiplikation von Polynomen gegeben.

Proposition 2.7.5 Die Abbildung

𝑆Ad𝑘(𝔤)∋𝑓↦𝑞𝑓≔(𝑋1,…,𝑋𝑘↦𝑓(𝑋1,…,𝑋𝑘))∈𝑃Ad𝑘(𝔤)

ist ein Algebrenisomorphismus von ℂ-Algebren.

Beweis: Siehe Bemerkung 14.9 in [Sch24].

Definition 2.7.6 Für ein homogenes Polynom 𝑞∈𝑃Ad𝑘(𝔤) schreiben wir

𝑊𝑃(𝑞)≔𝑊𝑃(𝑓𝑞)∈𝐻dR2𝑘(𝑀,ℂ).

Dabei ist 𝑓𝑞∈𝑆Ad𝑘(𝔤) die gemäß Proposition 2.7.5 zu 𝑞 gehörige symmetrische, Ad-invariante Abbildung.

Wir können nun die zu einem komplexen Vektorbündel gehörigen Chern-Klassen definieren.

Definition 2.7.7 Sei (𝑃,𝜋,𝑀;GL(𝑚,ℂ)) ein GL(𝑚,ℂ)-HFB über 𝑀 und 𝔤𝔩(𝑚,ℂ)⊂Mat(𝑚,ℂ) die Lie-Algebra von GL(𝑚,ℂ). Wir definieren Polynome 𝑞0,…,𝑞𝑚:𝔤𝔩(𝑚,ℂ)→ℂ durch

det(𝜆id𝑚−𝑋2𝜋𝑖)≕∑𝑘=0𝑚𝑞𝑘(𝑋)𝜆𝑚−𝑘∀𝑋∈𝔤𝔩(𝑚,ℂ).

Die 𝑘-te Chern-Klasse von 𝑃 ist dann

𝑐𝑘(𝑃)≔𝑊𝑃(𝑞𝑘)∈𝐻dR2𝑘(𝑀,ℂ).

Wenn 𝐸 ein komplexes Vektorbündel ist, schreiben wir auch 𝑐𝑘(𝐸)≔𝑐𝑘(GL(𝐸)), wobei GL(𝐸) das zu 𝐸 gehörige Basenbündel wie in Beispiel 2.2.4 ist.

Definition 2.7.8 Sei (𝐸,𝜋,𝑀;𝐹) ein reelles Vektorbündel über 𝑀. Die 𝑘-te Pontrjagin-Klasse von 𝐸 ist

𝑝𝑘(𝐸)≔(−1)𝑘𝑐2𝑘(𝐸⊗ℂ)∈𝐻dR4𝑘(𝑀,ℂ).

Die totale Pontrjagin-Klasse von 𝐸 ist

𝑝(𝐸)≔1+𝑝1(𝐸)+𝑝2(𝐸)+…∈𝐻dR∗(𝑀,ℂ).

3. Spin-Geometrie mit semi-Riemannscher Signatur

Anknüpfend an Begriffe aus Kapitel 2 definieren wir in diesem Kapitel den Begriff einer Spin- bzw. Spinℂ-Struktur sowie den Dirac-Operator einer semi-Riemannschen Spin- bzw. Spinℂ-Mannigfaltigkeit, damit wir anschließend in Kapitel 4 die Seiberg-Witten-Gleichungen formulieren können. Vorausgesetzt wird der Begriff einer quadratischen Form auf einem Vektorraum und der einer Überlagerung. Die Definitionen folgen denen aus [Sch25] und erweitern sie um die Diskussion des semi-Riemannschen Falls.

3.1. Motivation

Die Fundamentalgruppe von SO(𝑛) mit 𝑛≥3 ist ℤ2. Daher ist die universelle Überlagerung von SO(𝑛) mit 𝑛≥3 eine zweifache Überlagerung, genannt Spin(𝑛):

1→ℤ2↪︎Spin(𝑛)↠𝜋SO(𝑛)→1.

Die Überlagerungsabbildung 𝜋:Spin(𝑛)→SO(𝑛) ist eine Darstellung, die zwei Elemente auf die Identität abbildet, und sie ist somit nicht injektiv. Für die Gruppe Spin(𝑛) existieren jedoch weitere Darstellungen, insbesondere injektive, die wir Spin-Darstellungen nennen. Es ist interessant zu fragen, wann eine Reduktion der Strukturgruppe des Tangentialbündels einer Riemannschen Mannigfaltigkeit mittels der Spin-Darstellung von SO(𝑛) auf die Spin-Gruppe Spin(𝑛) möglich ist, da sich in diesem Fall der sogenannte Dirac-Operator als eine Art „Wurzel“ des Laplace-Operators definieren lässt. Der Dirac-Operator lässt sich auch im semi-Riemannschen Fall definieren und ist auf Lorentz-Mannigfaltigkeiten wichtig, da sein zugehöriges Eigenwertproblem in der Physik Spin-12-Fermionfelder vor der Zweitquantisierung beschreibt.

3.2. Clifford-Algebren

Wir werden nun die Tensoralgebra über einem Vektorraum einführen, um damit die Clifford-Algebra und anschließend die Pin- und Spin-Gruppe zu einem quadratischen Raum konstruieren zu können.

Definition 3.2.1 Ein quadratischer Raum ist ein Tupel (𝑉,𝑞) bestehend aus einem Vektorraum 𝑉 über einem Körper 𝕂 und einer quadratischen Form 𝑞:𝑉→𝕂 auf 𝑉. Im Fall 𝕂∈{ℝ,ℂ} nennen wir (𝑉,𝑞) einen reellen bzw. komplexen quadratischen Raum.

Definition 3.2.2 Sei 𝑉 ein 𝕂-Vektorraum. Die Tensoralgebra über 𝑉 ist

Τ(𝑉)≔⨁𝑛∈ℕ𝑉⊗𝑛mit𝑉⊗𝑛≔𝑉⊗…⊗𝑉⏟𝑛-mal,𝑉⊗0≔𝕂,

zusammen mit dem Tensorprodukt als Multiplikation. Elemente in dieser Algebra sind endliche Summen reiner Tensoren, d. h.

𝑇(𝑉)={𝜆,𝑣,𝑣⊗𝑤,𝑣⊗𝑤⊗𝑢+𝑢⊗𝑣,…|𝑣,𝑤,𝑢,…∈𝑉,𝜆∈𝕂}mit(𝑣⊗𝑤+𝑢)⋅𝑣=𝑣⊗𝑤⊗𝑣+𝑢⊗𝑣∈𝑇(𝑉)für𝑣,𝑤,𝑢∈𝑇(𝑉).

In einem gewissen Sinne ist 𝑇(𝑉) die „größte“ von 𝑉 generierte Algebra über 𝕂. Das Ziel sei nun, aus der Tensoralgebra eines quadratischen Raumes (𝑉,𝑞) eine Algebra zu konstruieren, die 𝑉 enthält und in der die Relation 𝑣⋅𝑣=−𝑞(𝑣) für alle 𝑣∈𝑉 gilt.

Definition 3.2.3 Sei (𝑉,𝑞) ein quadratischer Raum, 𝑇(𝑉) die Tensoralgebra über 𝑉 und 𝐼(𝑉,𝑞)⊂𝑇(𝑉) das zweiseitige Ideal in 𝑇(𝑉), welches aus endlichen Summen von Elementen der Form

𝑦⊗(𝑣⊗𝑣+𝑞(𝑣)⋅id𝑇(𝑉))⊗𝑧mit𝑦,𝑧∈𝑇(𝑉),𝑣∈𝑉

besteht. Die Clifford-Algebra zu (𝑉,𝑞) ist

Cl(𝑉,𝑞)≔𝑇(𝑉)/𝐼(𝑉,𝑞).

Lemma 3.2.4 Sei (𝑉,𝑞) ein reeller oder komplexer quadratischer Raum und Cl(𝑉,𝑞) die zu (𝑉,𝑞) gehörende Clifford-Algebra.

  1. Die Einbettung von 𝑉 in die Clifford-Algebra

    𝛾≔𝜋∘𝑖:𝑉→𝑇(𝑉)→Cl(𝑉,𝑞)

    ist injektiv. Wir werden daher ab nun 𝑉⊂𝛾Cl(𝑉,𝑞) identifizieren.

  2. Sei {𝑒1,…,𝑒𝑛}⊂𝑉 eine Basis von 𝑉. Dann ist

    {𝑒𝑗1⋅…⋅𝑒𝑗𝑘|𝑘∈{1,…,𝑛},1≤𝑗1<…<𝑗𝑘≤𝑛}∪{1}

    eine Basis von Cl(𝑉,𝑞).

  3. Wenn 𝑝:𝑉×𝑉→𝕂 die zu 𝑞 gehörige symmetrische Bilinearform ist, definiert durch 𝑝(𝑣,𝑣)≔𝑞(𝑣) für alle 𝑣∈𝑉, dann gilt für alle 𝑥,𝑦∈Cl(𝑉,𝑞)

    𝑥⋅𝑦+𝑥⋅𝑦=−2𝑝(𝑥,𝑦).

Beweis: Siehe Lemma 1.3 und Korollar 1.4 in [Sch25].

Definition 3.2.5 Sei 𝑞𝑟,𝑠(𝑥)≔−𝑥12−…−𝑥𝑟2+𝑥𝑟+12+…+𝑥𝑟+𝑠2 die quadratische Standardform mit Signatur (𝑟,𝑠) auf ℝ𝑟+𝑠 und 𝑞𝑟,𝑠ℂ ihre Fortsetzung auf ℂ𝑟+𝑠 definiert durch

𝑞𝑟,𝑠ℂ(𝑎+𝑖𝑏)≔𝑞(𝑎)+𝑖𝑞(𝑏).

Dann schreiben wir

Cl𝑟,𝑠≔Cl(ℝ𝑟+𝑠,𝑞𝑟,𝑠)undCl𝑟,𝑠ℂ≔Cl(ℂ𝑟+𝑠,𝑞𝑟,𝑠ℂ).

Die Algebra Cl𝑟,𝑠 ist somit eine reelle Algebra mit ℝ𝑟+𝑠⊂Cl𝑟,𝑠 in der die Relationen 𝑒𝑖2=−1 für 𝑖≤𝑟 und 𝑒𝑖2=1 für 𝑖>𝑟 gelten.

Beispiel 3.2.6 Die reelle Clifford-Algebra Cl0,1=Cl(ℝ,𝑞0,1), d. h. die Clifford-Algebra der reellen Zahlen (als reeller Vektorraum) und der quadratischen Form 𝑥↦𝑥2, ist als Algebra isomorph zur Algebra der komplexen Zahlen zusammen mit der komplexen Multiplikation:

Cl0,1=Cl(ℝ,𝑥↦𝑥2)≅(ℂ,⋅).

Dies können wir wie folgt einsehen. Gemäß Lemma 3.2.4 ist {1,𝑒1} eine Basis von Cl(ℝ,𝑥↦𝑥2). Somit definieren wir eine lineare Abbildung 𝑓:Cl0,1→ℂ durch

𝑓(1)≔1∈ℂ,𝑓(𝑒1)≔𝑖∈ℂund lineare Fortsetzung.

Die so definierte Abbildung ist ein Vektorraum-Isomorphismus. Sie ist sogar ein Algebren-Isomorphismus, denn es gilt

𝑓(1⋅𝑒1)=𝑓(𝑒1)=𝑓(1)⋅𝑓(𝑒1),𝑓(𝑒1⋅𝑒1)=𝑓(−1)=−1,𝑓(1⋅1)=1=𝑓(1)⋅𝑓(1),𝑓(𝑒1)⋅𝑓(𝑒1)=𝑖⋅𝑖=−1.

Für die spätere Definition der Spin-Darstellung benötigen wir die wie folgt lautende universelle Eigenschaft der Clifford-Algebra.

Beispiel 3.2.7 Die reelle Clifford-Algebra Cl0,2 ist als Algebra isomorph zu den Quaternionen ℍ mit der quaternionischen Multiplikation. Für einen Beweis siehe [Sch24].

Lemma 3.2.8 Sei Cl(𝑉,𝑞) die Clifford-Algebra zu einem quadratischen Raum (𝑉,𝑞) und 𝛾:𝑉→Cl(𝑉,𝑞) die Einbettung von 𝑉 in Cl(𝑉,𝑞) wie in Lemma 3.2.4. Wenn 𝐴 eine weitere 𝕂-Algebra und 𝛿:𝑉→𝐴 eine lineare Abbildung ist, die für alle 𝑣∈𝑉 die Bedingung 𝛿(𝑣)⋅𝛿(𝑣)=−𝑞(𝑣)id𝐴 erfüllt, dann existiert ein eindeutiger Algebrenhomomorphismus 𝑓:Cl(𝑉,𝑞)→𝐴 mit 𝛿=𝑓∘𝛾.

Beweis: Nach der universellen Eigenschaft der Tensoralgebra existiert genau ein Algebrenhomomorphismus 𝑓̃:𝑇(𝑉)→𝐴 mit 𝛿=𝑓̃∘𝑖. Da 𝑓̃|𝐼(𝑉,𝑞)=0 gilt, kann 𝑓̃ auf 𝑇(𝑉)/𝐼(𝑉,𝑞) fortgesetzt werden zu einer Abbildung 𝑓 mit 𝑓̃=𝑓∘𝜋. Es folgt 𝛿=𝑓∘𝛾. Nach der universellen Eigenschaft von Quotienten ist 𝑓 eindeutig.□

Nachdem wir im nächsten Abschnitt die Pin- und Spin-Gruppen eingeführt haben, wollen wir eine gewisse doppelte Überlagerung der (speziellen) orthogonalen Gruppe definieren. Für diesen Zweck benötigen wir die folgende Abbildung.

Definition 3.2.9 Sei (𝑉,𝑞) ein reeller oder komplexer quadratischer Raum, Cl(𝑉,𝑞) die Clifford-Algebra zu (𝑉,𝑞) und {𝑒1,…,𝑒𝑛} eine Basis von 𝑉. Seien für alle 𝑘∈{1,…,𝑛} und 1≤𝑗1<…<𝑗𝑘≤𝑛 die Abbildungen

𝛼(𝑒𝑗1⋅…⋅𝑒𝑗𝑘)≔(−1)𝑘 𝑒𝑗1⋅…⋅𝑒𝑗𝑘und𝛼(1)=1

definiert. Durch lineare Fortsetzung entsteht ein Algebrenautomorphismus auf ganz Cl(𝑉,𝑞).

3.3. Darstellungen der Pin- und Spin-Gruppe

Sei wieder Cl(𝑉,𝑞) die Clifford-Algebra zu einem quadratischen Raum (𝑉,𝑞). Sei außerdem die quadratische Form 𝑞:𝑉→𝕂 nicht-entartet.

Wir werden nun die Pin- und Spin-Gruppe als multiplikative Untergruppe der Clifford-Algebra einführen. Anschließend werden wir im Fall 𝕂∈{ℝ,ℂ} eine Abbildung von der Pin-Gruppe in die Invarianzgruppe der quadratischen Form 𝑞:𝑉→𝕂 definieren und zu dieser Abbildung bemerken, dass sie eine doppelte Überlagerung ist.

Bemerkung 3.3.1 Die Clifford-Algebra Cl(𝑉,𝑞) ist eine unitäre, assoziative Algebra. In Cl(𝑉,𝑞) existiert außerdem für alle 𝑣∈𝑉⊂Cl(𝑉,𝑞) das multiplikative Inverse

𝑣−1=−𝑣𝑞(𝑣).

Somit existieren die folgenden Gruppen.

Definition 3.3.2

  1. Die Pin- bzw. die Spin-Gruppe zu (𝑉,𝑞) ist die folgende multiplikative Untergruppe von Cl(𝑉,𝑞)

    Pin(𝑉,𝑞)≔{𝑣1⋅…⋅𝑣𝑘|𝑘∈ℕ,∀𝑖:𝑣𝑖∈𝑉,𝑞(𝑣𝑖)∈{±1}},Spin(𝑉,𝑞)≔{𝑣1⋅…⋅𝑣2𝑘|𝑘∈ℕ,∀𝑖:𝑣𝑖∈𝑉,𝑞(𝑣𝑖)∈{±1}}⊂Pin(𝑉,𝑞).
  2. Die Invarianzgruppe von 𝑞 ist

    𝑂(𝑉,𝑞)≔{𝐴:𝑉→𝑉linear|∀𝑣∈𝑉:𝑞(𝐴𝑣)=𝑞(𝑣)}.

    Die spezielle Invarianzgruppe von 𝑞 ist

    SO(𝑉,𝑞)≔{𝐴∈𝑂(𝑉,𝑞)|det(𝐴)=1}.

Wie angekündigt, werden wir nun feststellen, dass mit dieser Definition der Pin- und Spin-Gruppe im Fall 𝕂∈{ℝ,ℂ} eine elegante Konstruktion einer doppelten Überlagerung der soeben definierten (speziellen) Invarianzgruppe von 𝑞 einhergeht. Es sei jedoch gesagt, dass die Invarianzgruppe von 𝑞 im Fall 𝕂=ℂ nicht die Interpretation als die zu einer Norm gehörigen orthogonalen Gruppe zulässt, da sie in diesem Fall nicht reell-wertig ist und somit nicht das Quadrat einer Norm sein kann.

Definition 3.3.3 Sei 𝕂∈{ℝ,ℂ} und Pin(𝑉,𝑞) die Pin-Gruppe zu (𝑉,𝑞). Sei außerdem 𝛼:Cl(𝑉,𝑞)→Cl(𝑉,𝑞) der Algebrenhomomorphismus aus Definition 3.2.9. Dann definieren wir die Abbildung

𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→End(Cl(𝑉,𝑞))𝑣↦(𝑥↦𝛼(𝑣)⋅𝑥⋅𝑣−1).

Die Einschränkung dieser Abbildung auf die Untergruppe Spin(𝑉,𝑞)⊂Pin(𝑉,𝑞) bezeichnen wir wieder mit 𝜌.

Bemerkung 3.3.4 Die Abbildung 𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→End(Cl(𝑉,𝑞)) bzw. ihre Einschränkung auf Spin(𝑉,𝑞) ist ein Gruppenhomomorphismus, da 𝛼 ein Algebrenhomomorphismus und die Abbildung auf das Inverse in Pin(𝑉,𝑞) bzw. Spin(𝑉,𝑞) ein Antialgebrenhomomorphismus ist.

Um das Bild der so definierten Abbildung auf die Invarianzgruppe 𝑂(𝑉,𝑞) von 𝑞 einschränken zu können, benötigen wir das folgende Lemma.

Lemma 3.3.5 Sei weiterhin 𝕂∈{ℝ,ℂ} und 𝛼:Cl(𝑉,𝑞)→Cl(𝑉,𝑞) der Algebrenhomomorphismus aus Definition 3.2.9. Sei außerdem 𝑝:𝑉×𝑉→𝕂 die zu 𝑞 gehörige symmetrische Bilinearform, definiert durch 𝑞(𝑣)=𝑝(𝑣,𝑣) für alle 𝑣∈𝑉. Dann gilt in Cl(𝑉,𝑞) für 𝑣,𝑥∈𝑉 mit 𝑞(𝑣)≠0

𝛼(𝑣)⋅𝑥⋅𝑣−1=𝑥−2 𝑝(𝑣,𝑥)𝑞(𝑣)⋅𝑣∈𝑉.

Dies entspricht der Reflektion von 𝑥 an der bezüglich 𝑝 orthogonalen Hyperebene {𝑣}⟂.

Beweis: Für 𝑣∈𝑉 mit 𝑞(𝑣)≠0 gilt 𝑣−1=−𝑣𝑞(𝑣) und 𝛼(𝑣)=−𝑣. Somit gilt gemäß Lemma 3.2.4

𝛼(𝑣)⋅𝑥⋅𝑣−1=1𝑞(𝑣) 𝑣⋅𝑥⋅𝑣=1𝑞(𝑣)(−𝑥⋅𝑣−2𝑝(𝑣,𝑥))⋅𝑣=𝑥−2 𝑝(𝑣,𝑥)𝑞(𝑣)⋅𝑣.

□

Somit können wir aus der Eigenschaft, dass 𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→End(Cl(𝑉,𝑞)) ein Gruppenhomomorphismus ist, folgendes Korollar schließen.

Korollar 3.3.6 Sei 𝕂∈{ℝ,ℂ} und 𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→End(Cl(𝑉,𝑞)) der Gruppenhomomorphismus aus Definition 3.3.3. Für 𝑣1,…,𝑣𝑘∈𝑉 mit 𝑞(𝑣𝑖)∈{±1} für alle 𝑣𝑖∈{𝑣1,…,𝑣𝑘} entspricht

𝜌(𝑣1⋅…⋅𝑣𝑘))|𝑉=𝜌(𝑣1)|𝑉∘…∘𝜌(𝑣𝑘)|𝑉

der Hintereinanderausführung von 𝑘-Spiegelungen an den bezüglich 𝑝 orthogonalen Hyperebenen {𝑣𝑘}⟂ bis {𝑣1}⟂. Insbesondere können wir 𝜌 als eine Abbildung der folgenden Form auffassen:

𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→𝑂(𝑉,𝑞).

Lemma 3.3.7 Sei 𝕂∈{ℝ,ℂ}. Dann besitzen Cl(𝑉,𝑞) und End(𝑉) als endlich-dimensionale reelle bzw. komplexe Vektorräume eine Topologie und auf Pin(𝑉,𝑞)⊂Cl(𝑉,𝑞) sowie 𝑂(𝑉,𝑞)⊂End(𝑉) wird jeweils die Teilraumtopologie induziert. Bezüglich diesen Topologien ist die Abbildung 𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→𝑂(𝑉,𝑞) stetig.

Beweis: Siehe [LM89].

Insgesamt ist es das Ziel, diese (bisher nur stetige) Abbildung als Lie-Gruppen-Homomorphismus aufzufassen, um später eine Reduktion der Strukturgruppe des Tangentialbündels einer Mannigfaltigkeit anhand dieser Abbildung definieren zu können (siehe Definition 2.2.7). In diesem Sinne müssen wir die Pin- und Spin-Gruppe zunächst als Lie-Gruppen auffassen. Dies wird sich aus der Identifikation dieser Gruppen als abgeschlossene Untergruppen der folgenden Lie-Gruppe ergeben.

Lemma 3.3.8 Im Fall 𝕂∈{ℝ,ℂ} bildet die Menge der beidseitig invertierbaren Elemente Cl(𝑉,𝑞)× in Cl(𝑉,𝑞) („Einheiten“) mit der glatten Struktur als Untermannigfaltigkeit von Cl(𝑉,𝑞) eine Lie-Gruppe.

Beweis: Siehe [Sch25].

Beweis: Seien 𝐿𝑎:Cl(𝑉,𝑞)→Cl(𝑉,𝑞) bzw. 𝑅𝑎:Cl(𝑉,𝑞)→Cl(𝑉,𝑞) die Links- bzw. Rechtsmultiplikation mit 𝑎∈Cl(𝑉,𝑞). Die Menge Cl(𝑉,𝑞)× der Einheiten in Cl(𝑉,𝑞) ist offen in Cl(𝑉,𝑞), denn sie ist Schnittmenge der von links bzw. von rechts invertierbaren Elemente und diese Mengen sind offen, da

𝐿𝑎ist invertierbar⇔det(𝐿𝑎)≠0(genauso für𝑅𝑎).

Somit bildet Cl(𝑉,𝑞)× eine Untermannigfaltigkeit von Cl(𝑉,𝑞). Die Multiplikation in Cl(𝑉,𝑞)× ist glatt, da sie Einschränkung einer bilinearen Abbildung auf Cl(𝑉,𝑞) ist. Durch die Wahl einer submultiplikativen Norm ‖⋅‖ auf Cl(𝑉,𝑞), kann durch Abschätzung der Potenzreihe mittels der Submultiplikativität der Norm gezeigt werden, dass die Abbildung

{𝑎∈Cl(𝑉,𝑞)|‖𝑎‖<1}∋𝑎↦∑𝑘=0∞𝑎𝑘=(1−𝑎)−1

glatt ist. Also ist die Abbildung auf das Inverse

inv:Cl(𝑉,𝑞)×∋𝑎↦𝑎−1∈Cl(𝑉,𝑞)×

glatt um 1∈Cl(𝑉,𝑞)×. Sie ist daher auch glatt um alle 𝑎∈Cl(𝑉,𝑞)×, da sie sich als folgende Komposition ergibt:

inv:𝑅𝑎∘inv⏟glattum1∘𝐿𝑎−1.

□

Schließlich bleibt für die Auffassung der Pin- und Spin-Gruppe als Lie-Gruppen mittels Lemma 2.1.3 zu zeigen, dass diese abgeschlossene Untergruppen der Einheiten Cl(𝑉,𝑞)× sind. Im Riemannschen Fall (𝑞 positiv definit) ist Pin(𝑉,𝑞) bzw. Spin(𝑉,𝑞) das Bild kompakter Mengen unter stetigen Abbildungen (der Multiplikation) und somit sogar kompakt und insbesondere abgeschlossen. Im Fall einer allgemeinen nicht-entarteten quadratischen Form 𝑞 werden wir stattdessen aus dem Satz von Cartan-Dieudonné folgern, dass die Abbildung 𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→𝑂(𝑉,𝑞) bzw. ihre Einschränkung auf die Spin-Gruppe surjektiv ist und somit die Pin- bzw. Spin-Gruppe als Urbild einer abgeschlossenen Menge unter einer stetigen Abbildung abgeschlossen.

Satz 3.3.9 Wenn 𝑞̃ eine nicht-ausgeartete quadratische Form auf einem endlich-dimensionalen Vektorraum 𝑉̃ über einem Körper der Charakteristik ungleich zwei ist, dann ist jedes Element der Invarianzgruppe 𝑂(𝑉̃,𝑞̃) (definiert analog wie in Definition 3.3.2) eine Hintereinanderausführung von (maximal dim(𝑉)-)Reflektionen. Dies bezeichnen wir als das Theorem von Cartan-Dieudonné.

Beweis: Siehe [Art57].

Korollar 3.3.10 Sei 𝕂∈{ℝ,ℂ} und Pin(𝑉,𝑞), Spin(𝑉,𝑞) die Pin- bzw. Spin-Gruppe sowie 𝑂(𝑉,𝑞), SO(𝑉,𝑞) die (spezielle) orthogonale Gruppe, jeweils zu (𝑉,𝑞).

  1. Die Abbildung 𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→𝑂(𝑉,𝑞) aus Definition 3.3.3 ist stetig und gemäß dem Satz von Cartan-Dieudonné surjektiv. Somit ist Pin(𝑉,𝑞) abgeschlossen. Da sich außerdem 𝐴∈SO(𝑉,𝑞) aus einer geraden Anzahl an Reflektionen zusammensetzt, folgt 𝜌−1(SO(𝑉,𝑞))=Spin(𝑉,𝑞) und somit auch, dass Spin(𝑉,𝑞) abgeschlossen ist.

  2. Die Gruppen Pin(𝑉,𝑞) und Spin(𝑉,𝑞) zu (𝑉,𝑞) sind als abgeschlossene Untergruppen der Lie-Gruppe Cl(𝑉,𝑞)× der Einheiten in Cl(𝑉,𝑞) wieder Lie-Gruppen und die Abbildung 𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→𝑂(𝑉,𝑞) bzw. ihre Einschränkung 𝜌:Spin(𝑉,𝑞)→SO(𝑉,𝑞) ist als stetiger Gruppenhomomorphismus zwischen Lie-Gruppen nach Lemma 2.1.7 glatt, also ein Lie-Gruppenhomomorphismus.

Schließlich lässt sich feststellen, dass die so gefundenen Darstellungen tatsächlich zweifache Überlagerungen sind. Dazu bemerken wir, dass die Abbildung ein lokaler Diffeomorphismus ist und dass ihr Kern aus zwei Elementen besteht.

Lemma 3.3.11 Sei 𝕂∈{ℝ,ℂ} und Pin(𝑉,𝑞),Spin(𝑉,𝑞),𝑂(𝑉,𝑞),SO(𝑉,𝑞) wie bisher. Dann gilt:

  1. Der Kern von 𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→𝑂(𝑉,𝑞) ist {±1}⊂Spin(𝑉,𝑞).

  2. Die Abbildung 𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→𝑂(𝑉,𝑞) sowie ihre Einschränkung 𝜌:Spin(𝑉,𝑞)→SO(𝑉,𝑞) ist ein lokaler Diffeomorphismus.

Beweis:

  1. Sei 𝑢∈Pin(𝑉,𝑞) mit 𝜌(𝑢)=id𝑉. Aus 𝜌−1(SO(𝑉,𝑞))=Spin(𝑉,𝑞) folgt 𝑢∈Spin(𝑉,𝑞). Sei {𝑒1,…,𝑒𝑛} eine 𝑞-Orthonormalbasis von 𝑉. Gemäß Lemma 3.2.4 lässt sich 𝑢 wie folgt schreiben:

    𝑢=∑𝑘∈{1,…,𝑛},𝑘gerade1≤𝑗1<…<𝑗𝑘≤𝑛𝑢𝑗1,…,𝑗𝑘⏟∈𝕂𝑒𝑗1⋅…⋅𝑒𝑗𝑘+𝑢0⏟∈𝕂.

    Außerdem folgt aus 𝑢∈Spin(𝑉,𝑞), dass 𝛽(𝑢)=𝑢−1 gilt. Somit folgt

    𝜌(𝑢)(𝑦)=𝑦⇔𝑢𝑦𝑢−1=𝑦⇔𝑢𝑦=𝑦𝑢∀𝑦∈𝑉.

    Insbesondere gilt 𝑒𝑖𝑢𝑒𝑖=−𝑞(𝑒𝑖)𝑢 für alle Basisvektoren 𝑒𝑖. Für dieses Produkt gilt auch:

    𝑒𝑖𝑢𝑒𝑖=∑𝑘∈{1,…,𝑛}, 𝑘gerade1≤𝑗1<…<𝑗𝑘≤𝑛𝑢𝑗1,…,𝑗𝑘𝑒𝑖𝑒𝑗1⋅…⋅𝑒𝑗𝑘𝑒𝑖+𝑒𝑖2𝑢0=∑𝑘∈{1,…,𝑛}, 𝑘gerade1≤𝑗1<…<𝑗𝑘≤𝑛𝑢𝑗1,…,𝑗𝑘𝑒𝑖2(−1)𝑘−1𝑒𝑗1⋅…⋅𝑒𝑗𝑘+𝑒𝑖2𝑢0=−𝑞(𝑒𝑖)=!−𝑞(𝑒𝑖)𝑢.

    Aus der letzten Zeile folgt, dass 𝑢𝑗1,…,𝑗𝑘=0 für alle 𝑘∈{1,…,𝑛} und somit 𝑢∈𝕂. Aus 𝑢∈Pin(𝑉,𝑞) folgt schließlich 𝑢∈{±1}. Die Inklusion {±1}⊂ker𝜌 ist klar.

  2. Wir zeigen die Aussage für Pin(𝑉,𝑞); die Aussage für Spin(𝑉,𝑞) folgt analog. Zuerst zeigen wir, dass 𝜌 ein lokaler Diffeomorphismus um 1∈Pin(𝑉,𝑞) ist. Sei dazu 𝔭𝔦𝔫(𝑉,𝑞) die Lie-Algebra der Lie-Gruppe Pin(𝑉,𝑞) und (𝑑𝜌)1 das Differential von 𝜌 an 1∈Pin(𝑉,𝑞), sowie 𝑋∈𝔭𝔦𝔫(𝑉,𝑞). Dann gilt gemäß Lemma 2.1.14

    𝜌(exp(𝑡𝑋))=exp(𝑡⋅(𝑑𝜌)1(𝑋)).

    Wäre 𝑋∈ker(𝑑𝜌)1 mit 𝑋≠0, würde die gesamte Integralkurve zu 𝑋 im Kern von 𝜌 liegen, was in Widerspruch zu 1. steht. Also gilt ker(𝑑𝜌)1=0 und aus dem Umkehrsatz folgt, dass 𝜌 ein lokaler Diffeomorphismus um 1∈Pin(𝑉,𝑞) ist. Da 𝜌 ein Gruppenhomomorphismus ist, überträgt sich diese Eigenschaft auf ganz Pin(𝑉,𝑞), denn um alle 𝑔∈Pin(𝑉,𝑞) lässt sich 𝜌 darstellen als Abbildung:

    𝜌:Pin(𝑉,𝑞)∋ℎ𝑔↦𝜌(ℎ)⏟um1∈Pin(𝑉,𝑞)∘𝜌(𝑔)⏟const.∈𝑂(𝑉,𝑞).

□

Proposition 3.3.12 Sei 𝕂∈{ℝ,ℂ}. Die Abbildung 𝜌:Pin(𝑉,𝑞)→𝑂(𝑉,𝑞) aus Definition 3.3.3 bzw. ihre Einschränkung 𝜌:Spin(𝑉,𝑞)→SO(𝑉,𝑞) ist eine doppelte Überlagerung.

Beweis: Sei 𝐴∈𝑂(𝑉,𝑞) und 𝜌−1(𝐴)={±𝑢}. Wähle offene Umgebungen 𝑈,𝑈′ von 𝑢 und −𝑢, sodass 𝜌 eingeschränkt auf 𝑈 bzw. 𝑈′ ein Diffeomorphismus wird. Dann ist

𝑉≔𝜌(𝑈)∩𝜌(𝑈′)

eine offene Umgebung von 𝐴, sodass 𝜌−1(𝑉) eine disjunkte Vereinigung zweier offener Umgebungen ist, auf die eingeschränkt 𝜌 jeweils ein Diffeomorphismus ist. Die Aussage für 𝜌:Spin(𝑉,𝑞)→SO(𝑉,𝑞) folgt analog.□

Wir haben nun das folgende Korollar gezeigt.

Korollar 3.3.13 Sei 𝕂∈{ℝ,ℂ}. Dann sind die folgenden Sequenzen exakt:

1→ℤ2↪︎Pin(𝑉,𝑞)↠𝜌𝑂(𝑉,𝑞)→11→ℤ2↪︎Spin(𝑉,𝑞)↠𝜌SO(𝑉,𝑞)→1.

Die so gefundenen Darstellungen der Pin-Gruppe und der Spin-Gruppe wirken trivial auf dem Element −1∈Spin(𝑉,𝑞)⊂Pin(𝑉,𝑞). Das Ziel ist es nun, eine Darstellung zu finden, die nicht trivial auf diesem Element wirkt, also injektiv ist, und wir werden solche Darstellungen Spin-Darstellungen nennen.

Definition 3.3.14 Sei wieder 𝑞𝑟,𝑠(𝑥)≔−𝑥12−…−𝑥𝑟2+𝑥𝑟+12+…+𝑥𝑟+𝑠2 die quadratische Standardform mit Signatur (𝑟,𝑠) auf ℝ𝑟+𝑠. Die folgenden Gruppen nennen wir die Pin- bzw. Spin-Gruppe mit Signatur (𝑟,𝑠):

Pin(𝑟,𝑠)≔Pin(ℝ𝑟+𝑠,𝑞𝑟,𝑠),Spin(𝑟,𝑠)≔Spin(ℝ𝑟+𝑠,𝑞𝑟,𝑠).

Um eine Spin-Darstellung der Gruppe Spin(𝑟,𝑠) zu finden, werden wir zuerst eine Algebrendarstellung der komplexen Clifford-Algebra Cl𝑟,𝑠ℂ finden, die nicht-trivial auf dem Element −1 wirkt, und diese dann auf Spin(𝑟,𝑠)⊂Cl𝑟,𝑠⊗ℂ≅Cl𝑟,𝑠ℂ einschränken. Die Physik bezeichnet eine solche Darstellung von Cl𝑟,𝑠ℂ im Fall (𝑟=1,𝑠=3) als Dirac- bzw. Gamma-Matrizen. Zur Konstruktion dieser Darstellung benötigen wir zunächst die wie folgt definierten Matrizen und ihre Eigenschaften.

Definition 3.3.15 Die Pauli-Matrizen sind

𝜎1≔(0110),𝜎2≔(0−𝑖𝑖0)und𝜎3≔(100−1).

Bemerkung 3.3.16 Zusammen mit der Einheitsmatrix bilden die Pauli-Matrizen eine Basis von Mat(2,ℂ). Sie antikommutieren paarweise, quadrieren jeweils zur Identität und es gilt

𝜎1𝜎2=𝑖𝜎3.

Bemerkung 3.3.17 Für 𝑖,𝑗∈{1,2,3} wirkt das Tensorprodukt zweier Pauli-Matrizen auf dem Tensorproduktraum ℂ2⊗ℂ2 durch

𝜎𝑖⊗𝜎𝑗:ℂ2⊗ℂ2∋𝑣⊗𝑤↦𝜎𝑖𝑣⊗𝜎𝑗𝑤∈ℂ2⊗ℂ2.

In der lexikographischen Basiswahl, d. h.

(𝑒1⊗𝑒1,𝑒1⊗𝑒2,𝑒2⊗𝑒1,𝑒2⊗𝑒2),

entspricht diese Abbildung dem Kronecker-Produkt der Matrizen 𝜎𝑖,𝜎𝑗 der beiden Matrizen gegeben. Beispielsweise ist die Darstellungsmatrix für 𝑖=1,𝑗=2 in dieser Basis gegeben durch

𝜎1⊗𝜎2≙(0⋅(0−𝑖𝑖0)1⋅(0−𝑖𝑖0)1⋅(0−𝑖𝑖0)0⋅(0−𝑖𝑖0))=(000−𝑖00𝑖00−𝑖00𝑖000).

Dem 𝑛-fachen Tensorprodukt beliebiger 2×2-Matrizen kann in diesem Sinne eine 2𝑛×2𝑛-Darstellungsmatrix zugeordnet werden.

Analog zu [Sch25], wo die Spin-Darstellung von Cl0,𝑠 beschrieben wurde, definieren wir nun die Spin-Darstellung von Cl𝑟,𝑠. Das Finden einer Spin-Darstellung für allgemeine Signatur erfolgt analog, da die Isomorphieklasse von Cl𝑟,𝑠 nur von 𝑟+𝑠 abhängt.

Proposition 3.3.18 Sei 𝑛≔𝑟+𝑠 mit 𝑟,𝑠∈ℕ sowie Cl𝑟,𝑠ℂ die komplexe Clifford-Algebra mit Signatur (𝑟,𝑠) wie in Definition 3.2.5. Seien außerdem 𝜎1,𝜎2,𝜎3 die Pauli-Matrizen und 𝐼2∈Mat(2,ℂ) die 2×2-Einheitsmatrix.

  1. Fall 𝑛=2𝑚 gerade.

    Sei eine lineare Abbildung 𝜑𝑛:ℂ𝑛→Mat(2𝑚,ℂ) gegeben durch

    𝜑𝑛:𝑒2𝑗−1↦𝑖 𝜎1⊗…⊗𝜎1⏟𝑗−1⊗𝜎2⊗𝐼2⊗…⊗𝐼2⏟𝑚−𝑗𝑒2𝑗↦𝑖 𝜎1⊗…⊗𝜎1⏞⊗𝜎3⊗𝐼2⊗…⊗𝐼2⏞(𝑗=1,…,𝑚).
  2. Fall 𝑛=2𝑚+1 ungerade.

    Sei eine lineare Abbildung 𝜑𝑛:ℂ𝑛→Mat(2𝑚,ℂ)⊕Mat(2𝑚,ℂ) gegeben durch

    𝜑𝑛:𝑒𝑗↦(𝜑𝑛−1(𝑒𝑗),𝜑𝑛−1(𝑒𝑗))(𝑗=1,…,2𝑚)𝑒2𝑚+1↦(𝑖𝜎1⊗…⊗𝜎1⏟𝑚,−𝑖𝜎1⊗…⊗𝜎1⏟𝑚).

Sei anschließend eine lineare Abbildung 𝜑𝑟,𝑠 gegeben durch:

𝜑𝑟,𝑠:𝑒𝑗↦{𝑖𝜑𝑛(𝑒𝑗)𝑗≤𝑟𝜑𝑛(𝑒𝑗)sonst

Durch multiplikative Fortsetzung auf Cl𝑟,𝑠ℂ entsteht ein Algebren-Isomorphismus in eine Matrixalgebra bzw. in eine direkte Summe zweier Matrixalgebren.

Beweis: Sei 𝑛=2𝑚 gerade. Die Abbildung 𝜑𝑟,𝑠 erfüllt die Voraussetzung der universellen Eigenschaft aus Lemma 3.2.8. Daher lässt sich 𝜑𝑟,𝑠 (eindeutig) zu einem Algebrenhomomorphismus 𝜑𝑟,𝑠:Cl𝑟,𝑠ℂ→Mat(2𝑚,ℂ) fortsetzen. Dieser ist surjektiv, denn für 𝑗∈{1,…,𝑚} wird auf die Elemente

𝜑𝑟,𝑠(𝑒2𝑗−1⋅𝑒2𝑗)={𝑖𝐸⊗𝑗−1⊗𝜎1⊗𝐸⊗𝑚−𝑗𝑗≤𝑟𝐸⊗𝑗−1⊗𝜎1⊗𝐸⊗𝑚−𝑗𝑗=𝑟+1−𝑖𝐸⊗𝑗−1⊗𝜎1⊗𝐸⊗𝑚−𝑗𝑗≥𝑟+1

abgebildet. Durch Multiplikation dieser Elemente mit 𝑖 bzw. −𝑖 entstehen die Elemente

𝐸⊗𝑗−1⊗𝜎1⊗𝐸⊗𝑚−𝑗.

Durch Multiplikation dieser Elemente untereinander entstehen die Elemente

𝜎1⊗𝑗⊗𝐸⊗𝑚−𝑗.

Durch Multiplikation dieser Elemente mit 𝜑𝑟,𝑠(𝑒2𝑗−1) bzw. 𝜑𝑟,𝑠(𝑒2𝑗) und Multiplikation mit einer komplexen Zahl erhalten wir die Elemente

𝐸⊗𝑗−1⊗𝜎3⊗𝐸⊗𝑚−𝑗und𝐸⊗𝑗−1⊗𝜎2⊗𝐸⊗𝑚−𝑗.

Da die Pauli-Matrizen eine Basis von Mat(2,ℂ) bilden, entstehen aus Gl. (3.1) und Gl. (3.2) ganz Mat(2𝑚,ℂ). Aus der Surjektivität von 𝜑𝑟,𝑠 als lineare Abbildung folgt auch die Injektivität, da dimℂ(Mat(2𝑚,ℂ))=2𝑛=dimℂ(Cl𝑟,𝑠ℂ) gilt. Für den Fall 𝑛=2𝑚+1 ungerade siehe [Sch25].□

Den Vektorraum, auf dem diese Tensorprodukte wirken, bezeichnen wir wie folgt.

Definition 3.3.19 Für 𝑚∈ℕ und 𝑛∈{2𝑚,2𝑚+1} definieren wir den Raum der komplexen 𝑛-Spinoren durch

Δ𝑛≔ℂ2⊗…⊗ℂ2⏟𝑚≅ℂ(2𝑚).

Definition 3.3.20 Sei Cl𝑟,𝑠 die reelle Clifford-Algebra mit Signatur (𝑟,𝑠) wie in Definition 3.2.5 und Spin(𝑟,𝑠) die Spin-Gruppe mit Signatur (𝑟,𝑠) wie in Definition 3.3.14.

  1. Die Spin-Darstellung von Cl𝑟,𝑠ℂ ist der Algebrenhomomorphismus

    𝜅𝑟,𝑠:Cl𝑟,𝑠ℂ→End(Δ𝑛)𝑎↦{𝜑𝑟,𝑠(𝑎)𝑟+𝑠geradepr1∘𝜑𝑟,𝑠(𝑎)𝑟+𝑠ungerade
  2. Die Spin-Darstellung von Spin(𝑟,𝑠) ist die Einschränkung:

    𝜅≔𝜅𝑟,𝑠|Spin(𝑟,𝑠):Spin(𝑟,𝑠)→GL(Δ𝑛)⊂End(Δ𝑛).

Zuletzt möchten wir noch feststellen, dass diese Abbildung tatsächlich eine Darstellung ist und im Fall 𝑟+𝑠 gerade, wie gefordert, injektiv ist. Auch für ungerade 𝑟+𝑠 ist diese Darstellung injektiv, jedoch ist nur der Fall (𝑟=0,𝑠=4) für die Seiberg-Witten-Gleichungen relevant. Auch der für die Physik relevante Fall (𝑟=1,𝑠=3) ist gerade.

Korollar 3.3.21 Die Spin-Darstellung 𝜅:Spin(𝑟,𝑠)→GL(Δ𝑛) ist eine Darstellung (da sie durch einen Algebrenhomomorphismus gegeben ist), und für 𝑟+𝑠 gerade ist sie treu (d. h. injektiv), da sie in diesem Fall durch einen Algebren-Isomorphismus gegeben ist. Sie ist außerdem stetig als Einschränkung einer linearen Abbildung und somit glatt als stetiger Gruppenhomomorphismus zwischen Lie-Gruppen gemäß Lemma 2.1.7.

3.4. Spin-Strukturen und der Dirac-Operator

Sei (𝑀,𝑔) eine orientierte semi-Riemannsche Mannigfaltigkeit, (𝑟,𝑠) die Signatur von 𝑔 und SO(𝑀,𝑔) das SO(𝑟,𝑠)-HFB der positiv orientierten 𝑔-Orthonormalbasen von 𝑇𝑀.

Wie in Bemerkung 2.2.9 beschrieben, entspricht die Fixierung der Riemannschen Metrik 𝑔 auf 𝑀 einer Reduktion der Strukturgruppe des zum Tangentialbündel gehörigen Basenbündels GL(𝑀) von GL(𝑟+𝑠,ℝ) auf 𝑂(𝑟,𝑠). Es kann gezeigt werden, dass auch die Existenz einer Orientierung auf 𝑇𝑀 äquivalent zur Existenz einer weiteren Reduktion der Strukturgruppe des Basenbündels GL(𝑀) von 𝑂(𝑟,𝑠) auf SO(𝑟,𝑠) ist. Nun möchten wir in diesem Abschnitt die Strukturgruppe von 𝑇𝑀 entlang der im vorherigen Kapitel eingeführten Überlagerungsabbildung weiter auf die Strukturgruppe Spin(𝑟,𝑠) reduzieren.

Definition 3.4.1 Sei 𝜌:Spin(𝑟,𝑠)→SO(𝑟,𝑠) der Lie-Gruppen Homomorphismus aus Definition 3.3.3. Eine Spin-Struktur von (𝑀,𝑔) ist ein Spin(𝑟,𝑠)-HFB 𝑃 über 𝑀 zusammen mit einer glatten Abbildung 𝐹:𝑃→SO(𝑀,𝑔), sodass 𝐹

  1. fasertreu und

  2. 𝐹 𝜌-äquivariant ist, d. h. für alle 𝑝∈𝑃,𝑢∈Spin(𝑟,𝑠) gilt

    𝐹(𝑝⋅𝑢)=𝐹(𝑝)⋅𝜌(𝑢).

Mit anderen Worten: Eine Spin-Struktur von (𝑀,𝑔) ist eine 𝜌-Reduktion (𝑃,𝐹) von SO(𝑀,𝑔).

Während eine Reduktion der Strukturgruppe des Tangentialbündels von GL(𝑟+𝑠,ℝ) auf 𝑂(𝑟,𝑠) immer existiert, ist die Existenz einer Reduktion von 𝑂(𝑟,𝑠) auf SO(𝑟,𝑠) (Orientierbarkeit) im Allgemeinen nicht garantiert und bildet eine topologische Invariante. Genauso ist die Existenz einer Spin-Struktur nicht garantiert und eine topologische Invariante.

Insbesondere besitzt jede Mannigfaltigkeit mit trivialem Tangentialbündel (zum Beispiel jede Lie-Gruppe und jede zusammenziehbare Mannigfaltigkeit) eine Spin-Struktur. Dies ist zum Beispiel für den Minkowskiraum in der Physik relevant. Setzen wir nun die Existenz einer Spin-Struktur voraus, können wir das Spinorbündel und Schnitte darin definieren.

Definition 3.4.2 Sei (𝑃,𝐹) eine Spin-Struktur von (𝑀,𝑔) und Δ𝑛 der Raum der komplexen 𝑛-Spinoren. Sei außerdem 𝜅:Spin(𝑟,𝑠)→GL(Δ𝑛) die Spin-Darstellung von Spin(𝑟,𝑠). Das Bündel

𝑆≔𝑃×𝜅Δ𝑛.

heißt Spinorbündel zur Spin-Struktur (𝑃,𝐹). Schnitte 𝜑∈Γ(𝑆) nennen wir Spinorfelder.

Um nun den Dirac-Operator definieren zu können, benötigen wir einen Zusammenhang im Spinorbündel. Dazu fixieren wir den Levi-Civita-Zusammenhang ∇LC zu 𝑔 auf 𝑇𝑀, welcher einer Zusammenhangsform 𝐴 auf dem Basenbündel GL(𝑀) mit ∇LC=∇𝐴 entspricht.

Bemerkung 3.4.3 Weil der Levi-Civita-Zusammenhang ein metrischer Zusammenhang ist (und somit 𝑔-Orthonormalbasen unter Parallelverschiebung 𝑔-Orthonormalbasen bleiben), schränkt sich 𝐴 zu einer Zusammenhangsform auf SO(𝑀,𝑔) ein.

Definition 3.4.4 Sei (𝑃,𝐹) eine Spin-Struktur von (𝑀,𝑔) und 𝐴 die zum Levi-Civita-Zusammenhang auf 𝑇𝑀 gehörige Zusammenhangsform auf SO(𝑀,𝑔).

  1. Wir definieren die folgende Zusammenhangsform auf 𝑃:

    𝐴𝑃≔(𝑑𝜌1)−1∘𝐹∗𝐴∈Ω1(𝑃,𝔰𝔭𝔦𝔫(𝑟,𝑠))

    Dabei ist 𝜌:Spin(𝑟,𝑠)→SO(𝑟,𝑠) die Darstellung aus Definition 3.3.3 und 𝔰𝔭𝔦𝔫(𝑟,𝑠) die Lie-Algebra von Spin(𝑟,𝑠).

  2. Den induzierten Zusammenhang ∇𝐴𝑃 auf 𝑆 nennen wir Spinorableitung und schreiben

    ∇𝑆≔∇𝐴𝑃.

An verschiedenen Stellen werden wir die wie folgt definierte Bündelmetrik auf 𝑆 benötigen.

Definition 3.4.5 Sei (𝑃,𝐹) eine Spin-Struktur von (𝑀,𝑔). Da die Spin-Darstellung von Spin(𝑟,𝑠) unitär ist (siehe [Sch25]), wird auf dem Spinorbündel 𝑆 eine hermitesche Bündelmetrik durch

⟨[(𝑝,𝑤1)],[(𝑝,𝑤2)]⟩≔⟨𝑤1,𝑤2⟩

für alle 𝑝∈𝑃,𝑤1,𝑤2∈Δ𝑛 induziert.

Lemma 3.4.6 Sei (𝑃,𝐹) eine Spin-Struktur von (𝑀,𝑔). Da die Spin-Darstellung von Spin(𝑟,𝑠) unitär ist, ist ∇𝑆 metrisch bezüglich der hermiteschen Bündelmetrik ⟨⋅,⋅⟩ auf dem Spinorbündel 𝑆, d. h. es gilt

𝑋(⟨𝜑,𝜓⟩)=⟨∇𝑋𝑆𝜑,𝜓⟩+⟨𝜑,∇𝑋𝑆𝜓⟩∀𝜑,𝜓∈Γ(𝑆),𝑋∈Γ(𝑇𝑀).

Beweis: Sei 𝑠:𝑈→𝑃 ein lokaler Schnitt in 𝑃 und schreibe über 𝑈

𝜑=[(𝑠,𝑤1)],𝜓=[(𝑠,𝑤2)].

Dann gilt mittels Lemma 2.6.4 und der Definition der Bündelmetrik auf dem Spinorbündel

⟨∇𝑋𝑆𝜑,𝜓⟩≝⟨𝑋(𝑤1)+𝜅⋆(𝐴𝑃(𝑑𝑠(𝑋)))𝑤1,𝑤2⟩,⟨𝜑,∇𝑋𝑆𝜓⟩≝⟨𝑤1,𝑋(𝑤2)+𝜅⋆(𝐴𝑃(𝑑𝑠(𝑋)))𝑤2⟩.

Da die Spin-Darstellung 𝜅:Spin(𝑟,𝑠)→𝑈(Δ𝑛) unitär ist, liegt 𝜅⋆(𝐴𝑃(𝑑𝑠(𝑋))) in den schiefhermiteschen Endomorphismen von Δ𝑛 und für die Summe der Ausdrücke gilt

⟨∇𝑋𝑆𝜑,𝜓⟩+⟨𝜑,∇𝑋𝑆𝜓⟩=⟨𝑋(𝑤1),𝑤2⟩+⟨𝑤1,𝑋(𝑤2)⟩=𝑋(⟨𝑤1,𝑤2⟩)≝𝑋(⟨𝜑,𝜓⟩).

□

Der Dirac-Operator, den wir nun einführen möchten, soll als Differentialoperator erster Ordnung auf den Spinorfeldern operieren. Für einen Spinorfeld 𝜑∈Γ(𝑆) ist ∇𝑆𝜑 jedoch nicht wieder ein Spinorfeld. In physikalischer Sprache würde gesagt werden, dass 𝜕𝜇𝜑 „einen Index trägt“ und mit den sogenannten Gamma-Matrizen „kontrahiert“ werden muss, damit ein Lorentzskalar entsteht. In diesem Sinne führen wir nun die sogenannte Clifford-Multiplikation ein.

Definition 3.4.7 Sei 𝑛=𝑟+𝑠 sowie 𝜅𝑟,𝑠:Cl𝑟,𝑠ℂ→End(Δ𝑛) die Spin-Darstellung von Cl𝑟,𝑠ℂ aus Definition 3.3.20. Die folgende Abbildung heißt Clifford-Multiplikation:

𝜇𝑟,𝑠:ℝ𝑛⊗Δ𝑛∋𝑣⊗𝑤↦𝑣⋅𝑤≔𝜅𝑟,𝑠(𝑣)𝑤∈Δ𝑛.

Bemerkung 3.4.8 Die Auswertungsabbildung

End(Δ𝑛)⊗Δ𝑛→Δ𝑛

ist bilinear und somit glatt. Außerdem ist die Spin-Darstellung von Cl𝑟,𝑠ℂ glatt als lineare Abbildung zwischen endlich-dimensionalen Vektorräumen und somit ist 𝜇𝑟,𝑠:ℝ𝑛⊗Δ𝑛→Δ𝑛 glatt als Verknüpfung glatter Abbildungen.

Lemma 3.4.9 Sei 𝜅:Spin(𝑟,𝑠)→GL(Δ𝑛) die Spin-Darstellung von Spin(𝑟,𝑠) und 𝜌:Spin(𝑟,𝑠)→SO(𝑟,𝑠) die Darstellung aus Definition 3.3.3. Die Clifford-Multiplikation ist auf die folgende Weise 𝜅-äquivariant:

∀𝑥∈ℝ𝑛,𝑤∈Δ𝑛,𝑢∈Spin(𝑟,𝑠):𝑣⋅𝑤≝𝜇𝑟,𝑠(𝑣⊗𝑤)=𝜅(𝑢)−1(𝜌(𝑢)𝑣⋅𝜅(𝑢)𝑤).

Beweis: Sei 𝜅𝑟,𝑠:Cl𝑟,𝑠ℂ→End(Δ𝑛) wie in Definition 3.3.20. Für 𝑢∈Spin(𝑟,𝑠) gilt: 𝜌(𝑢)𝑣=𝑢𝑣𝑢−1. Somit gilt:

(𝜌(𝑢)𝑣)⋅(𝜅(𝑢)𝑤)=𝜅𝑟,𝑠(𝑢𝑣𝑢−1)(𝜅𝑟,𝑠(𝑢)𝑤)=𝜅𝑟,𝑠(𝑢𝑣𝑢−1𝑢)𝑤=𝜅𝑟,𝑠(𝑢)(𝜅(𝑣)𝑤)=𝜅(𝑢)(𝑣⋅𝑤).

Durch Multiplikation mit 𝜅(𝑢)−1 entsteht die zu zeigende Aussage.□

Vermöge dem vorherigen Lemma möchten wir nun die Clifford-Multiplikation als einen Bündelhomomorphismus der Form 𝜇:𝑇𝑀⊗𝑆→𝑆 auffassen.

Definition 3.4.10 Sei 𝑆 das Spinorbündel zu einer Spin-Struktur (𝑃,𝐹) von (𝑀,𝑔), 𝜌:Spin(𝑟,𝑠)→SO(𝑟,𝑠) die Darstellung aus Definition 3.3.3 und 𝜇𝑟,𝑠:ℝ𝑛⊗Δ𝑛→Δ𝑛 die Cliffod-Multiplikation wie in Definition 3.4.7. Wir fassen 𝑇𝑀⊗𝑆 mittels Lemma 2.3.5 wie folgt auf:

𝑇𝑀⊗𝑆≅(𝑃×𝜌ℝ𝑛)⊗(𝑃×𝜅Δ𝑛).

Definiere eine Abbildung 𝜇:𝑇𝑀⊗𝑆→𝑆 durch

𝜇([(𝑝,𝑣)]⊗[(𝑝,𝑤)])≔[(𝑝,𝜇𝑟,𝑠(𝑣⊗𝑤))]=[(𝑝,𝑣⋅𝑤)]∀𝑝∈𝑃,𝑣∈ℝ𝑛,𝑤∈Δ𝑛.

Wir geben auch dieser Abbildung den Namen Clifford-Multiplikation und den Buchstaben 𝜇.

Proposition 3.4.11 Die so definierte Abbildung 𝜇:𝑇𝑀⊗𝑆→𝑆 ist ein wohldefinierter Vektorbündelhomomorphismus von ℂ-Vektorbündeln.

Beweis: Die Wohldefiniertheit folgt aus Lemma 3.4.9. Außerdem ist 𝜇 nach Definition fasertreu und linear auf jeder Faser. Die Abbildung wird induziert von der gemäß Bemerkung 3.4.8 glatten Abbildung

(id,𝜇𝑟,𝑠):𝑃×(ℝ𝑟+𝑠⊗Δ𝑛)→𝑃×Δ𝑛

und ist somit glatt.□

Für die Clifford-Multiplikation 𝜇:𝑇𝑀⊗𝑆→𝑆 gilt folgende Relation, welche wir benötigen, um in Kapitel 4 das Differential der Seiberg-Witten-Abbildung zu berechnen.

Lemma 3.4.12 Seien 𝜑,𝜓∈Γ(𝑆) zwei Schnitte im Spinorbündel zu einer Spin-Struktur von (𝑀,𝑔), 𝑋,𝑌∈Γ(𝑇𝑀) zwei Vektorfelder auf 𝑀 und ⟨⋅,⋅⟩ die Bündelmetrik auf 𝑆 wie in Definition 3.4.5. Dann gilt

𝑋⋅𝑌⋅𝜑+𝑌⋅𝑋⋅𝜑=−2𝑔(𝑋,𝑌)𝜑.

Wenn die Signatur der Metrik auf 𝑀 Riemannsch ist, dann ist die Clifford-Multiplikation zusätzlich schiefhermitesch, d. h. es gilt

⟨𝑋⋅𝜑,𝜓⟩=−⟨𝜑,𝑋⋅𝜓⟩.

Beweis: Siehe Lemma 9.10 und Lemma 9.7 in [Sch25].

Nun nutzen wir die Clifford-Multiplikation und die Spinorableitung, um den Dirac-Operator einzuführen, welcher sowohl in der Physik als auch in den Seiberg-Witten-Gleichungen eine wichtige Rolle spielt.

Definition 3.4.13 Sei 𝑆 das Spinorbündel zu einer Spin-Struktur von (𝑀,𝑔), ∇𝑆 die Spinorableitung wie in Definition 3.4.4 und 𝜑∈Γ(𝑆) ein Spinorfeld. Dann definieren wir

𝜕𝜑≔∑𝑖=1𝑟+𝑠𝐸𝑖⋅∇𝐸𝑖𝑆𝜑.

Dabei ist (𝐸1,…,𝐸𝑟+𝑠) eine 𝑔-ONB von 𝑇𝑀 am Auswertungspunkt.

Dies ist die Definition über eine 𝑔-ONB am Auswertungspunkt, wie sie in der Physik üblich ist. Wir werden nun zeigen, dass diese Definition unabhängig von der Wahl der 𝑔-ONB ist.

Definition 3.4.14 Sei 𝑆 das Spinorbündel zu einer Spin-Struktur (𝑃,𝐹) von (𝑀,𝑔), ∇𝑆:Γ(𝑆)→Γ(𝑇∗𝑀⊗𝑆) die Spinorableitung, #︎:𝑇𝑀∗⊗𝑆→𝑇𝑀⊗𝑆 der durch die Metrik auf 𝑀 gegebene musikalische Isomorphismus und 𝜇:𝑇𝑀⊗𝑆→𝑆 die Clifford-Multiplikation. Der Operator

𝜕≔𝜇∘♯∘∇𝑆:Γ(𝑆)→∇𝑆Γ(𝑇∗𝑀⊗𝑆)→#︎Γ(𝑇𝑀⊗𝑆)→𝜇Γ(𝑆)

heißt Dirac-Operator.

Proposition 3.4.15 Der Operator aus Definition 3.4.14 stimmt mit dem aus Definition 3.4.13 überein, welche insbesondere unabhängig von der Wahl der 𝑔-ONB am Auswertungspunkt ist.

Beweis: Seien die Bezeichnungen wie in Definition 3.4.13 und 𝑋∈Γ(𝑇𝑀) ein Vektorfeld auf 𝑀. Dann gilt

∇𝑋𝑆𝜑=∑𝑖=1𝑟+𝑠𝑔(𝑋,𝐸𝑖)∇𝐸𝑖𝑆𝜑⇒𝜇(♯(∇𝑆𝜑))=𝜇(♯(∑𝑖=0𝑟+𝑠𝑔(⋅,𝐸𝑖)∇𝐸𝑖𝑆𝜑))=𝜇(∑𝑖=0𝑟+𝑠𝐸𝑖⊗∇𝐸𝑖𝑆𝜑)=∑𝑖=0𝑟+𝑠𝐸𝑖⋅∇𝐸𝑖𝑆𝜑

□

Motiviert durch die Klein-Gordan-Gleichung aus der Physik möchten wir gerne folgern, dass die zweifache Anwendung des Dirac-Operators (das „Quadrat“) mit einem Laplace-Operator assoziiert werden kann. Dazu benötigen wir den Bündel-Laplace-Operator.

Definition 3.4.16 Sei 𝑆 das Spinorbündel zu einer Spin-Struktur von (𝑀,𝑔). Der zu der Spinorableitung ∇𝑆:Γ(𝑆)→Γ(𝑇∗𝑀⊗𝑆) gehörige Bündel-Laplace-Operator ist

Δ𝑆:Γ(𝑆)→Γ(𝑆)𝜑↦∑𝑗=1𝑟+𝑠(−∇𝐸𝑗𝑆∇𝐸𝑗𝑆𝜑+∇∇𝐸𝑗𝑆𝐸𝑗𝑆𝜑).

Dabei ist (𝐸1,…,𝐸𝑛) ein lokales 𝑔-ONB-Feld um den Auswertungspunkt.

Für die Wohldefiniertheit dieses Operators siehe Bemerkung 13.3 in [Sch25].

Proposition 3.4.17 Für den Dirac-Operator 𝜕:Γ(𝑆)→Γ(𝑆) gilt die Lichnerowicz-Formel

𝜕𝜕𝜑=Δ𝑆𝜑+14scal𝜑,∀𝜑∈Γ(𝑆).

Dabei ist scal:𝑀→ℝ die zur Metrik 𝑔 gehörende Skalarkrümmung.

Beweis: Siehe Satz 13.9 in [Sch25].

Wir möchten eine Aussage über die formale Selbstadjungiertheit des Dirac-Operators im Riemannschen Fall treffen. Für diesen Zweck definieren wir die folgende Bündelmetrik auf Λ1𝑇∗𝑀⊗𝑆.

Definition 3.4.18 Sei 𝑆 das Spinorbündel zu einer Spin-Struktur von (𝑀,𝑔). Auf dem Vektorbündel Λ1𝑇∗𝑀⊗𝑆 definieren wir für alle 𝜔1,𝜔2∈(Λ1𝑇∗𝑀⊗𝑆)𝑥 und 𝑥∈𝑀 die Bündelmetrik

⟨𝜔1,𝜔2⟩≔∑𝑗=1𝑟+𝑠⟨𝜔1(𝐸𝑗),𝜔2(𝐸𝑗)⟩.

Dabei ist (𝐸1,…,𝐸𝑟+𝑠) eine 𝑔-ONB von 𝑇𝑥𝑀 und die Bündelmetrik ⟨⋅,⋅⟩ auf der rechten Seite die Bündelmetrik auf 𝑆 wie in Definition 3.4.5.

Mittels der so definierten Bündelmetrik können wir, im Falle einer Riemannschen Mannigfaltigkeit, die folgenden Eigenschaften festhalten.

Proposition 3.4.19 Sei die Signatur der Metrik auf 𝑀 Riemannsch. Sei außerdem 𝑆 das Spinorbündel zu einer Spin-Struktur von (𝑀,𝑔), ∇𝑆:Γ(𝑆)→Γ(𝑇∗𝑀⊗𝑆) die Spinorableitung, 𝜕:Γ(𝑆)→Γ(𝑆) der Dirac-Operator und Δ𝑆 der zu ∇𝑆 gehörige Bündel-Laplace-Operator. Dann gilt für alle 𝜑1,𝜑2 mit kompaktem Träger

∫𝑀⟨𝜕𝜑1,𝜑2⟩dvol𝑔=∫𝑀⟨𝜑1,𝜕𝜑2⟩dvol𝑔

und

∫𝑀⟨Δ𝑆𝜑1,𝜑2⟩dvol𝑔=∫𝑀⟨∇𝑆𝜑1,∇𝑆𝜑2⟩dvol𝑔=∫𝑀⟨𝜑1,Δ𝑆𝜑2⟩dvol𝑔.

Wir sagen, dass 𝜕 und Δ𝑆 zu sich selbst formal adjungiert sind.

Beweis: Sei (𝐸1,…,𝐸𝑛) ein lokales 𝑔-ONB Feld um den Auswertungspunkt mit ∇𝐸𝑖LC𝐸𝑗=0 für alle 1≤𝑖,𝑗≤𝑛. Dann gilt gemäß Lemma 3.4.12 und Lemma 3.4.6

⟨𝜕𝜑1,𝜑2⟩=∑𝑗=1𝑛⟨𝐸𝑗⋅∇𝐸𝑗𝑆𝜑1,𝜑2⟩=−∑𝑗=1𝑛⟨∇𝐸𝑗𝑆𝜑1,𝐸𝑗⋅𝜑2⟩=−∑𝑗=1𝑛(𝐸𝑗(⟨𝜑1,𝐸𝑗⋅𝜑2⟩)−⟨𝜑1,∇𝐸𝑗𝑆𝐸𝑗⋅𝜑2⟩)=⟨𝜑1,𝜕𝜑2⟩−∑𝑗=1𝑛𝐸𝑗(⟨𝜑1,𝐸𝑗⋅𝜑2⟩)=⟨𝜑1,𝜕𝜑2⟩−𝛿𝑏.

Dabei ist 𝛿𝑏=∑𝑗=1𝑛𝑏(𝐸𝑗) das Codifferential der 1-Form 𝑏∈Ω1(𝑀,ℂ), definiert durch

𝑏:𝑋↦⟨𝜑1,𝑋⋅𝜑2⟩.

Dies zeigt Gl. (3.3). Für einen Beweis von Gl. (3.4) siehe Satz 13.6. in [Sch25].□

In den Seiberg-Witten-Gleichungen tritt ein Schnitt im positiven Spinorbündel auf. Dies entspricht der Aufteilung des Spinorbündels in Spinorbündel positiver und negativer Chiralität. Diese Begriffe wollen wir nun definieren.

Lemma 3.4.20 Sei 𝑛=2𝑚=𝑟+𝑠 gerade und Spin(𝑟,𝑠) die Spin-Gruppe mit Signatur (𝑟,𝑠).

  1. Das Element 𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛∈Spin(𝑟,𝑠) liegt im Zentrum der Gruppe Spin(𝑟,𝑠).

  2. Für dieses Element gilt

    (𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛)2=(−1)𝑠−𝑚.

Beweis: Für alle 1≤𝑘,𝑗≤𝑛 gilt

𝑒𝑗𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛=(−1)𝑛−1𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛𝑒𝑗=−𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛𝑒𝑗⇒𝑒𝑘𝑒𝑗𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛=𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛𝑒𝑘𝑒𝑗.

Für das Quadrat des Elements 𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛 gilt dann

(𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛)2=𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛⋅𝑒1⋅…⋅𝑒𝑛=(−1)𝑛−1⋅…⋅(−1)1⋅𝑒12⋅…⋅𝑒𝑛2⏟(−1)𝑠=(−1)𝑛(𝑛−1)2(−1)𝑠=(−1)(2𝑚2−𝑚)(−1)𝑠=(−1)𝑠−𝑚

□

Definition 3.4.21 Sei 𝑛=𝑟+𝑠=2𝑚 gerade, Spin(𝑟,𝑠) die Spin-Gruppe mit Signatur (𝑟,𝑠) und 𝜅:Spin(𝑟,𝑠)→GL(Δ𝑛) die Spin-Darstellung von Spin(𝑟,𝑠). Der Chiralitätsoperator ist

𝜙≔(−𝑖)𝑠−𝑚𝜅(𝑒1⋅…⋅𝑒2𝑚):Δ𝑛→Δ𝑛.

Proposition 3.4.22 Seien die Bezeichnungen wie zuvor und 𝑛=𝑟+𝑠 weiterhin gerade.

  1. Für alle 𝑢∈Spin(𝑟,𝑠) gilt

    𝜙∘𝜅(𝑢)=𝜅(𝑢)∘𝜙.
  2. Der Chiralitätsoperator erfüllt 𝜙2=idΔ𝑛 und hat somit nur die Eigenwerte {±1}.

Beweis: Wir benutzen Lemma 3.4.20. Für die Abbildung 𝜙∘𝜅(𝑢) gilt:

𝜙∘𝜅(𝑢)=(−𝑖)𝑠−𝑚𝜅(𝑒1⋅…⋅𝑒2𝑚)𝜅(𝑢)=(−𝑖)𝑠−𝑚𝜅(𝑒1⋅…⋅𝑒2𝑚⋅𝑢)=(−𝑖)𝑠−𝑚𝜅(𝑢⋅𝑒1⋅…⋅𝑒2𝑚)=(−𝑖)𝑠−𝑚𝜅(𝑢)𝜅(𝑒1⋅…⋅𝑒2𝑚)=𝜅(𝑢)∘𝜙.

Für das Quadrat des Chiralitätsoperators gilt:

𝜙2=(−1)𝑠−𝑚𝜅((𝑒1⋅…⋅𝑒2𝑚)2)=(−1)𝑠−𝑚𝜅((−1)𝑠−𝑚)=idΔ𝑛.

□

Somit ergeben sich die folgenden Definitionen.

Definition 3.4.23 Sei 𝑛=𝑟+𝑠 gerade und Spin(𝑟,𝑠) die Spin-Gruppe mit Signatur (𝑟,𝑠).

  1. Die Eigenräume des Chiralitätsoperators 𝜙:Δ𝑛→Δ𝑛 bezeichnen wir mit

    Δ𝑛+≔{𝑤∈Δ𝑛|𝜙(𝑤)=𝑤}undΔ𝑛−≔{𝑤∈Δ𝑛|𝜙(𝑤)=−𝑤}.

    Elemente von Δ𝑛+ heißen Spinoren positiver Chiralität und Elemente von Δ𝑛− heißen Spinoren negativer Chiralität.

  2. Die Einschränkung der Spin-Darstellung 𝜅:Spin(𝑟,𝑠)→GL(Δ𝑛) auf diese Unterräume

    𝜅+:Spin(𝑟,𝑠)→GL(Δ𝑛+)und𝜅−:Spin(𝑟,𝑠)→GL(Δ𝑛−)

    nennen wir die positive und die negative Spin-Darstellung von Spin(𝑟,𝑠).

  3. Die Vektorbündel

    𝑆+≔𝑃×𝜅+Δ𝑛+und𝑆−≔𝑃×𝜅−Δ𝑛−

    bezeichnen wir als positives und negatives Spinorbündel. Sie können identifiziert werden mit den Untervektorbündeln

    𝑆+≅{[(𝑝,𝑤)]|𝑝∈𝑃,𝑤∈Δ𝑛+}⊂𝑆,und𝑆−≅{[(𝑝,𝑤)]|𝑝∈𝑃,𝑤∈Δ𝑛−}⊂𝑆.

Proposition 3.4.24 Wenn die Dimension 𝑛=𝑟+𝑠 von 𝑀 gerade ist, führt der Dirac-Operator 𝜕:Γ(𝑆)→Γ(𝑆) zu einer Spin-Struktur (𝑃,𝐹) von (𝑀,𝑔), definiert wie in Definition 3.4.14, die positiven und negativen Spinorbündel ineinander über. Es ergibt sich der positive

𝜕+≔𝜕|Γ(𝑆+):Γ(𝑆+)→Γ(𝑆−)

und der negative Dirac-Operator

𝜕−≔𝜕|Γ(𝑆−):Γ(𝑆−)→Γ(𝑆+).

Beweis: Sei 𝜑∈Γ(𝑆±) und 𝑠:𝑈→𝑃 ein lokaler Schnitt von 𝑃. Sei außerdem 𝑤:𝑈→Δ𝑛± definiert durch 𝜑|𝑈=[(𝑠,𝑤)] und 𝑋∈Γ(𝑇𝑀) ein Vektorfeld auf 𝑀. Dann gilt mit Lemma 2.6.4

(∇𝑋𝑆𝜑)|𝑈=[(𝑠,𝑋(𝑤)+𝜅∗(∘𝐴(𝑑𝑠(𝑋)))𝑤)].

Es folgt sofort 𝑋(𝑤):𝑈→Δ𝑛±. Sei nun 𝔰𝔭𝔦𝔫(𝑟,𝑠) die Lie-Algebra von Spin(𝑟,𝑠), 𝑌∈𝔰𝔭𝔦𝔫(𝑟,𝑠), 𝛾:ℝ→Spin(𝑟,𝑠) eine Kurve mit 𝛾̇(0)=𝑌 und 𝜙:Δ𝑛→Δ𝑛 der Chiralitätsoperator wie in Definition 3.4.21. Dann gilt

𝜙(𝜅∗(𝑌)𝑤)=dd𝑡|𝑡=0𝜙(𝜅(𝛾(𝑡))𝑤)=𝛾(𝑡)∈Spin(𝑟,𝑠)dd𝑡|𝑡=0𝜅(𝛾(𝑡))(𝜙(𝑤))=dd𝑡|𝑡=0𝜅(𝛾(𝑡))𝑤=𝜅∗(𝑌)𝑤.

Insgesamt folgt 𝑋(𝑤)+𝜅∗(𝐴(𝑑𝑠(𝑋)))𝑤∈Δ𝑛± und somit ∇𝑋𝑆𝜑∈𝑆±. Für 𝑣∈ℝ𝑛 gilt außerdem

𝜙(𝜅(𝑣)𝑤)=−𝜅(𝑣)(𝜙(𝑤)).

Und somit 𝑋⋅𝜑∈𝑆∓. Somit gilt insgesamt

𝜕𝜑=∑𝑗=1𝑟+𝑠𝐸𝑗⋅∇𝐸𝑗𝑆𝜑∈Γ(𝑆∓).

Dabei ist (𝐸1,…,𝐸𝑟+𝑠) eine 𝑔-ONB am Auswertungspunkt.□

Korollar 3.4.25 Sei 𝜑∈Γ(𝑆±) ein Spinorfeld mit kompaktem Träger. Aus Proposition 3.4.19 folgt für den positiven und negativen Dirac-Operator

∫𝑀⟨𝜕∓𝜕±𝜑,𝜑⟩dvol𝑔=∫𝑀⟨𝜕±𝜑,𝜕±𝜑⟩dvol𝑔=∫𝑀⟨𝜑,𝜕∓𝜕±𝜑⟩dvol𝑔.

Der positive und negative Dirac-Operator ist somit nicht formal selbstadjungiert. Außerdem folgt aus der Lichnerowicz-Formel (Proposition 3.4.17)

𝜕∓𝜕±𝜑=Δ𝑆𝜑+14scal𝜑.

Dabei ist Δ𝑆 der Bündel-Laplace-Operator zu der Spinorableitung ∇𝑆 und scal die Skalarkrümmung zu der Metrik 𝑔.

3.5. Der Fall 𝐒𝐩𝐢𝐧ℂ(𝑟,𝑠)

Sei wieder (𝑀,𝑔) eine orientierte, semi-Riemannsche Mannigfaltigkeit, (𝑟,𝑠) die Signatur von 𝑔 und Spin(𝑟,𝑠) die Spin-Gruppe mit Signatur (𝑟,𝑠).

Wir möchten nun die Gruppe Spinℂ(𝑟,𝑠) einführen. Die Diskussionen aus dem vorherigen Abschnitt lassen sich nahezu analog auf diese Gruppe übertragen. Mit diesen hier eingeführten Begriffen können wir dann in Kapitel 4 die Seiberg-Witten-Gleichungen einführen. Zunächst erinnern wir an Lemma 2.1.3 und daran, dass

Spin(𝑟,𝑠)×𝑈(1)

mit der komponentenweisen Multiplikation eine Lie-Gruppe bildet. Wir benötigen außerdem die folgende Untergruppe.

Lemma 3.5.1 In der Lie-Gruppe Spin(𝑟,𝑠)×𝑈(1) bildet die Menge

{±(1,1)}={(1,1),(−1,−1)}

eine abgeschlossene Untergruppe des Zentrums.

Beweis: Die Abgeschlossenheit ergibt sich daraus, dass die Menge diskret ist. Sie liegt außerdem im Zentrum von Spin(𝑟,𝑠)×𝑈(1), da 𝑈(1) abelsch ist und {±1}⊂Spin(𝑟,𝑠) mit allen Elementen in Spin(𝑟,𝑠) kommutiert.□

Daher können wir die folgende Lie-Gruppe definieren.

Definition 3.5.2 Die 𝑆𝑝𝑖𝑛ℂ-Gruppe mit Signatur (𝑟,𝑠) ist

Spinℂ(𝑟,𝑠)≔(Spin(𝑟,𝑠)×𝑈(1))/{±(1,1)}.

Elemente in dieser Gruppe notieren wir als Äquivalenzklassen in der Form

[(𝑢,𝑧)]=[(−𝑢,−𝑧)]∈Spin(𝑟,𝑠)∀𝑢∈Spin(𝑟,𝑠),𝑧∈𝑈(1).

Nun möchten wir die Darstellungen der Spin-Gruppe auf die Gruppe Spinℂ(𝑟,𝑠) erweitern.

Definition 3.5.3 Sei 𝜌:Spin(𝑟,𝑠)→SO(𝑟,𝑠) die Darstellung aus Definition 3.3.3 und 𝜅:Spin(𝑟,𝑠)→GL(Δ𝑛) die Spin-Darstellung von Spin(𝑟,𝑠). Wie definieren die Gruppenhomomorphismen

𝜌ℂ:Spinℂ(𝑟,𝑠)∋[(𝑢,𝑧)]↦𝜌(𝑢)∈SO(𝑟,𝑠),𝜅ℂ:Spinℂ(𝑟,𝑠)∋[(𝑢,𝑧)]↦𝑧⋅𝜅(𝑢)∈GL(Δ𝑛),𝑞:Spinℂ(𝑟,𝑠)∋[(𝑢,𝑧)]↦𝑧2∈𝑆1.

Um diese Abbildung als Lie-Gruppen Homomorphismus auffassen zu können, benötigen wir das folgende Lemma.

Lemma 3.5.4 Sei 𝐻 eine Mannigfaltigkeit, 𝐺 eine Lie-Gruppe und 𝑁⊂𝐺 eine abgeschlossene Untergruppe des Zentrums von 𝐺. Die Menge der Nebenklassen 𝐺/𝑁 besitzt gemäß Lemma 2.1.3 eine eindeutige glatte Struktur, sodass die Projektionsabbildung 𝜋:𝐺→𝐺/𝑁 eine glatte Submersion ist. Dann gilt

𝑓:𝐺/𝑁→𝐻glatt⇔𝑓∘𝜋:𝐺→𝐻glatt.

Beweis: Die Hinrichtung ist klar, da in diesem Fall 𝑓∘𝜋 glatt als Komposition glatter Abbildungen ist. Für die Rückrichtung werden wir den Fakt annehmen, dass die Projektionsabbildung 𝜋:𝐺→𝐺/𝑁 „lokale Schnitte“ besitzt, d. h. um jeden Punkt [𝑎]∈𝐺/𝑁 existiert eine Umgebung 𝑊⊂𝐺/𝑁 und eine glatte Abbildung 𝑠:𝑊→𝐺 mit 𝜋∘𝑠=id𝑊. Der Beweis zu diesem Fakt kann z. B. in [Bau14], Satz 1.24 nachgelesen werden. Um alle [𝑎]∈𝐺/𝑁 kann 𝑓:𝐺/𝑁→𝐻 demnach dargestellt werden als folgende Komposition

𝑓|𝑊=𝑓∘𝜋⏟glatt∘𝑠.

Diese Abbildung ist glatt als Komposition glatter Abbildungen.□

Korollar 3.5.5 Die Gruppenhomomorphismen 𝜌ℂ,𝜅ℂ und 𝑞 aus Definition 3.5.3 sind gemäß dem vorherigen Lemma glatt, also Lie-Gruppen-Homomorphismen.

Analog zum Begriff einer Spin-Struktur können wir nun den Begriff einer Spinℂ-Struktur definieren (nun bezüglich 𝜌ℂ anstatt 𝜌).

Definition 3.5.6 Sei SO(𝑀,𝑔) das SO(𝑟,𝑠)-HFB der positiv-orientierten Orthonormalbasen von 𝑇𝑀. Eine 𝑆𝑝𝑖𝑛ℂ-Struktur von (𝑀,𝑔) ist eine 𝜌ℂ-Reduktion (𝑃,𝐹) von SO(𝑀,𝑔).

Auch in diesem Fall ist die Existenz einer solchen Reduktion nicht garantiert und bildet eine topologische Invariante. Interessanterweise besitzt jede Riemannsche, orientierbare 4-Mannigfaltigkeit eine Spinℂ-Struktur [TV05].

Die Definition des Spinorbündels erfolgt analog zum Fall einer Spin-Struktur (nun mit 𝜅ℂ anstatt 𝜅). Um den Dirac-Operator einer Spinℂ-Struktur definieren zu können, benötigen wir eine Spinorableitung analog zu Definition 3.4.4, d. h. insbesondere möchten wir einen Zusammenhang auf dem Spinℂ(𝑟,𝑠)-HFB 𝑃 definieren. Diesen konstruieren wir wie folgt.

Definition 3.5.7 Sei (𝑃,𝐹) eine Spinℂ-Struktur von (𝑀,𝑔).

  1. Sei 𝑞:Spinℂ(𝑟,𝑠)→𝑆1 der Lie-Gruppen-Homomorphismus aus Definition 3.5.3 und 𝜆𝑞 die Linkswirkung von Spinℂ(𝑟,𝑠) auf 𝑆1 durch 𝜆𝑞([(𝑢,𝑧)],𝑤)≔𝑞([(𝑢,𝑧)])⋅𝑤=𝑧2⋅𝑤 für alle [(𝑢,𝑧)]∈Spinℂ(𝑟,𝑠),𝑤∈𝑆1. Dann definieren wir das folgende 𝑆1-HFB über 𝑀

    𝑃1≔𝑃×𝜆𝑞𝑆1.

    Dies nennen wir das Determinantenlinienbündel zu der Spinℂ-Struktur (𝑃,𝐹).

  2. Wir definieren die Abbildung

    pr1:𝑃∋𝑝↦[(𝑝,1)]∈𝑃1.

Definition 3.5.8 Sei 𝐴SO der Zusammenhang auf SO(𝑀,𝑔), welcher zum Levi-Civita-Zusammenhang von (𝑀,𝑔) gehört. Sei außerdem 𝐴 eine Zusammenhangsform auf dem Determinantenlinienbündel 𝑃1, pr1:𝑃→𝑃1 die Projektion wie in Definition 3.5.7 und 𝜌:Spin(𝑟,𝑠)→SO(𝑟,𝑠) die Darstellung von Spin(𝑟,𝑠) wie in Definition 3.3.3.

  1. Wir definieren den folgenden Zusammenhang auf 𝑃:

    𝐴𝑃≔((𝑑𝜌1)−1∘𝐹∗𝐴SO,12pr1∗𝐴)∈Ω1(𝑃,𝔰𝔭𝔦𝔫(𝑟,𝑠)⊕𝑖ℝ).
  2. Den induzierten Zusammenhang ∇𝐴𝑃 auf dem Spinorbündel 𝑆 nennen wir wieder Spinorableitung und schreiben

    ∇𝑆≔∇𝐴𝑃.

Wieder können wir auf dem Spinorbündel eine hermitesche Bündelmetrik definieren. Auch im Fall einer Spinℂ-Struktur ist ∇𝑆 metrisch bezüglich dieser Bündelmetrik. Die Clifford-Multiplikation 𝜇𝑟,𝑠:𝑇𝑀⊗𝑆→𝑆 wird vollkommen analog zum Fall einer Spin-Struktur definiert (nun mit 𝜌ℂ,𝜅ℂ anstatt 𝜌,𝜅) und Lemma 3.4.12 gilt analog. Wir können nun den Dirac-Operator einer Spinℂ-Struktur definieren.

Definition 3.5.9 Sei 𝑆 das Spinorbündel zu einer Spinℂ-Struktur von (𝑀,𝑔), 𝐴 eine Zusammenhangsform auf dem Determinantenlinienbündel, ∇𝑆:Γ(𝑆)→Γ(𝑇∗𝑀⊗𝑆) die Spinorableitung, #︎:𝑇𝑀∗⊗𝑆→𝑇𝑀⊗𝑆 der durch die Metrik auf 𝑀 gegebene musikalische Isomorphismus und 𝜇:𝑇𝑀⊗𝑆→𝑆 die Clifford-Multiplikation. Dann definieren wir

𝜕𝐴≔𝜇∘♯∘∇𝑆:Γ(𝑆)→∇𝑆Γ(𝑇𝑀∗⊗𝑆)→#︎Γ(𝑇𝑀⊗𝑆)→𝜇Γ(𝑆).

Die Darstellung über eine 𝑔-ONB am Auswertungspunkt (Definition 3.4.13) gilt analog. Außerdem kann das „Quadrat“ dieses Operators wieder mit dem Bündel-Laplace-Operator Δ𝑆:Γ(𝑆)→Γ(𝑆) des Spinorbündels in Beziehung gesetzt werden. Dabei erhalten wir im Fall einer Spinℂ-Struktur folgenden zusätzlichen Krümmungsterm.

Proposition 3.5.10 Für den Dirac-Operator 𝜕𝐴:Γ(𝑆)→Γ(𝑆) einer Spinℂ-Struktur gilt die Lichnerowicz-Formel:

𝜕𝐴𝜕𝐴𝜑=Δ𝑆𝜑+14scal𝜑+12Ω𝐴⋅𝜑∀𝜑∈Γ(𝑆).

Dabei ist scal:𝑀→ℝ die zur Metrik 𝑔 gehörende Skalarkrümmung und Δ𝑆:Γ(𝑆)→Γ(𝑆) der Bündel-Laplace-Operator zu ∇𝑆, definiert analog zu Definition 3.4.16.

Beweis: Siehe Satz 13.9. in [Sch25].

Bemerkung 3.5.11 Der Dirac-Operator einer Spinℂ-Struktur ist formal selbstadjungiert und für den Bündel-Laplace-Operator ∇𝑆 und die Spinorableitung ∇𝑆 gilt

∫𝑀⟨Δ𝑆𝜑1,𝜑2⟩dvol𝑔=∫𝑀⟨∇𝑆𝜑1,∇𝑆𝜑2⟩dvol𝑔=∫𝑀⟨𝜑1,Δ𝑆𝜑2⟩dvol𝑔

für alle Spinorfelder 𝜑1,𝜑2∈Γ(𝑆) mit kompaktem Träger.

Lemma 3.5.12 Sei 𝐴 eine Zusammenhangsform auf dem Determinantenlinienbündel 𝑃1 sowie 𝜋:𝑃1→𝑀 die Projektion in 𝑃1 und 𝑎∈Ω1(𝑀,𝑖ℝ). Dann ist 𝐴+𝜋∗𝑎 eine Zusammenhangsform auf 𝑃1 und es gilt

∇𝑋(𝐴+𝜋∗𝑎)𝑃𝜑=∇𝑋𝐴𝑃𝜑+12𝑎(𝑋)𝜑∀𝜑∈Γ(𝑆),𝑋∈Γ(𝑇𝑀).

Beweis: Sei 𝑠:𝑈→𝑃 ein lokaler Schnitt in 𝑃 und 𝑤:𝑈→Δ𝑛 definiert durch 𝜑|𝑈=[(𝑠,𝑤)]. Dann gilt gemäß Lemma 2.6.4 über 𝑈

∇𝑋(𝐴+𝜋∗𝑎)𝑃𝜑=∇𝑋𝐴𝑃𝜑+[(𝑠,12(𝜅∗ℂ∘(0,pr1∗𝜋∗𝑎)(𝑑𝑠(𝑋)))𝑤)]=∇𝑋𝐴𝑃𝜑+[(𝑠,12(𝜅∗ℂ∘(0,𝑎(𝑑𝜋𝑑pr1𝑑𝑠(𝑋))))𝑤)]=∇𝑋𝐴𝑃𝜑+[(𝑠,12(𝜅∗ℂ∘(0,𝑎(𝑋)))𝑤)]=∇𝑋𝐴𝑃𝜑+[(𝑠,12𝑎(𝑋)𝑤)]=∇𝑋𝐴𝑃𝜑+12𝑎(𝑋)𝜑

Somit gilt dies auf ganz 𝑀.□

Korollar 3.5.13 Sei 𝑎∈Ω1(𝑀,𝑖ℝ) und 𝜋:𝑃→𝑃1 die Projektion wie in Definition 3.5.7. Dann ist 𝐴+𝜋∗𝑎 wieder eine Zusammenhangsform auf 𝑃1 und es gilt mittels Lemma 3.5.12

𝜕𝐴+𝜋∗𝑎𝜑=𝜕𝐴𝜑+12𝑎⋅𝜑.

Wie die Spin-Darstellung von Spin(𝑟,𝑠) ist auch die Spin-Darstellung von Spinℂ(𝑟,𝑠) nicht irreduzibel und zerfällt in eine positiv- und negativ-chirale Spin-Darstellung, wodurch wir das positive und negative Spinorbündel definieren können.

Definition 3.5.14 Seien Δ𝑛+,Δ𝑛− die Räume der positiven bzw. negativen Spinoren wie in Definition 3.4.23. Die Einschränkungen 𝜅±ℂ auf Δ𝑛± nennen wir positive und negative Spin-Darstellungen. Die Vektorbündel

𝑆+≔𝑃×𝜅+ℂΔ𝑛+und𝑆−≔𝑃×𝜅−ℂΔ𝑛−

heißen positive und negative Spinorbündel.

Definition 3.5.15 Auch im Fall einer Spinℂ-Struktur schränkt sich der Dirac-Operator auf das positive und negative Spinorbündel ein und der positive und negative Dirac-Operator

𝜕𝐴±≔𝜕𝐴|Γ(𝑆±):Γ(𝑆±)→Γ(𝑆∓)

ist wohldefiniert.

Beweis: Analog zu dem zu Proposition 3.4.24, nun mit Spinℂ(𝑟,𝑠) anstatt Spin(𝑟,𝑠).

Die positiven und negativen Dirac-Operatoren sind wie in Korollar 3.4.25 zueinander formal adjungiert und Korollar 3.4.25 gilt analog im Fall einer Spinℂ-Struktur, nun mit Proposition 3.5.10 anstatt Proposition 3.4.17.

4. Der Index der Seiberg-Witten-Abbildung

Mit Hilfe der Grundbegriffe aus Kapitel 2 und Kapitel 3 werden wir nun die perturbierten Seiberg-Witten-Gleichungen einer Riemannschen 4-Mannigfaltigkeit formulieren. Für den Fall einer einfach zusammenhängenden, kompakten Mannigfaltigkeit 𝑀 mit 𝑏+(𝑀)>0 werden wir der Menge der Lösungen dieser Gleichungen bis auf Eichtransformation eine Struktur als glatte Mannigfaltigkeit geben und die Dimension dieser Mannigfaltigkeit in Abhängigkeit von topologischen Invarianten von 𝑀 berechnen.

4.1. Lineare Differentialoperatoren und das Hauptsymbol

Seien 𝑀 eine Mannigfaltigkeit, 𝕂∈{ℝ,ℂ} und (𝐸,𝜋𝐸,𝑀;𝕂𝑝),(𝐹,𝜋𝐹,𝑀;𝕂𝑞) reelle oder komplexe Vektorbündel über 𝑀.

In diesem Abschnitt stellen wir den grundlegenden Begriff eines linearen Differentialoperators zwischen Schnitten in Vektorbündeln vor. Wenn 𝑃 ein solcher Differentialoperator ist, definieren wir den zu 𝑃 adjungierten Operator und das Hauptsymbol von 𝑃.

Definition 4.1.1 Ein linearer Differentialoperator 𝑚-ter Ordnung auf 𝑀 ist eine lineare Abbildung 𝑃:Γ(𝐸)→Γ(𝐹), sodass für alle 𝑥0∈𝑀 eine Umgebung 𝑈⊂𝑀 um 𝑥0, eine Karte 𝑦:𝑈→𝑈′ von 𝑀 sowie Vektorbündelkarten 𝜑𝐸:𝜋𝐸−1(𝑈)→𝑈×𝕂𝑝,𝜑𝐹:𝜋𝐹−1(𝑈)→𝑈×𝕂𝑞 von 𝐸,𝐹 existieren, sodass 𝑃 über 𝑈 in der Form

𝑃=∑|𝛼|≤𝑚𝐴𝛼(𝑥)𝜕|𝛼|𝜕𝑦𝛼: 𝐶∞(𝑈,𝕂𝑝)→𝐶∞(𝑈,𝕂𝑞)

mit glatten Funktionen 𝐴𝛼:𝑈→Mat(𝑞,𝑝,𝕂) geschrieben werden kann, sodass ein 𝛼 mit |𝛼|=𝑚 und 𝐴𝛼≠0 existiert. Dabei ist 𝛼=(𝛼1,…,𝛼𝑛) ein 𝑛-Tupel nicht-negativer ganzer Zahlen, |𝛼|≔𝛼1+…+𝛼𝑛 und 𝜕|𝛼|/𝜕𝑦𝛼=𝜕|𝛼|/𝜕𝑦1𝛼1…𝑦𝑛𝛼𝑛. Wenn der Kontext klar ist, bezeichnen wir 𝑃 auch nur als lineareren Differentialoperator auf 𝑀.

Definition 4.1.2 Sei 𝑃:Γ(𝐸)→Γ(𝐹) ein linearer Differentialoperator 𝑚-ter Ordnung auf 𝑀. Seien außerdem auf 𝐸,𝐹 jeweils Bündelmetriken ⟨⋅,⋅⟩𝐸,⟨⋅,⋅⟩𝐹 sowie auf 𝑀 eine Riemannsche Metrik 𝑔 und eine Orientierung gegeben. Dann existiert genau ein linearer Differentialoperator 𝑚-ter Ordnung 𝑃′:Γ(𝐹)→Γ(𝐸), welchen wir den formal adjungierten Operator zu 𝑃 nennen, mit

∫𝑀⟨𝑃𝜑,𝜓⟩𝐹dvol𝑔=∫𝑀⟨𝜑,𝑃′𝜓⟩𝐸dvol𝑔

für alle 𝜑∈Γ(𝐸),𝜓∈Γ(𝐹) mit kompaktem Träger.

Beweis: Für einen Beweis der Existenz von 𝑃′ siehe [Tay23]. Wenn nun 𝑃″ noch ein linearer Differentialoperator 𝑚-ter Ordnung ist, der Gl. (4.1) erfüllt, dann folgt

0=∫𝑀⟨𝜑,(𝑃″−𝑃′)𝜓⟩dvol𝑔

für alle 𝜑∈Γ(𝐸),𝜓∈Γ(𝐹) mit kompaktem Träger. Wählt man 𝜑=(𝑃″−𝑃′)𝜓, folgt

𝑃″−𝑃′=0.

□

Beispiel 4.1.3 Der positive bzw. negative Dirac-Operator aus Kapitel 3 ist ein linearer Differentialoperator erster Ordnung (siehe z. B. [LM89]) und die beiden Operatoren sind gemäß Korollar 3.4.25 jeweils zueinander formal adjungiert.

Definition 4.1.4 Sei 𝑃:Γ(𝐸)→Γ(𝐹) ein linearer Differentialoperator 𝑚-ter Ordnung über 𝑀.

  1. Das Hauptsymbol 𝜎(𝑃) von 𝑃 ordnet jedem 𝜉∈𝑇∗𝑀 mit 𝜉≠0 die lineare Abbildung

    𝜎(𝑃):𝐸𝑥∋𝑒↦1𝑚!(𝑃(𝑓𝑚𝑒̂))(𝑥)∈𝐹𝑥

    zu. Dabei ist 𝑥 der Fußpunkt von 𝜉, 𝑓∈𝐶∞(𝑀,ℝ) eine reellwertige Funktion mit 𝑓(𝑥)=0 und 𝑑𝑓𝑥=𝜉 sowie 𝑒̂∈Γ(𝐸) eine Fortsetzung von 𝑒 mit 𝑒̂(𝑥)=𝑒.

  2. Der Differentialoperator 𝑃 heißt elliptisch, wenn 𝜎(𝑃)(𝜉) für alle 𝜉∈𝑇𝑥∗𝑀 mit 𝜉≠0 und 𝑥∈𝑀 invertierbar ist.

Beispiel 4.1.5 Die positiven bzw. negativen Dirac-Operatoren in der Situation aus Definition 3.5.15 sind elliptisch, und ihr Hauptsymbol ist die Clifford-Multiplikation (siehe z. B. [LM89]).

Bemerkung 4.1.6 Seien 𝐸,𝐹 reelle oder komplexe Vektorbündel über 𝑀 und 𝑃:Γ(𝐸)→Γ(𝐹) ein linearer Differentialoperator. Das Hauptsymbol von 𝑃 hängt nur von Termen der höchsten Ordnung ab, d. h. wenn 𝑃′:Γ(𝐸)→Γ(𝐹) ein linearer Differentialoperator kleinerer Ordnung als 𝑚 ist, dann gilt für das Hauptsymbol 𝜎(𝑃+𝑃′)=𝜎(𝑃).

Beweis: Siehe [LM89].

4.2. Elliptische Komplexe und Selbstdualität

Definition 4.2.1 Sei 𝑀 eine Mannigfaltigkeit und 𝕂∈{ℝ,ℂ}. Ein elliptischer Komplex über 𝑀 ist eine Sequenz

0→Γ(𝐸0)→𝑑0…→Γ(𝐸𝑛−1)→𝑑𝑛−1Γ(𝐸𝑛)→0

von Schnitten in 𝕂-Vektorbündeln (𝐸𝑖) über 𝑀 und zugehörigen linearen Differentialoperatoren 𝑑𝑖:Γ(𝐸𝑖)→Γ(𝐸𝑖+1), sodass 𝑑𝑖+1∘𝑑𝑖=0 gilt und mit der Eigenschaft, dass für alle 𝑥∈𝑀,𝜉∈𝑇𝑥∗𝑀\{0} die zugehörige Sequenz von Hauptsymbolen

0→(𝐸0)𝑥→𝜎(𝑑0)(𝜉)…→(𝐸𝑛−1)𝑥→𝜎(𝑑𝑛−1)(𝜉)(𝐸𝑛)𝑥→0

exakt ist.

Theorem 4.2.2 Sei ein elliptischer Komplex 𝐸 über einer kompakten, orientierten Mannigfaltigkeit 𝑀 gegeben. Seien auf den dazugehörigen Vektorbündeln 𝐸0,…,𝐸𝑛 jeweils Bündelmetriken und auf 𝑀 eine Riemannsche Metrik gegeben, sodass für 0≤𝑖<𝑛 die formalen Adjungierten 𝑑𝑖∗ zu den linearen Differentialoperatoren 𝑑𝑖:Γ(𝐸𝑖)→Γ(𝐸𝑖+1) des Komplexes definiert werden können. Wir definieren die Operatoren

∆𝑖≔𝑑𝑖∗∘𝑑𝑖+𝑑𝑖−1∘𝑑𝑖−1∗:Γ(𝐸𝑖)→Γ(𝐸𝑖)∀1≤𝑖<𝑛und∆0≔𝑑0∗∘𝑑0,∆𝑛≔𝑑𝑛−1∘𝑑𝑛−1∗.

Dann gelten die orthogonalen Aufspaltungen

Γ(𝐸𝑖)=ker(Δ𝑖)⊕im(𝑑𝑖−1)⊕im(𝑑𝑖∗)=ker(Δ𝑖)⊕im(Δ𝑖)∀0≤𝑖≤𝑛.

Außerdem ist die Einbettung 𝜑:ker(Δ𝑖)→𝐻𝑖(𝐸) in die 𝑖-te Homologiegruppe

𝐻𝑖(𝐸)≔ker(𝑑𝑖)/im(𝑑𝑖−1)∀0<𝑖≤𝑛und𝐻0(𝐸)≔ker(𝑑0),𝐻𝑛(𝐸)≔Γ(𝐸𝑛)/im(𝑑𝑛−1)

des Komplexes ein Vektorraumisomorphismus, d. h. insbesondere gilt

𝐻𝑖(𝐸)≅ker(Δ𝑖)∀0≤𝑖≤𝑛

und jede Homologiegruppe 𝐻𝑖(𝐸) besitzt einen eindeutigen Repräsentanten, welcher im Kern von Δ𝑖 liegt.

Beweis: Siehe Theorem 5.2 von Kapitel 4 in [Wel80] oder [Dan14].

Ein besonderes Beispiel für einen elliptischen Komplex ist der zu einer 𝑛-dimensionalen Mannigfaltigkeit 𝑀 gehörende de-Rham-Komplex:

0→Ω0(𝑀)→𝑑0Ω1(𝑀)→𝑑1…→𝑑𝑛−2Ω𝑛−1(𝑚)→𝑑𝑛−1Ω𝑛(𝑀)→0.

Die Homologiegruppen dieses elliptischen Komplexes sind die de-Rham-Gruppen 𝐻dR𝑘(𝑀). Durch eine Metrik auf einer orientierten Mannigfaltigkeit 𝑀 können wir außerdem das Codifferential 𝛿𝑘:Ω𝑘(𝑀)→Ω𝑘−1(𝑀) als den formal zu 𝑑𝑘−1 adjungierten Operator und den Hodge-Laplace-Operator

∆𝑘=𝑑𝑘−1∘𝛿𝑘+𝛿𝑘+1∘𝑑𝑘∀1≤𝑘<𝑛undΔ0≔𝛿1∘𝑑0,Δ𝑛≔𝑑𝑛−1∘𝛿𝑛

definieren. Der Fakt, dass 𝑑𝑘−1 und 𝛿𝑘 formal zueinander adjungiert sind, liefert außerdem

⟨Δ𝑘𝜔,𝜔⟩=⟨𝛿𝑘𝜔,𝛿𝑘𝜔⟩+⟨𝑑𝑘𝜔,𝑑𝑘𝜔⟩≥0∀1≤𝑘<𝑛

und somit gilt

Δ𝑘𝜔=0⇔𝛿𝑘𝜔=0und𝑑𝑘𝜔=0.

Die Gleichungen auf der rechten Seite können als statische Maxwell’sche Gleichungen im Vakuumfall interpretiert werden.

Definition 4.2.3 Sei (𝑀,𝑔) eine semi-Riemannsche Mannigfaltigkeit und Δ𝑘:Ω𝑘(𝑀)→Ω𝑘(𝑀) der durch die Metrik induzierte Hodge-Laplace-Operator. Elemente im Kern von Δ𝑘

ℋ︀𝑘(𝑀)≔ker(Δ𝑘)

bezeichnen wir als harmonische Formen.

Gemäß dem Hodge-Theorem (Theorem 4.2.2) gilt auf einer kompakten, Riemannschen Mannigfaltigkeit

𝐻dR𝑘(𝑀)≅ℋ︀𝑘(𝑀)und somit𝑏𝑘≔dimℝ𝐻dR𝑘=dimℝℋ︀𝑘(𝑀).

Die Zahlen 𝑏𝑘 nennen wir Betti-Zahlen von 𝑀. Der de-Rham-Komplex einer orientierten Riemannschen-Mannigfaltigkeit zeichnet sich des Weiteren durch die Existenz des Hodge-Stern-Operators ⋆:Ω𝑘(𝑀)→Ω𝑛−𝑘(𝑀) aus. Einer Differentialform 𝜔∈Ω𝑘(𝑀) kann so eine „duale“ Differentialform ⋆𝜔∈Ω𝑛−𝑘(𝑀) zugeordnet werden, die diese zur Riemannschen Volumenform dvol𝑔 ergänzt. Auf einer Riemannschen Mannigfaltigkeit gilt dann 𝛼∧⋆𝜔=⟨𝛼,𝜔⟩dvol𝑔 für alle 𝛼,𝜔∈Ω𝑘(𝑀). Die Bündelmetrik ⟨⋅,⋅⟩ auf Λ𝑘𝑇∗𝑀 ist dabei bezüglich einer 𝑔-ONB (𝐸1,…,𝐸𝑛) am Auswertungspunkt gegeben durch

⟨𝛼,𝜔⟩≔∑1≤𝑗1<…<𝑗𝑘≤𝑛𝛼(𝐸𝑗1,…,𝐸𝑗𝑘)⋅𝜔(𝐸𝑗1,…,𝐸𝑗𝑘).

Der Hodge-Stern-Operator definiert somit eine lineare Abbildung ⋆:Ω𝑘(𝑀)→Ω𝑛−𝑘(𝑀) und auf einer Riemannschen Mannigfaltigkeit gilt

⋆2=(−1)𝑘(𝑛−𝑘):Ω𝑘(𝑀)→Ω𝑘(𝑀).

Definition 4.2.4 Die durch die Metrik 𝑔 auf 𝑀 induzierte Bündelmetrik ⟨⋅,⋅⟩ auf Λ𝑘𝑇∗𝑀 induziert ein Skalarprodukt auf Ω𝑘(𝑀) durch

⟨𝛼,𝜔⟩≔∫𝑀⟨𝛼,𝜔⟩dvol𝑔∀𝛼,𝜔∈Ω𝑘(𝑀).

Für dieses Skalarprodukt gilt dann für alle 𝛼∈Ω𝑘−1(𝑀),𝜔∈Ω𝑘(𝑀)

⟨𝑑𝑘−1𝛼,𝜔⟩≝∫𝑀⟨𝑑𝑘−1𝛼,𝜔⟩dvol𝑔=∫𝑀𝑑𝑘−1𝛼∧⋆𝜔=∫𝑀𝑑𝑛−1(𝛼∧⋆𝜔)−(−1)𝑘−1∫𝑀𝛼∧𝑑𝑛−𝑘⋆𝜔=−(−1)𝑘−1+(𝑛−𝑘+1)(𝑛−𝑛+𝑘−1)∫𝑀𝛼∧⋆⋆𝑑𝑛−𝑘⋆𝜔=⟨𝛼,(−1)𝑛(𝑘−1)−1⋆𝑑𝑛−𝑘⋆𝜔⟩.

Somit ist das Codifferential gegeben durch 𝛿𝑘=(−1)𝑛(𝑘−1)−1⋆𝑑𝑛−𝑘⋆:Ω𝑘(𝑀)→Ω𝑘−1(𝑀).

Korollar 4.2.5 Sei (𝑀,𝑔) eine Riemannsche Mannigfaltigkeit. Dann überführt der Hodge-Stern-Operator ⋆:Ω𝑘(𝑀)→Ω𝑛−𝑘(𝑀) gemäß Gl. (4.3) harmonische Formen in harmonische Formen. Daher gilt

ℋ︀𝑘(𝑀)≅ℋ︀𝑛−𝑘(𝑀)und somit𝑏𝑘=𝑏𝑛−𝑘

für die 𝑘-te und (𝑛−𝑘)-te Betti-Zahl von 𝑀.

Außerdem wird durch den Hodge-Stern-Operator auf einer Riemannschen 4-Mannigfaltigkeit eine Aufspaltung der (harmonischen) 2-Formen induziert.

Definition 4.2.6 Sei (𝑀,𝑔) eine Riemannsche 4-Mannigfaltigkeit. Dann definiert der Hodge-Stern-Operator auf den 2-Formen einen Endomorphismus ⋆:Ω2(𝑀)→Ω2(𝑀) mit der Eigenschaft ⋆2=id. Die dazugehörigen Eigenräume bezeichnen wir mit

Ω+2(𝑀)undΩ−2(𝑀).

Den Schnitt dieser Unterräume mit den harmonischen 2-Formen bezeichnen wir mit

ℋ︀+2(𝑀)≔Ω+2(𝑀)∩ℋ︀2(𝑀)undℋ︀−2(𝑀)≔Ω−2(𝑀)∩ℋ︀2(𝑀).

Die zugehörigen positiven und negativen Betti-Zahlen sind

𝑏+(𝑀)≔dimℋ︀+2(𝑀)und𝑏−(𝑀)≔dimℋ︀−2(𝑀).

Die Signatur von 𝑀 ist

𝜎(𝑀)≔𝑏+(𝑀)−𝑏−(𝑀).

Eine weitere interessante Anwendung des Hodge-Theorems ist die Existenz von Lösungen der Poisson-Gleichung.

Lemma 4.2.7 Für die Poisson-Gleichung

∆0𝑓=ℎ

existiert genau dann eine Lösung 𝑓∈Ω0(𝑀) für ein festes ℎ∈Ω0(𝑀), wenn ℎ co-exakt ist, d. h. wenn eine 1-Form 𝛼∈Ω1(𝑀) mit ℎ=𝛿𝛼 existiert.

Beweis: Sei zuerst 𝛼∈Ω1(𝑀) eine 1-Form mit ℎ=𝛿𝛼. Dann gilt

⟨1,ℎ⟩=∫𝑀1∧⋆ℎ=∫𝑀⋆𝛿𝛼=∫𝑀𝑑⋆𝛼=0.

Somit liegt ℎ im orthogonalen Komplement der konstanten Funktionen auf 𝑀, welche gemäß Gl. (4.3) genau der Kern von Δ0 sind. Aus dem Hodge-Theorem folgt, dass das orthogonale Komplement von ker(Δ0) genau das Bild von Δ0 ist. Ist andersherum 𝑓∈Ω0(𝑀) eine Lösung zu Gl. (4.4), so gilt ℎ=𝛿(𝑑𝑓) und damit ist 𝑑𝑓∈Ω1(𝑀) eine 1-Form mit der gewünschten Eigenschaft.□

4.3. Die Seiberg-Witten-Gleichungen

Sei (𝑀,𝑔) eine Riemannsche 4-Mannigfaltigkeit mit einer Spinℂ-Struktur.

Wir suchen Paare (𝐴,𝜑), bestehend aus einer Zusammenhangsform 𝐴 auf dem zur Spinℂ-Struktur gehörigen Determinantenlinienbündel und einem Schnitt im positiven Spinorbündel 𝜑∈Γ(𝑆+), sodass die Seiberg-Witten-Gleichungen

𝜕𝐴+𝜑=0,Ω+𝐴(𝑋,𝑌)=14⟨𝑋⋅𝑌⋅𝜑,𝜑⟩+14𝑔(𝑋,𝑌)|𝜑|2≕14𝜔𝜑(𝑋,𝑌)

für alle Vektorfelder 𝑋,𝑌∈Γ(𝑇𝑀) erfüllt sind. Dabei ist 𝜕𝐴+:𝑆+→𝑆− der zu 𝐴 gehörige positive Dirac-Operator und Ω+𝐴∈Ω2(𝑀,𝑖ℝ) der durch die Metrik induzierte selbstduale Anteil der lokalen Krümmungsform zu 𝐴. Die 2-Form auf der rechten Seite, welche die Gleichungen nicht-linear macht, bezeichnen wir mit 𝜔𝜑∈Ω2(𝑀,𝑖ℝ).

Die Gleichungen gehen außerdem auf ein Variationsprinzip zurück. Offenbar sind Lösungen von Gl. (4.5) Nullstellen des Funktionals

ℱ︀(𝜑,𝐴)≔∫𝑀|𝜕𝐴+𝜑|2+|Ω+𝐴−14𝜔𝜑|2dvol𝑔=∫𝑀(|𝜕𝐴+𝜑|2+|Ω+𝐴|2−12ℜ𝔢⟨Ω+𝐴,𝜔𝜑⟩+116|𝜔𝜑|2)dvol𝑔=Proposition 3.5.10∫𝑀⟨Δ𝑆𝜑+14scal𝜑,𝜑⟩+12⟨Ω𝐴⋅𝜑,𝜑⟩dvol𝑔+∫𝑀|Ω+𝐴|2+12∑1≤𝑗<𝑙≤4Ω+𝐴(𝐸𝑗,𝐸𝑙)⋅⟨𝐸𝑗⋅𝐸𝑙⋅𝜑,𝜑⟩+116|𝜔𝜑|2dvol𝑔.

Um das Funktional weiter umzuformen brauchen wir zunächst das folgende Lemma.

Lemma 4.3.1 Sei 𝜂− der anti-selbstduale Teil einer 2-Form 𝜂∈Ω2(𝑀,𝑖ℝ) und 𝜑∈Γ(𝑆+). Dann gilt

𝜂−⋅𝜑=0und|𝜔𝜑|2=2|𝜑|4.

Beweis: Siehe [Fri97].

Somit ist das Seiberg-Witten-Funktional

ℱ︀(𝜑,𝐴)=∫𝑀|Ω+𝐴|2+|∇𝑆𝜑|2+(14scal|𝜑|2+18|𝜑|4)dvol𝑔

nicht-negativ und besitzt als Nullstellen genau die Lösungen der Seiberg-Witten-Gleichungen. Formal erinnert das Seiberg-Witten-Funktional an Energie-Funktionale aus der Eichtheorie, etwa dem Ginzburg-Landau-Funktional oder dem Yang-Mills-Higgs-Funktional [HK15], [CDO23]. Das Spinorfeld in den Seiberg-Witten-Gleichungen ist dabei das Analogon zu dem supraleitenden Kondensat der Ginzburg-Landau-Theorie bzw. dem Higgs-Feld der Yang-Mills-Higgs-Theorie. In Analogie zu diesen Theorien stellt der Term

𝑉scal(|𝜑|)=14scal|𝜑|2+18|𝜑|4,

welcher im Seiberg-Witten-Funktional auftritt, eine Obstruktion für die Existenz nicht-trivialer Lösungen zu den Seiberg-Witten-Gleichungen dar. Im Falle einer nicht strikt-positiven Skalarkrümmung besitzt die Funktion 𝑉scal(|𝜑|) lokale Minima um den Ursprung und wird somit auch als Sombrero-Potential bezeichnet:

Der Lösungsraum der Seiberg-Witten-Gleichungen hängt somit von der Metrik ab, die wir auf 𝑀 gewählt haben. Wir werden daher die perturbierten Seiberg-Witten-Gleichungen

𝜕𝐴+𝜑=0Ω+𝐴=14𝜔𝜑+𝜂

benötigen. Dabei ist 𝜂 eine vorgegebene, selbstduale 2-Form. In den nächsten Abschnitten werden wir die Menge der Lösungen dieser Gleichungen bis auf Eichtransformation betrachten, also die Menge der Lösungen von Gl. (4.6), wobei wir Lösungen, die durch eine Eichtransformation ineinander überführt werden können, miteinander identifizieren. Dies ist der Modulraum der perturbierten Seiberg-Witten-Gleichungen, zu dem wir feststellen werden, dass dieser für fast alle selbstdualen 2-Formen, mit denen wir die Gleichung perturbieren, eine endlich-dimensionale Mannigfaltigkeit bildet. Das Ziel ist es, eine Formel für die Dimension dieser Mannigfaltigkeit in Abhängigkeit von topologischen Invarianten von 𝑀 aufzustellen, indem wir die Lösungsmenge von Gl. (4.6) als Nullstellenmenge der perturbierten Seiberg-Witten-Abbildung

𝒮︀𝒲︀𝜂:(𝜑,𝐴)↦(𝜕𝐴+𝜑Ω+𝐴−14𝜔𝜑+𝜂)

interpretieren.

4.4. Banach-Mannigfaltigkeiten und der Satz vom regulären Wert

In diesem Abschnitt möchten wir den Begriff einer Banach-Mannigfaltigkeit als unendlich-dimensionale Verallgemeinerung des Begriffs einer Mannigfaltigkeit sowie den Satz vom regulären Wert für Banach-Mannigfaltigkeiten einführen. Später werden wir den Satz vom regulären Wert auf die Seiberg-Witten-Abbildung anwenden.

Definition 4.4.1 Ein Banachraum ist ein normierter vollständiger Vektorraum über ℝ oder ℂ.

Definition 4.4.2 Sei 𝑋 ein topologischer Raum und 𝐸 ein Banachraum.

  1. Man nennt 𝑋 eine topologische Banach-Mannigfaltigkeit modeliert auf 𝐸 oder, wenn der Kontext klar ist, auch nur Banach-Mannigfaltigkeit, falls

    • 𝑋 ein Hausdorff-Raum ist und

    • um jedes 𝑥∈𝑋 eine offene Umgebung 𝑈 existiert und eine offene Menge 𝑈′⊂𝐵 sowie ein Homöomorphismus 𝜑:𝑈→𝑈′. Ein solches Tupel (𝑈,𝜙) nennen wir Karte um 𝑥∈𝑋.

  2. Ein 𝐶𝑘-Atlas auf 𝑋 mit 𝑘∈ℕ ist eine Menge an Karten (𝑈𝑖,𝜙𝑖), sodass die 𝑈𝑖 den Raum 𝑋 überdecken und die Kartenwechselabbildungen

    𝜑𝑗∘𝜑𝑖−1:𝜑𝑖(𝑈𝑖∩𝑈𝑗)→𝜑𝑗(𝑈𝑖∩𝑈𝑗)

    𝑘-mal stetig Fréchet-differenzierbar sind. Ein 𝐶∞-Atlas auf 𝑋 ist ein Atlas im obigen Sinne, sodass die Kartenwechselabbildungen für alle 𝑘∈ℕ 𝑘-mal Fréchet-differenzierbar sind.

  3. Eine𝐶𝑘-Banach-Mannigfaltigkeit modelliert auf 𝐸 mit 𝑘∈ℕ∪{∞} ist eine Banach-Mannigfaltigkeit modelliert auf 𝐸 zusammen mit einem 𝐶𝑘-Atlas. Wenn der Kontext klar ist, sagen wir auch nur 𝐶𝑘-Banach-Mannigfaltigkeit.

  4. Eine 𝐶𝑘-Struktur auf einer Banach-Mannigfaltigkeit 𝑋 mit 𝑘∈ℕ∪{∞} ist ein maximaler 𝐶𝑘-Atlas auf 𝑋. Eine glatte Banach-Mannigfaltigkeit ist eine Banach-Mannigfaltigkeit mit einer 𝐶∞-Struktur.

Beispiel 4.4.3

  1. Jeder Banach-Raum 𝐸 kann kanonisch als glatte Banach-Mannigfaltigkeit aufgefasst werden. Ein 𝐶∞-Atlas ist gegeben durch die Identität auf 𝐸.

  2. Mit der Teilraumtopologie bildet die Menge

    𝒢︀≔𝐻3(𝑀,𝑆1)≔{𝜎∈𝐻3(𝑀,ℂ)|für fast alle𝑥∈𝑀:𝜎(𝑥)∈𝑆1}⊂𝐻3(𝑀,ℂ)

    eine Banach-Mannigfaltigkeit modelliert auf dem reellen Banachraum 𝐻3(𝑀,𝑖ℝ). Um dies einzusehen, betrachten wir eine Umgebung 𝑈⊂𝑆1 um 1∈𝑆1, sodass ein glatter Logarithmus log:𝑈→𝑖ℝ existiert. Um alle 𝜎0∈𝒢︀ definieren wir dann die Menge

    𝒰︀𝜎0≔{𝜎∈𝒢︀|für fast alle𝑥∈𝑀:𝜎(𝑥)𝜎0−1(𝑥)∈𝑈}

    und die Abbildung

    𝜑𝜎0:𝒰︀𝜎0→𝐻3(𝑀,𝑖ℝ)𝜎↦log(𝜎𝜎0−1).

    Die Umkehrabbildung ist gegeben durch 𝜑𝜎0−1(𝑢)=exp(𝑢)𝜎0. Die Menge aller Paare (𝑈𝜎0,𝜑𝜎0) bildet sogar einen 𝐶∞-Atlas für 𝒢︀ mit dem 𝒢︀ eine glatte Banach-Mannigfaltigkeit wird.

Um später den Satz vom regulären Wert für Banach-Mannigfaltigkeiten einführen zu können, benötigen wir den Begriff einer glatten Abbildung zwischen Banach-Mannigfaltigkeiten und den einer glatt eingebetteten Untermannigfaltigkeit.

Definition 4.4.4 Seien 𝑋,𝑌 jeweils glatte Banach-Mannigfaltigkeiten. Wir nennen eine Abbildung 𝑓:𝑋→𝑌 𝑘-mal stetig differenzierbar, wenn für alle 𝑥∈𝑋 eine Karte 𝜑:𝑈→𝑈′ von 𝑋 um 𝑥 und eine Karte 𝜓:𝑉→𝑉′ von 𝑌 um 𝑓(𝑥) existiert, sodass die Darstellung von 𝑓 in diesen Karten

𝜓∘𝑓∘𝜑−1:𝜑(𝑈∩𝑓−1(𝑉))→𝑉′

𝑘-mal stetig Fréchet-differenzierbar ist. Die Menge solcher Abbildungen bezeichnen wir mit 𝐶𝑘(𝑋,𝑌). Wenn 𝑓 für alle 𝑘∈ℕ in 𝐶𝑘(𝑋,𝑌) ist, nennen wir 𝑓 glatt. Die Menge der glatten Abbildungen von 𝑋 nach 𝑌 bezeichnen wir mit 𝐶∞(𝑋,𝑌). Wenn 𝑓 glatt, bijektiv und 𝑓−1 glatt ist, nennen wir 𝑓 einen Diffeomorphismus.

Definition 4.4.5 Sei 𝐸 ein Banach-Raum, 𝑘∈ℕ∪{∞} und 𝑋 eine 𝐶𝑘-Banach-Mannigfaltigkeit modelliert auf 𝐸. Eine 𝐶𝑘-eingebettete Untermannigfaltigkeit von 𝑋 ist eine Teilmenge 𝑀⊂𝑋, sodass für alle 𝑝∈𝑀 eine Karte 𝜑𝑝:𝑈→𝑈′ von 𝑋 um 𝑝 und eine Zerlegung

𝐸=𝐵⊕𝐹

in zwei weitere Banach-Räume 𝐵,𝐹 existiert, sodass 𝜑𝑝(𝑈∩𝑀)=𝑈′∩(𝐵×{0}) gilt.

Definition 4.4.6 Sei 𝑋 eine glatte Banach-Mannigfaltigkeit.

  1. Ein Tangentialvektor an 𝑥∈𝑋 ist eine Derivation 𝐷 an 𝑥∈𝑋, d. h. eine ℝ-lineare Abbildung

    𝐷:𝐶∞(𝑋,ℝ)→ℝ

    mit

    𝐷(𝑓𝑔)=𝐷(𝑓)𝑔𝑥+𝑓𝑥𝐷(𝑔)für alle𝑓,𝑔∈𝐶∞(𝑋,ℝ).

    Der Tangentialraum 𝑇𝑥𝑋 an 𝑥∈𝑋 ist der reelle Vektorraum aller Derivationen an 𝑥.

  2. Wenn 𝑌 eine weitere glatte Banach-Mannigfaltigkeit, 𝑥∈𝑋 ein Punkt in 𝑋 und 𝑓∈𝐶∞(𝑋,𝑌) eine glatte Abbildung ist, dann definieren wir eine lineare Abbildung

    𝑑𝑓𝑥:𝑇𝑥𝑋→𝑇𝑓(𝑥)𝑌𝐷↦𝑑𝑓𝑥(𝐷)

    durch

    𝑑𝑓𝑥(𝐷)(𝑔)≔𝐷(𝑔∘𝑓)∈ℝfür alle𝑔∈𝐶∞(𝑌,ℝ).

Wir haben nun die nötigen Begriffe eingeführt, um den Satz vom regulären Wert für Abbildungen zwischen Banach-Mannigfaltigkeiten formulieren zu können.

Proposition 4.4.7 Sei 𝑓:𝑋→𝑌 eine glatte Abbildung zwischen glatten Banach-Mannigfaltigkeiten 𝑋,𝑌. Wenn 𝑦∈𝑌 ein regulärer Wert von 𝑓 ist, d. h. für alle 𝑥∈𝑓−1(𝑦) ist 𝑑𝑓𝑥 surjektiv, dann ist 𝑓−1(𝑦) eine glatt eingebettete Untermannigfaltigkeit von 𝑋.

Beweis: Siehe [Lan02].□

4.5. Fredholm-Abbildungen und der Indexsatz

Um den perturbierten Seiberg-Witten-Modulraum als eine endlich-dimensionale Mannigfaltigkeit interpretieren zu können, benötigen wir den Begriff eines Fredholm-Operators, des Fredholm-Index und den einer Fredholm-Abbildung zwischen glatten Banach-Mannigfaltigkeiten. Mit Hilfe eines Spezialfalls des Atiyah-Singer-Indexsatzes werden wir anschließend den Fredholm-Index des positiven Dirac-Operators und die Euler-Charakteristik eines zu einer Riemannschen 4-Mannigfaltigkeit gehörenden elliptischen Komplexes ausdrücken.

Definition 4.5.1

  1. Sei 𝕂∈{ℝ,ℂ} und 𝐸,𝐹 Banachräume über 𝕂. Ein beschränkter linearer Operator 𝑓:𝐸→𝐹 heißt Fredholm-Operator, wenn ker(𝑓)⊂𝐸 endlich-dimensional ist und im(𝑓)⊂𝐹 endliche Kodimension hat. Die Zahl

    ind𝕂(𝑓)≔dim𝕂ker(𝑓)−codim𝕂im(𝑓)

    heißt Fredholm-Index bzw. auch nur Index von 𝑓. Wenn der Grundkörper klar ist, schreiben wir auch nur ind(𝑓)≔ind𝕂(𝑓). Im Fall 𝕂=ℂ schreiben wir zusätzlich indℝ(𝑓)≔2 indℂ(𝑓).

  2. Eine glatte Abbildung 𝑓:𝑋→𝑌 zwischen glatten Banach-Mannigfaltigkeiten heißt Fredholm-Abbildung von Index 𝑛, wenn 𝑑𝑓𝑥 für alle 𝑥∈𝑋 ein Fredholm-Operator von Index 𝑛 ist.

Lemma 4.5.2 Seien 𝐸,𝐹 Banachräume und 𝑓:𝐸→𝐹 ein Fredholm-Operator. Dann gelten die folgenden Aussagen.

  1. Das Bild im(𝑓)⊂𝐹 ist abgeschlossen.

  2. Wenn 𝐸,𝐹 Hilberträume sind, dann ist auch der zu 𝑓 adjungierte Operator 𝑓∗:𝐹→𝐸 ein Fredholm-Operator und für den Index gilt

ind(𝑓∗)=−ind(𝑓).
Beweis: Die Abgeschlossenheit des Bildes eines Fredholm-Operators folgt aus der endlichen Kodimension des Bildes (siehe Kapitel 11, Korollar 2.3 in [GGK90]). Für eine beschränkte lineare Abbildung 𝑓:𝐸→𝐹 zwischen Hilberträumen 𝐸 und 𝐹 mit abgeschlossenem Bild im𝑓⊂𝐹 gilt im𝑓∗=(ker𝑓)⟂ und im𝑓=(ker𝑓∗)⟂ [GGK90]. Insbesondere folgt daraus für einen Fredholm-Operator ind(𝑓∗)=codim𝕂im(𝑓)−dim𝕂ker(𝑓)=−ind(𝑓).□

Mit dem Begriff einer Fredholm-Abbildung können wir den Satz vom regulären Wert für Abbildungen zwischen Banach-Mannigfaltigkeiten im Fall einer Fredholm-Abbildung weiter verschärfen. Dies ist das Hauptresultat, welches wir verwenden werden, um den Seiberg-Witten-Modulraum als endlich-dimensionale Mannigfaltigkeit interpretieren zu können.

Proposition 4.5.3 Seien 𝐸,𝐹 Banachräume über dem Körper 𝕂 mit 𝕂∈{ℝ,ℂ}. Seien außerdem 𝑋,𝑌 glatte Banach-Mannigfaltigkeiten modelliert auf 𝐸,𝐹 sowie 𝑓:𝑋→𝑌 eine Fredholm-Abbildung von Index 𝑛 und 𝑦∈𝑌 ein regulärer Wert von 𝑓 (definiert wie in Proposition 4.4.7). Im Fall 𝑛≥0 ist 𝑓−1(𝑦) eine endlich-dimensionale Mannigfaltigkeit der Dimension indℝ(𝑓). Im Fall 𝑛<0 gilt 𝑓−1(𝑦)=∅.

Beweis: Siehe [Lan02].□

Wir werden nun sehen, wie wir den Vektorräumen von Schnitten in einem Vektorbündel über einer kompakten, Riemannschen Mannigfaltigkeit durch die Wahl einer Bündelmetrik und eines Zusammenhangs eine Norm verleihen können. Ferner werden wir feststellen, dass sich lineare Differentialoperatoren auf den dabei entstehenden Banachräumen zu beschränkten linearen Operatoren fortsetzen lassen. Die Fälle in denen der ursprüngliche Operator elliptisch war, werden besondere Beispiele für Fredholm-Operatoren sein.

Definition 4.5.4 Sei (𝑀,𝑔) eine kompakte Riemannsche Mannigfaltigkeit, 𝐸 ein reelles oder komplexes Vektorbündel über 𝑀 sowie ∇:Γ(𝐸)→Γ(𝑇∗𝑀⊗𝐸) ein Zusammenhang und ⟨⋅,⋅⟩𝐸 eine Bündelmetrik auf 𝐸. Für 𝑥∈𝑀 und 𝜔∈(Λ𝑘𝑇∗𝑀⊗𝐸)𝑥 setzen wir

|𝜔|2≔∑1≤𝑗1<…<𝑗𝑘≤𝑛⟨𝜔(𝐸𝑗1,…,𝐸𝑗𝑘),𝜔(𝐸𝑗1,…,𝐸𝑗𝑘)⟩𝐸.

Dabei ist (𝐸1,…,𝐸𝑛) eine 𝑔-ONB von 𝑇𝑥𝑀. Für Vektorfelder 𝑋1,…,𝑋𝑘∈Γ(𝑇𝑀) schreiben wir

∇𝑘𝜑(𝑋1,…,𝑋𝑘)≔∇𝑋1…∇𝑋𝑘𝜑und∇0𝜑≔𝜑.

Dann definiert

Γ(𝐸)∋𝜑↦‖𝜑‖𝐻𝑘(𝐸)≔∑𝑗=0𝑘∫𝑀|∇𝑗𝜑|2dvol𝑔∈ℝ

für alle 𝑘∈ℕ0 eine Norm auf dem Vektorraum Γ(𝐸) der Schnitte in 𝐸. Den Abschluss von Γ(𝐸) unter der Norm ‖⋅‖𝐻𝑘(𝐸) bezeichnen wir als den (2,𝑘)-Sobolev-Raum

𝐻𝑘(𝐸).

Beispiel 4.5.5 Sei 𝕂∈{ℝ,ℂ} Wenn 𝐸=𝑀×𝕂 das triviale 𝕂-Vektorbündel ist, dann definiert

⟨(𝑥,𝑣),(𝑥,𝑤)⟩≔𝑣∗𝑤

eine Bündelmetrik auf 𝐸. Die resultierenden (2,𝑘)-Sobolev-Räume bezeichnen wir mit

𝐻𝑘(𝑀,𝕂).

Lemma 4.5.6 Sei (𝑀,𝑔) eine kompakte Riemannsche Mannigfaltigkeit, 𝕂∈{ℝ,ℂ} und 𝐸,𝐹 zwei 𝕂-Vektorbündel über 𝑀 auf denen jeweils hermitesche Bündelmetriken und Zusammenhänge gegeben sind. Ein linearer Differentialoperator 𝑃:Γ(𝐸)→Γ(𝐹) der Ordnung 𝑚 kann für alle 𝑘≥𝑚 zu einem beschränkten linearen Operator 𝑃:𝐻𝑘(𝐸)→𝐻𝑘−𝑚(𝐹) auf den dazugehörigen Sobolev-Räumen mit

𝑃([(𝑎)𝑖])≔lim𝑖→∞𝑃(𝑎𝑖)für alle Cauchy-Folgen(𝑎)𝑖in(Γ(𝐸),‖⋅‖|𝐻𝑘(𝐸))

fortgesetzt werden. Wenn 𝑃 zusätzlich ein elliptischer Operator ist, dann ist die Fortsetzung ein Fredholm-Operator, dessen Index unabhängig von 𝑘 ist, nur vom Hauptsymbol von 𝑃 abhängt und für den gilt:

ind(𝑃:𝐻𝑘(𝐸)→𝐻𝑘−𝑚(𝐹))=dim𝕂ker(𝑃:Γ(𝐸)→Γ(𝐹))−codim𝕂im(𝑃:Γ(𝐸)→Γ(𝐹)).

Beweis: Siehe Kapitel 3, Proposition 2.1, Theorem 5.2, Korollar 5.3 und Theorem 13.2 in [LM89].

Wir möchten nun eine Beziehung zwischen elliptischen Komplexen (siehe Definition 4.2.1) und Fredholm-Operatoren herstellen. Dazu führen wir die sogenannte Euler-Charakteristik eines elliptischen Komplexes ein, welche gemäß des folgenden Satzes wohldefiniert ist.

Satz 4.5.7 Die Homologiegruppen eines elliptischen Komplexes über einer kompakten Mannigfaltigkeit sind endlich-dimensional.

Beweis: Siehe [AB67].

Definition 4.5.8 Sei 𝐸 ein elliptischer Komplex über einer kompakten Mannigfaltigkeit mit Homologiegruppen 𝐻𝑖(𝐸) für alle 0≤𝑖≤𝑛. Sei 𝕂∈{ℝ,ℂ} der Körper, über dem die jeweiligen Vektorbündel des Komplexes definiert sind. Dann nennen wir

𝜒𝕂(𝐸)≔∑𝑖=0𝑛(−1)𝑖dim𝕂𝐻𝑖(𝐸)

die Euler-Charakteristik von 𝐸. Im Fall 𝕂=ℂ schreiben wir auch 𝜒ℝ(𝐸)≔2𝜒ℂ(𝐸) und, wenn der Kontext klar ist, auch nur 𝜒(𝐸)≔𝜒𝕂(𝐸).

Im einfachsten Fall lässt sich der Index eines elliptischen Operators wie folgt mit der Euler-Charakteristik in Beziehung setzen.

Bemerkung 4.5.9 Sei (𝑀,𝑔) eine kompakte, Riemannsche Mannigfaltigkeit, 𝕂∈{ℝ,ℂ}, 𝐸,𝐹 zwei 𝕂-Vektorbündel über 𝑀 und 𝑃:Γ(𝐸)→Γ(𝐹) ein elliptischer linearer Differentialoperator 𝑚-ter Ordnung über 𝑀. Wenn 𝐸 der elliptische Komplex

0→Γ(𝐸)→𝑃Γ(𝐹)→0

ist, dann gilt

ind(𝑃:𝐻𝑘(𝐸)→𝐻𝑘−𝑚(𝐸))=𝜒𝕂(𝐸).

Auch für einen allgemeinen elliptischen Komplex existiert ein elliptischer Differentialoperator, dessen Index der Euler-Charakteristik des Komplexes entspricht.

Proposition 4.5.10 Sei (𝑀,𝑔) eine kompakte Riemannsche Mannigfaltigkeit, 𝐸 ein elliptischer Komplex über 𝑀 und 𝜒(𝐸) seine Euler-Charakteristik. Seien auf den dazugehörigen reellen oder komplexen Vektorbündeln 𝐸0,…,𝐸2𝑛+1 jeweils Bündelmetriken gegeben, sodass die formalen Adjungierten 𝑑0∗,…,𝑑2𝑛∗ zu den linearen Differentialoperatoren 𝑑0,…,𝑑2𝑛 des Komplexes definiert werden können. Dann ist der Operator

𝐷:Γ(⨁𝑖=0𝑛𝐸2𝑖)→Γ(⨁𝑖=0𝑛𝐸2𝑖+1)(𝑢0,𝑢2,…)↦(𝑑0𝑢0+𝑑1∗𝑢2,𝑑2𝑢2+𝑑3∗𝑢4,…)

ein elliptischer Operator und für den Index der Fortsetzung dieses Operators zu einem Fredholm-Operator auf den respektiven Sobolev-Räumen gilt

ind(𝐷)=𝜒(𝐸).

Beweis: Siehe §7 in [AS68a].

Der erste Baustein, aus dem wir die Dimension des Seiberg-Witten-Modulraums zusammensetzen werden, ist die Euler-Charakteristik des folgenden Komplexes.

Beispiel 4.5.11 Sei (𝑀,𝑔) eine kompakte Riemannsche 4-Mannigfaltigkeit, 𝑏+(𝑀) die positive Betti-Zahl wie in Definition 4.2.6, pr+:Ω2(𝑀,𝑖ℝ)→Ω+2(𝑀,𝑖ℝ) die Projektion auf den selbstdualen Anteil in Ω2(𝑀,𝑖ℝ) und 𝑑+≔pr+∘𝑑. Wenn 𝐸 der elliptische Komplex

0→Ω0(𝑀,𝑖ℝ)→𝑑Ω1(𝑀,𝑖ℝ)→𝑑+Ω+2(𝑀,𝑖ℝ)→0

ist, dann gilt für die Euler-Charakteristik von 𝐸

𝜒ℝ(𝐸)=𝑏0(𝑀)−𝑏1(𝑀)+𝑏+(𝑀).

Um dies einzusehen, betrachten wir ein Element 𝜔∈Ω+2(𝑀,𝑖ℝ), welches orthogonal zum Bild von 𝑑+ sei. Dann gilt 𝛿𝜔=0 und somit, da 𝜔 selbstdual ist, auch 𝑑𝜔=0 und daher 𝜔∈ℋ︀+2(𝑀,𝑖ℝ). Ist andersherum 𝜔∈ℋ︀+2(𝑀,𝑖ℝ), folgt aus 𝛿𝜔=0 sofort, dass 𝜔 im orthogonalen Komplement vom Bild von 𝑑+ liegt. Sei nun 𝜔∈Ω1(𝑀,𝑖ℝ) orthogonal zum Bild von 𝑑 und im Kern von 𝑑+. Dann gilt auch 𝛿𝜔=0. Außerdem gilt

2𝑑+𝜔=𝑑𝜔+⋆𝑑𝜔=0.

Somit gilt

∆𝜔=(𝛿∘𝑑+𝑑∘𝛿)𝜔=𝛿𝑑𝜔=⋆𝑑⋆𝑑𝜔=−⋆𝑑𝑑𝜔=0.

Gilt andersherum 𝜔∈ℋ︀1(𝑀), so folgt aus 𝛿𝜔=0 und 𝑑𝜔=0, dass 𝜔 im orthogonalen Komplement zum Bild von 𝑑 und im Kern von 𝑑+ liegt. Insgesamt gilt für die Homologie-Gruppen von 𝐸

𝐻0(𝐸)=𝐻dR0(𝑀),𝐻1(𝐸)=ℋ︀1(𝑀)≅𝐻dR1(𝑀),𝐻2(𝐸)=ℋ︀+2(𝑀).

Somit ist der Operator

𝑑⊕(𝑑+)∗:Ω0(𝑀,𝑖ℝ)⊕Ω+2(𝑀,𝑖ℝ)→Ω1(𝑀,𝑖ℝ)

gemäß Proposition 4.5.10 ein elliptischer Operator und für den Index der Fortsetzung dieses Operators zu einem Fredholm-Operator auf den respektiven Sobolev-Räumen gilt

indℝ(𝑑⊕(𝑑+)∗)=𝑏0(𝑀)−𝑏1(𝑀)+𝑏+(𝑀).

Korollar 4.5.12 Gemäß Lemma 4.5.2 ist auch der Operator

𝛿⊕𝑑+:Ω1(𝑀,𝑖ℝ)→Ω0(𝑀,𝑖ℝ)⊕Ω+2(𝑀,𝑖ℝ)

ein elliptischer Operator und für den Index der Fortsetzung dieses Operators zu einem Fredholm-Operator auf den respektiven Sobolev-Räumen gilt

indℝ(𝛿⊕𝑑+)=−𝑏0(𝑀)+𝑏1(𝑀)−𝑏+(𝑀).

Wir erhalten außerdem das folgende Korollar, das wir zur Vermeidung reduzibler Lösungen der Seiberg-Witten-Gleichungen benötigen.

Korollar 4.5.13 Sei (𝑀,𝑔) eine kompakte, Riemannsche 4-Mannigfaltigkeit, 𝑃 ein 𝑆1-HFB über 𝑀 und 𝐴0 eine beliebige Zusammenhangsform auf 𝑃. Dann spannt die Menge

{Ω+𝐴≔pr+Ω𝐴∈Ω+2(𝑀,𝑖ℝ)|𝐴Zusammenhangsform auf𝑃}⊂Ω+2(𝑀,𝑖ℝ)={Ω+𝐴0+𝑑+𝑎|𝑎∈Ω1(𝑀,𝑖ℝ)}.

einen affinen Unterraum von Ω+2(𝑀,𝑖ℝ) der Kodimension 𝑏+(𝑀) auf.

Beweis: Die gesuchte Kodimension ist dimℝ𝐻2(𝐸)=𝑏+(𝑀), wobei 𝐸 der Komplex aus Beispiel 4.5.11 ist.

Als zweiten Baustein der Dimensionsberechnung benötigen wir den Index des positiven Dirac-Operators einer Spinℂ-Struktur zu dessen Angabe mit Hilfe eines Spezialfalles des Atiyah-Singer-Indexsatzes wir den Begriff einer multiplikativen Sequenz einführen müssen.

Definition 4.5.14 Sei 𝑄(𝑥)=1+𝑎1𝑥+𝑎2𝑥2+… eine formale Potenzreihe mit rationalen Koeffizienten und 𝑎0=1. Dann ist der Ausdruck

∏𝑖=1𝑛𝑄(𝑥𝑖)=1+∑𝑘∈ℕ𝐹𝑘(𝜎1(𝑥1,…,𝑥𝑛),…,𝜎𝑘(𝑥1,…,𝑥𝑛))

offenbar symmetrisch in den formalen Variablen 𝑥1,…,𝑥𝑛 und kann daher durch elementarsymmetrische Polynome

𝜎𝑘(𝑥1,…,𝑥𝑛)≔{∑1≤𝑗1<…<𝑗𝑘≤𝑛𝑥𝑗1⋅…⋅𝑥𝑗𝑘𝑘≤𝑛0sonst

und gewichtet homogene Funktionen

𝐹𝑘(𝑡𝜎1,…,𝑡𝑘𝜎𝑘)=𝑡𝑘𝐹𝑘(𝜎1,…,𝜎𝑘)

ausgedrückt werden. Die Folge (𝐹𝑘) heißt multiplikative Sequenz assoziiert zu 𝑄(𝑥).

Definition 4.5.15 Sei (𝐹𝑘) die zu einer formalen Potenzreihe 𝑄(𝑥) mit Koeffizienten in ℚ assoziierte multiplikative Sequenz. Sei außerdem

𝐵=𝐵0⊕𝐵1⊕𝐵2⊕…mit𝐵𝑖⋅𝐵𝑗⊂𝐵𝑖⋅𝑗

eine kommutative, unitäre Algebra über ℚ und 𝐵^ die Menge der formalen Summen

1+𝑏1+𝑏2+…∈𝐵^

mit 𝑏𝑖∈𝐵𝑖 für alle 𝑖∈ℕ (zum Beispiel 𝐵=𝐻dRgerade(𝑀,ℂ)). Dann definieren wir bezüglich der zu 𝑄(𝑥) assoziierten multiplikativen Sequenz (𝐹𝑘) eine Abbildung 𝑭:𝐵^→𝐵^, die eine formale Summe 𝑏=1+𝑏1+𝑏2+… abbildet auf

𝑭(𝑏)≔1+𝐹1(𝑏1)+𝐹2(𝑏1,𝑏2)+…∈𝐵^.

Beispiel 4.5.16 Wir betrachten die Potenzreihe

𝑎̂(𝑥)=𝑥/2sinh(𝑥/2)=1−124𝑥+727⋅32⋅5𝑥2+…

Die ersten Terme der zu 𝑎̂(𝑥) assoziierten multiplikativen Sequenz sind gegeben durch

𝑎̂(𝑥1)⋅𝑎̂(𝑥2)=(1−124𝑥1+727⋅32⋅5𝑥12+…)(1−124𝑥2+727⋅32⋅5𝑥22+…)=1−124(𝑥1+𝑥2)+1(24)2𝑥1⋅𝑥2+727⋅32⋅5(𝑥12+𝑥22)+…=1−124𝜎1(𝑥1,𝑥2)⏟𝐹1(𝜎1(𝑥1,𝑥2))+127⋅32⋅5(−4𝜎2(𝑥1,𝑥2)+7(𝜎1(𝑥1,𝑥2))2)⏟𝐹2(𝜎1(𝑥1,𝑥2),𝜎2(𝑥1,𝑥2))+…

Wenn zusätzlich 𝐸 ein reelles Vektorbündel über einer Mannigfaltigkeit 𝑀 ist, dann heißt das Bild der totalen Pontrjagin-Klasse 𝑝(𝐸)=1+𝑝1(𝐸)+𝑝2(𝐸)+… (siehe Definition 2.7.8) bezüglich dieser multiplikativen Sequenz die totale 𝐴̂-Klasse von 𝐸:

𝐴̂(𝐸)≔1−124𝑝1(𝐸)+127⋅32⋅5(−4𝑝2(𝐸)+7𝑝1(𝐸)∧𝑝1(𝐸))+…

Proposition 4.5.17 Sei 𝑀 eine kompakte, Riemannsche Mannigfaltigkeit gerader Dimension mit einer Spinℂ-Struktur, 𝑃1 das zugehörige Determinantenlinienbündel, 𝐴 eine Zusammenhangsform auf 𝑃1, 𝑐1(𝑃1)∈ΩdR2(𝑀,ℂ) die erste Chern-Klasse von 𝑃1 (siehe Definition 2.7.7) und 𝐴̂(𝑇𝑀) die 𝐴̂-Klasse von 𝑇𝑀 wie in Beispiel 4.5.16. Dann ist der zu 𝐴 gehörige positive Dirac-Operator 𝜕𝐴+:𝑆+→𝑆− ein elliptischer Operator und für den Index der Fortsetzung 𝜕𝐴+:𝐻𝑘(𝑆+)→𝐻𝑘−1(𝑆−) zu einem Fredholm-Operator auf den respektiven Sobolev-Räumen gilt

indℂ(𝜕𝐴+)=∫𝑀[𝑒12𝑐1(𝑃1)∧𝐴̂(𝑇𝑀)]dim(𝑀).

Dabei ist der Integrand der Anteil der formalen Potenzreihe

𝑒12𝑐1(𝑃1)∧𝐴̂(𝑇𝑀)=(1+12𝑐1(𝑃1)+18𝑐1(𝑃1)∧𝑐1(𝑃1)+…)∧(1−124𝑝1(𝑇𝑀)+…),

welcher in 𝐻dRdim(𝑀)(𝑀,ℂ) liegt.

Beweis: Siehe [LM89].

Wir können diese Formel mit Hilfe des folgenden Resultats weiter vereinfachen.

Satz 4.5.18 Für die Signatur einer kompakten, orientierten, Riemannschen 4-Mannigfaltigkeit gilt

𝜎(𝑀)=∫𝑀13 𝑝1(𝑇𝑀).

Beweis: Siehe [Hir71].

Satz 4.5.18 ist ein Spezialfall des Hirzebruch-Riemann-Roch-Theorems [Hir56, Hir54], welches selbst ein Vorläufer und ein Spezialfall des Atiyah-Singer-Indexsatzes ist. Dieser wurde in einer Serie von Arbeiten [AS68b, AS63, AS68a, AS68c, AS71a, AS71b] von M. Atiyah und I. Singer entwickelt. Mit Hilfe von Satz 4.5.18 können wir den Index des positiven Dirac-Operators nun wie folgt schreiben.

Korollar 4.5.19 Wenn 𝑀 vierdimensional ist, dann gilt für den Index des positiven Dirac-Operators

indℂ(𝜕𝐴+)=18∫𝑀𝑐1(𝑃1)∧𝑐1(𝑃1)−124∫𝑀𝑝1(𝑇𝑀).

Wenn 𝑐12(𝑃1)[𝑀] die Auswertung von 𝑐12(𝑃1) auf 𝑀 ist, erhalten wir mittels Satz 4.5.18 ferner

indℂ(𝜕𝐴+)=18(𝑐12(𝑃1)[𝑀]−𝜎(𝑀)).

Bemerkung 4.5.20 Falls 𝑀 eine Spin-Struktur besitzt (d. h. 𝑐1(𝑃1)=0), dann ist die Signatur 𝜎(𝑀) durch 8 teilbar.

4.6. Das Definitionsgebiet der Seiberg-Witten-Abbildung

Sei (𝑀,𝑔) eine kompakte, Riemannsche 4-Mannigfaltigkeit mit einer Spinℂ-Struktur und 𝐴0∈Ω1(𝑃1,𝔤) eine beliebige Zusammenhangsform auf dem zur Spinℂ-Struktur gehörigen Determinantenlinienbündel 𝑃1.

Bei der Betrachtung der Lösungen der Seiberg-Witten-Gleichungen wäre es naheliegend, glatte Spinorfelder und Zusammenhänge zu betrachten. Um jedoch den Satz vom regulären Wert anwenden zu können, müssen wir auf dem komplexen Vektorraum der Schnitte im Spinorbündel und dem affinen Raum der Zusammenhänge auf dem zur Spinℂ-Struktur gehörigen Determinantenlinienbündel geeignete Sobolev-Vervollständigungen wie in Definition 4.5.4 betrachten. Die Lösungsmenge wird sich dabei nicht verändern und aus glatten Schnitten bestehen [Mor96].

Satz 4.6.1 Seien 𝐸,𝐹 komplexe oder reelle Vektorbündel über 𝑀 auf denen jeweils Bündelmetriken und Zusammenhänge gegeben sind, sodass wir die respektiven Sobolev-Vervollständigungen 𝐻𝑘(𝐸),𝐻𝑘(𝐹) betrachten können. Sei 𝑃:Γ(𝐸)→Γ(𝐹) ein linearer Differentialoperator 𝑚-ter Ordnung und 𝑃:𝐻𝑘(𝐸)→𝐻𝑘−𝑚(𝐸) seine Fortsetzung zu einem Operator auf den jeweiligen Sobolev-Räumen wie in Lemma 4.5.6. Wenn 𝑢∈𝐻𝑘(𝐸) eine Lösung der Gleichung 𝑃𝑢=0 ist, dann gilt 𝑢∈Γ(𝐸).

Beweis: Siehe [Eva10].

Definition 4.6.2

  1. Die Seiberg-Witten-Abbildung ist die Abbildung

    𝒮︀𝒲︀:𝐻2(𝑆+⊕𝑇∗𝑀)→𝐻1(𝑆−⊕(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ))(𝜑,𝑎)↦(𝜕𝐴0+𝜑+𝑎⋅𝜑Ω+𝐴0+(𝑑𝑎)+−𝜔𝜑).

    Das Definitionsgebiet dieser Abbildung, welches wir als den Konfigurationsraum (der Seiberg-Witten-Gleichungen) bezeichnen, ist ein Banachraum, somit gemäß Beispiel 4.4.3 eine glatte Banach-Mannigfaltigkeit und wir kürzen wie folgt ab

    𝒜︀≔𝐻2(𝑆+⊕𝑇∗𝑀).
  2. Wir betrachten außerdem eine Eichwirkung der Gruppe 𝒢︀≔𝐻3(𝑀,𝑆1)⊂𝐻3(𝑀,ℂ) auf dem Definitionsgebiet 𝒜︀ von 𝒮︀𝒲︀ von rechts durch

    𝒜︀×𝒢︀→𝒜︀(𝜑,𝑎,𝜎)↦(𝜑,𝑎)⋅𝜎≔(𝜎−1𝜑,𝑎+2𝜎−1𝑑𝜎).

    Den Quotienten bezüglich dieser Wirkung bezeichnen wir mit

    ℬ︀≔𝒜︀/𝒢︀.

Proposition 4.6.3 Wenn (𝜑,𝑎)∈𝒜︀ eine Lösung von Gl. (4.6) und 𝜎∈𝒢︀ eine Eichtransformation ist, dann ist auch (𝜑,𝑎)⋅𝜎 eine Lösung von Gl. (4.6).

Beweis: Sei 𝜋:𝑃1→𝑀 die Projektion in 𝑃1, 𝐴≔𝐴0+𝜋∗𝑎 und 𝐴′=𝐴+𝜋∗(2𝜎−1𝑑𝜎). Sei außerdem ∇ der Zusammenhang auf Ω0(𝑀,𝑖ℝ) definiert durch ∇𝑋𝑠≔𝑋(𝑠) für alle 𝑠∈Ω0(𝑀,𝑖ℝ). Dann gilt mit Definition 3.4.13 und Korollar 3.5.13:

𝜕𝐴′+(𝜎−1𝜑)=𝜕𝐴+(𝜎−1𝜑)+12(2𝜎−1𝑑𝜎)⋅(𝜎−1𝜑)=∇(𝜎−1)⋅𝜑+𝜎−1𝜕𝐴+𝜑+𝜎−2𝑑𝜎⋅𝜑=−𝜎−2𝑑𝜎⋅𝜑+𝜎−1𝜕𝐴+𝜑+𝜎−2𝑑𝜎⋅𝜑=𝜎−1𝜕𝐴+𝜑.

Gemäß Bemerkung 2.6.7 ist die lokale Krümmungsform außerdem invariant unter Eichtransformationen und da 𝜎 Werte im Einheitskreis annimmt, gilt 𝜔𝜎−1𝜑=𝜔𝜑. Somit ist insgesamt (𝜑,𝑎)⋅𝜎 eine Lösung von Gl. (4.6).□

Definition 4.6.4 Sei ℬ︀=𝒜︀/𝒢︀ der Quotient wie in Definition 4.6.2. Der Modulraum der Seiberg-Witten-Gleichungen ist

Der Modulraum der perturbierten Seiberg-Witten-Gleichungen ist

Dabei ist 𝜂∈𝐻2(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) eine feste selbstduale 2-Form.

Um zu zeigen, dass ℳ︀𝑃1,𝜂 für fast alle 𝜂 eine endlich-dimensionale Mannigfaltigkeit ist, gehen wir in zwei Schritten vor. Zuerst werden wir in einem zweiten Fall, in dem wir nur die Wirkung einer reduzierten Eichgruppe betrachten, feststellen, dass die Menge der Lösungen der perturbierten Gleichungen eine Mannigfaltigkeit bildet, um im zweiten Schritt auf die Dimension von ℳ︀𝑃1,𝜂 schließen zu können.

Definition 4.6.5

  1. Sei 𝑥0∈𝑀 ein beliebiger Punkt in 𝑀. Die reduzierte Eichgruppe ist

    𝒢︀0≔{𝜎∈𝒢︀|𝜎(𝑥0)=1}⊂𝒢︀.
  2. Den Quotienten bezüglich der Einschränkung der Eichwirkung auf diese Gruppe bezeichnen wir mit

    ℬ︀0≔𝒜︀/𝒢︀0.
  3. Wir definieren

    ℳ︀𝑃1,𝜂,0≔{(𝑎,𝜑)∈ℬ︀0|(𝑎,𝜑)erfülltGl. (4.6)}⊂ℬ︀0.

Bemerkung 4.6.6 Der Modulraum der perturbierten Seiberg-Witten-Gleichungen ℳ︀𝑃1,𝜂 ergibt sich als Quotient

ℳ︀𝑃1,𝜂=ℳ︀𝑃1,𝜂,0/𝑆1,

wobei 𝑆1⊂𝒢︀0 die Lie-Gruppe der konstanten Eichtransformationen ist.

Um die Wirkung der reduzierten Eichgruppe auf den Konfigurationsraum besser verstehen zu können, werden wir annehmen, dass für jede Eichtransformation eine globale Hebung existiert. Die Existenz einer solchen Hebung wird durch den folgenden Satz beschrieben.

Satz 4.6.7 Sei 𝑝:𝐵→𝐴 eine Überlagerung topologischer Räume, 𝑋 ein wegzusammenhängender und lokal wegzusammenhängender topologischer Raum und 𝑓:𝑋→𝐴 eine stetige Abbildung. Dann existiert genau dann eine Hebung 𝑓̃:𝑋→𝐵 (von 𝑓) mit 𝑝∘𝑓̃=𝑓, wenn

𝑓∗𝜋1(𝑋)⊂𝑝∗𝜋1(𝐵)

gilt.

Beweis: Siehe Proposition 1.33 in [Hat02].

Korollar 4.6.8 Wenn 𝑀 einfach zusammenhängend ist (d. h. 𝜋1(𝑀)={𝑒}), existiert für alle Eichtransformationen 𝜎∈𝒢︀ eine Hebung zu einer Abbildung 𝑢:𝑀→𝑖ℝ mit 𝜎=exp∘𝑢.

Proposition 4.6.9 Sei 𝑀 einfach zusammenhängend und 𝒢︀0 die reduzierte Eichgruppe zu einem beliebigen Punkt 𝑥0∈𝑀. Dann besitzt die Eichwirkung von 𝒢︀0 einen globalen Schnitt, d. h. die Abbildung

𝜙:{(𝜑,𝑎)∈𝒜︀|𝛿𝑎=0}×𝒢︀0→𝒜︀(𝜑,𝐴,𝜎)↦(𝜑,𝐴)⋅𝜎

ist ein Diffeomorphismus. Insbesondere ist ℬ︀0=𝒜︀/𝒢︀0 eine glatte Banach-Mannigfaltigkeit, die global diffeomorph ist zu dem Banachraum

{(𝜑,𝑎)∈𝒜︀|𝛿𝑎=0}⊂𝒜︀.

Beweis: Wir zeigen zuerst die Surjektivität. Sei dazu (𝑎′,𝜑′)∈𝒜︀ ein beliebiges Element in 𝒜︀. Wir suchen eine 1-Form 𝑎∈𝐻2(𝑀,𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) mit 𝛿𝑎=0 und gemäß Korollar 4.6.8 eine Eichtransformation gegeben durch eine Funktion 𝑢∈𝐻3(𝑀,𝑖ℝ), sodass gilt

𝑎+𝑑𝑢=𝑎′⇔𝑎=𝑎′−𝑑𝑢.

Wir setzen 𝑎(𝑢)≔𝑎′−𝑑𝑢 und suchen 𝑢∈𝐻3(𝑀,𝑖ℝ), sodass gilt

𝛿(𝑑𝑢)=∆𝑢=𝛿𝑎′.

Dies ist genau die Poisson-Gleichung, deren Lösbarkeit wir in Lemma 4.2.7 festgestellt haben. Die Surjektivität folgt daraus, dass wir auf 𝑢 eine konstante Funktion addieren können, sodass 𝑢(𝑥0)=0 gilt. Um die Injektivität zu zeigen, wählen wir 𝑎,𝑎′∈𝐻2(𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) mit 𝛿𝑎=𝛿𝑎′=0 und 𝑢,𝑢′∈𝐻3(𝑀,𝑖ℝ), sodass gilt

𝑎+𝑑𝑢=𝑎′+𝑑𝑢′⇒𝑎−𝑎′=𝑑(𝑢′−𝑢).

Somit gilt

∫𝑀⟨𝑎−𝑎′,𝑎−𝑎′⟩dvol𝑔=∫𝑀⟨𝑑(𝑢′−𝑢),𝑎−𝑎′⟩dvol𝑔=∫𝑀⟨𝑢−𝑢′,𝛿(𝑎−𝑎′)⟩dvol𝑔=0

und daher 𝑎=𝑎′ und 𝑑𝑢=𝑑𝑢′, was die Injektivität zeigt. Für das Differential von 𝜙 gilt

(𝐷𝜙)(𝜑,𝐴,𝑢)(𝜑′𝐴′𝑢′)=(exp(−𝑢)0−exp(−𝑢)𝜑012𝑑)(𝜑′𝐴′𝑢′)=(exp(−𝑢)𝜑′−exp(−𝑢)𝜑𝑢′𝐴′+2𝑑𝑢′)

Aus diesem Ausdruck und der Bijektivität von 𝜙 folgt, dass (𝐷𝜙)(𝜑,𝐴,𝑢) bijektiv ist. Somit ist 𝜙 als bijektiver lokaler Diffeomorphismus ein Diffeomorphismus. Um einzusehen, dass ℬ︀0 ein Hausdorff-Raum ist, betrachten wir zwei Punkte 𝑏1,𝑏2∈ℬ︀0 und Urbilder unter der Projektionsabbildung (𝜑1,𝑎1),(𝜑2,𝑎2)∈𝒜︀ mit 𝛿𝑎1=𝛿𝑎2=0. Da {(𝜑,𝑎)∈𝒜︀|𝛿𝑎=0} ein Hausdorff-Raum ist, existieren disjunkte offene Umgebungen 𝑈1,𝑈2 um 𝑎1 bzw. 𝑎2 mit 𝑈1∩𝑈2=∅. Dann sind 𝜋(𝑈1×𝒢︀0), 𝜋(𝑈2×𝒢︀0)⊂ℬ︀0 disjunkte, offene Umgebungen um 𝑏1,𝑏2∈ℬ︀0 mit leerem Schnitt und somit ist ℬ︀0 ein Hausdorff-Raum. Da 𝜙 ein Diffeomorphismus ist, ist 𝜋:𝒜︀→ℬ︀0 eingeschränkt auf {(𝜑,𝑎)∈𝒜︀|𝛿𝑎=0} ein Homöomorphismus und somit bildet

(ℬ︀0,𝜋|{(𝜑,𝑎)∈𝒜︀|𝛿𝑎=0}−1)

eine globale Karte für ℬ︀0.□

4.7. Der Modulraum der Seiberg-Witten-Gleichungen

Sei (𝑀,𝑔) eine einfach zusammenhängende, kompakte, Riemannsche 4-Mannigfaltigkeit mit einer Spinℂ-Struktur und 𝐴0∈Ω1(𝑃1,𝔤) eine beliebige Zusammenhangsform auf dem zur Spinℂ-Struktur gehörigen Determinantenlinienbündel 𝑃1.

Wir sind nun in der Lage, die Dimension des Seiberg-Witten-Modulraums mit Hilfe des Satzes vom regulären Wert zu berechnen. Dabei nutzen wir einen auf [Sma65] zurückgehenden Fakt, welcher ursprünglich für Abbildungen im ℝ𝑛 [Sar42] formuliert wurde. Die ursprüngliche Aussage für Abbildungen im ℝ𝑛 lautet wie folgt.

Theorem 4.7.1 Sei 𝑈 eine offene Teilmenge von ℝ𝑛 und 𝑓:𝑈→ℝ𝑚 eine Abbildung, die 𝑘-mal differenzierbar ist mit 𝑘>max(𝑛−𝑚,0). Dann hat die Menge der Punkte 𝑦∈ℝ𝑚, die keine regulären Werte sind, Lebesgue-Maß 0.

Beweis: Siehe [Sar42].

Um das Analogon im Kontext von Abbildungen zwischen Banach-Mannigfaltigkeiten formulieren zu können, benötigen wir den folgenden Begriff, welcher ein Analogon der Mengen mit Lebesgue-Maß 0 ist.

Definition 4.7.2 Sei 𝑋 ein topologischer Raum. Eine Teilmenge 𝑈⊂𝑋 heißt mager (in 𝑋), wenn 𝑈 eine abzählbare Vereinigung von Mengen ist, die in keiner offenen, nicht-leeren Menge dicht sind. Ein Komplement einer mageren Menge heißt fett. Elemente in einer fetten Menge nennen wir auch generisch.

In gewisser Weise sind Mengen, die mager in einem Raum sind, „klein“, da sie „kleine“ Vereinigungen „kleiner“ Teilmengen sind. Im Kontext von Abbildungen zwischen Banach-Mannigfaltigkeiten kann nun das folgende Analogon zu Theorem 4.7.1 gefunden werden.

Theorem 4.7.3 Seien 𝑋,𝑌 glatte Banach-Mannigfaltigkeiten und 𝑓∈𝐶𝑘(𝑋,𝑌) eine Fredholm-Abbildung mit 𝑘>max(ind(𝑓),0). Dann ist die Menge der Punkte in 𝑌, die keine regulären Werte sind, mager. Die Menge der regulären Werte in 𝑌 ist fett. Wir sagen daher, dass 𝑓−1(𝑦) für fast alle 𝑦∈𝑌 eine glatt eingebettete Untermannigfaltigkeit von 𝑋 ist.

Beweis: Siehe [Sma65].

Das Differential der Seiberg-Witten-Abbildung ergibt sich wie folgt.

Lemma 4.7.4 Sei 𝜕𝐴0+:𝐻2(𝑆+)→𝐻1(𝑆−) der zu 𝐴0 gehörige positive Dirac-Operator, Ω+𝐴0∈Ω+2(𝑀,𝑖ℝ) der selbstduale Anteil der lokalen Krümmungsform zu 𝐴0 sowie 𝜔𝜑 die 2-Form wie in Gl. (4.5). Sei außerdem 𝒜︀≔𝐻2(𝑆−⊕(𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ)). Dann ist das Differential der Seiberg-Witten-Abbildung

𝒮︀𝒲︀:𝒜︀→𝐻1(𝑆−⊕(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ))(𝜑,𝑎)↦(𝜕𝐴0+𝜑+12𝑎⋅𝜑Ω+𝐴0+𝑑+𝑎−𝜔𝜑)

an einer Stelle (𝜑,𝑎)∈𝒜︀ gegeben durch

(𝐷𝒮︀𝒲︀)(𝜑,𝑎)(𝜑′𝑎′)=(𝜕𝐴0+𝜑′+12𝑎⋅𝜑′+12𝑎′⋅𝜑𝑑+𝑎′−𝜔𝜑,𝜑′).

Dabei ist 𝜔𝜑,𝜑′∈𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) gegeben durch

𝜔𝜑,𝜑′(𝑋,𝑌)≔⟨𝑋⋅𝑌⋅𝜑,𝜑′⟩−⟨𝑋⋅𝑌⋅𝜑,𝜑′⟩+𝑔(𝑋,𝑌)(⟨𝜑,𝜑′⟩−⟨𝜑,𝜑′⟩).

Beweis: Wir betrachten in 𝒜︀ die Kurve

𝛾:ℝ∋𝑡↦(𝜑+𝑡𝜑′,𝑎+𝑡𝑎′)∈𝒜︀.

Es gilt

dd𝑡|𝑡=0𝜔𝜑+𝑡𝜑′(𝑋,𝑌)=dd𝑡|𝑡=0⟨𝑋⋅𝑌⋅(𝜑+𝑡𝜑′),𝜑+𝑡𝜑′⟩+𝑔(𝑋,𝑌)|𝜑+𝑡𝜑′|2=⟨𝑋⋅𝑌⋅𝜑,𝜑′⟩+⟨𝑋⋅𝑌⋅𝜑′,𝜑⟩+𝑔(𝑋,𝑌)⟨𝜑,𝜑′⟩+𝑔(𝑋,𝑌)⟨𝜑′,𝜑⟩=⟨𝑋⋅𝑌⋅𝜑,𝜑′⟩+⟨𝑌⋅𝑋⋅𝜑,𝜑′⟩+𝑔(𝑋,𝑌)(⟨𝜑,𝜑′⟩+⟨𝜑,𝜑′⟩)=⟨𝑋⋅𝑌⋅𝜑,𝜑′⟩−⟨𝑋⋅𝑌⋅𝜑,𝜑′⟩+𝑔(𝑋,𝑌)(⟨𝜑,𝜑′⟩−⟨𝜑,𝜑′⟩)≝𝜔𝜑,𝜑′(𝑋,𝑌).

Somit ergibt sich

(𝐷𝒮︀𝒲︀)(𝜑,𝑎)(𝜑′𝑎′)=(𝜕𝐴0+𝜑′+12𝑎⋅𝜑′+12𝑎′⋅𝜑𝑑+𝑎′−𝜔𝜑,𝜑′).

□

Theorem 4.7.5 Sei 𝐴∈Ω1(𝑃1,𝔤) eine Zusammenhangsform auf 𝑃1 sowie 𝜕𝐴±:𝑆±→𝑆∓ der zu 𝐴 gehörige positive bzw. negative Dirac-Operator und 𝜎∈𝐻𝑘(𝑆±) eine Lösung der Dirac-Gleichung, d. h. 𝜕𝐴±𝜎=0. Dann kann 𝜎 auf einer beliebigen offenen Menge nur verschwinden, wenn 𝜎 identisch null ist. Dies ist bekannt als das Unique Continuation Theorem.

Beweis: Siehe [Aro56].

Schließlich erhalten wir das folgende Theorem.

Theorem 4.7.6 Sei 𝑏+(𝑀)>0 und

𝑛≔𝑐12(𝑃1)[𝑀]−2𝜒(𝑀)−3𝜎(𝑀)4.

Dann existiert ein affiner Unterraum von 𝐻2(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) der Dimension 𝑏+(𝑀), sodass die Menge der 2-Formen 𝜂∈𝐻2(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) in diesem Unterraum, die die folgende Eigenschaft erfüllen, fett ist.

  1. Im Fall 𝑛≥0 ist ℳ︀𝑃1,𝜂,0 eine Mannigfaltigkeit der Dimension

    dim(ℳ︀𝑃1,𝜂,0)=𝑛+1

    und ℳ︀𝑃1,𝜂 eine Mannigfaltigkeit der Dimension

    dim(ℳ︀𝑃1,𝜂)=𝑛.
  2. Im Fall 𝑛<0 gilt ℳ︀𝑃1,𝜂,0=ℳ︀𝑃1,𝜂=∅.

Beweis: Wir definieren die Abbildung

ℱ︀:ℬ︀0×𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ)→𝐻1(𝑆−⊕(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ))([(𝜑,𝑎)],𝜂)↦(𝜕𝐴0+𝜑+12𝑎⋅𝜑,Ω+𝐴0+𝑑+𝑎−𝜔𝜑−𝜂).

Dabei ist 𝑑+≔pr+∘𝑑:𝐻2(𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ)→𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) definiert wie in Beispiel 4.5.11. Das Differential dieser Abbildung ist gemäß Lemma 4.7.4 gegeben durch

(𝑑ℱ︀)([(𝜑,𝑎)],𝜂)(𝜑′𝑎′𝜂′)=(𝜕𝐴0+𝜑′+12𝑎⋅𝜑′+12𝑎′⋅𝜑𝑑+𝑎′−𝜔𝜑,𝜑′−𝜂′).

Wir wollen zuerst zeigen, dass 𝑑ℱ︀ an Stellen ([(𝜑,𝑎)],𝜂)∈ℱ︀−1({0}) mit 𝜑≠0 surjektiv ist. Da 𝜂′ beliebig gewählt werden kann, ist die Abbildung in der zweiten Komponente des Bildes surjektiv. Sei nun 𝜎∈𝐻1(𝑆−) orthogonal zur ersten Komponente des Bildes. Da der positive Dirac-Operator formal adjungiert zum negativen Dirac-Operator ist, ist 𝜎 Lösung der Gleichung 𝜕𝐴0−𝜎+12𝑎⋅𝜎=0. Genauso ist 𝜑 eine Lösung der Gleichung 𝜕𝐴0+𝜑+12𝑎⋅𝜑=0 und nach Voraussetzung ungleich null. Wir nehmen nun an, dass 𝜎≠0 gilt. Sei 𝑥0∈𝑀 ein beliebiger Punkt in 𝑀 und 𝑈⊂𝑀 eine offene Umgebung um 𝑥0. Gemäß dem Unique Continuation Theorem verschwinden sowohl 𝜑 als auch 𝜎 nicht auf 𝑈. Außerdem ist 𝑎↦𝑎⋅𝜑 punktweise injektiv (da 𝑎⋅𝑎⋅𝜑=−|𝑎|2𝜑 gilt) und somit auch surjektiv, da die Vektorbündel Λ1𝑇∗𝑀,𝑆− denselben Rang (über ℝ) haben. Es existiert demnach ein 𝑎∈(𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ)𝑥0, sodass

Re(⟨𝑎⋅𝜑(𝑥0),𝜎(𝑥0)⟩)>0

gilt. Wir setzen 𝑎 glatt zu einer 1-Form auf 𝑀 mit

Re(⟨𝑎⋅𝜑(𝑥),𝜎(𝑥)⟩)>0für alle𝑥∈𝑈

und 𝑎(𝑥)=0 für alle 𝑥∈𝑀\𝑈 fort. Dann gilt

∫𝑀Re(⟨𝑎⋅𝜑,𝜎⟩)dvol𝑔>0

und somit ist 𝜎 nicht orthogonal zur ersten Komponente des Bildes von (𝑑ℱ︀)([(𝜑,𝑎)],𝜂), was ein Widerspruch ist und die Surjektivität von 𝑑ℱ︀ zeigt. Gemäß dem Satz vom regulären Wert ist daher

𝒩︀≔{[(𝜑,𝑎)]∈ℬ︀0,𝜂∈𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ)|(𝜑,𝑎,𝜂)erfüllenGl. (4.6),𝜑≠0}

eine glatt eingebettete Untermannigfaltigkeit von ℬ︀0×𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ). Der Tangentialraum an einen Punkt ([(𝜑,𝑎)],𝜂)∈𝒩︀ ist

𝑇([(𝜑,𝑎)],𝜂)𝒩︀={(𝜑′,𝑎′,𝜂′)∈𝒜︀×𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ)|𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂)(𝜑′,𝑎′)=(0,𝜂′,0)}

wobei die Abbildung 𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂) gegeben ist durch

𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂):𝐻2(𝑆+⊕(𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ))→𝐻1(𝑆−⊕(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ))⊕𝐻̃1(𝑀,𝑖ℝ)(𝜑′,𝑎′)↦(𝜕𝐴0+𝜑′+12𝑎⋅𝜑′+12𝑎′⋅𝜑,𝑑+𝑎′−𝜔𝜑,𝜑′,𝛿𝑎′).

Dabei ist 𝐻̃1(𝑀,𝑖ℝ) der Hilbertraum der 𝑖ℝ-wertigen Funktionen auf 𝑀, die zu Null integrieren. Da der positive Dirac-Operator gemäß Proposition 4.5.17 bzw. der Operator 𝑑+⊕𝛿 gemäß Beispiel 4.5.11 jeweils ein elliptischer Operator der Ordnung eins ist und die ergänzenden Terme von Ordnung null sind, ist 𝐿[(𝜑,𝑎)],𝜂 gemäß Bemerkung 4.1.6 ein elliptischer Operator und somit ist die Fortsetzung auf den jeweiligen Sobolev-Räumen gemäß Lemma 4.5.6 ein Fredholm-Operator. Wir definieren anschließend die Projektion

𝜋:𝒩︀∋([(𝜑,𝑎)],𝜂)↦𝜂∈𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ).

Das Differential von 𝜋:𝒩︀→𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) ist gegeben durch

𝑑𝜋([(𝜑,𝑎)],𝜂):𝑇([(𝜑,𝑎)],𝜂)𝒩︀→𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ)(𝜑′,𝑎′,𝜂′)↦𝜂′.

Wir wollen zeigen, dass 𝜋 eine Fredholm-Abbildung ist. Der Kern von 𝑑𝜋 ist offenbar gleich dem Kern von 𝐿 und für das Bild von 𝑑𝜋 gilt

im(𝑑𝜋([(𝜑,𝑎)],𝜂))={𝜂′∈𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ)|∃(𝜑′,𝑎′)∈𝒜︀:𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂)(𝜑′,𝑎′)=(0,𝜂′,0)}.

In einem Versuch, nicht verrückt zu werden, kürzen wir wie folgt ab:

𝐵≔{0}⊕𝐻1(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ)⊕{0}

Dann gilt

codimim(𝑑𝜋([(𝜑,𝑎)],𝜂))=dim((im𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂)∩𝐵)⟂∩𝐵)=dim(((im𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂))⟂+𝐵⟂)∩𝐵).

Falls wir nun zeigen können, dass

(im𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂))⟂∩𝐵⟂={0}

gilt, ist die Summe in Gl. (4.8) eine direkte Summe. In diesem Fall folgt aus der endlichen Kodimension von dem Bild von 𝐿 und der Abgeschlossenheit von 𝐵⟂

(im𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂))⟂⊕𝐵⟂=(im𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂))⟂⊕𝐵⟂.

Somit gilt

codimim(𝑑𝜋([(𝜑,𝑎)],𝜂))=dim(((im𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂))⟂⊕𝐵⟂)∩𝐵)=dim(pr𝐵((im𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂))⟂))=dim((im𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂))⟂).

Dabei ist pr𝐵:𝐵⊕𝐵⟂→𝐵 die Projektion auf 𝐵 in 𝐵⊕𝐵⟂. Um Gl. (4.9) zu beweisen, gehen wir wie folgt vor. Sei (𝜎,0,𝑢)∈(𝐻1(𝑆−)×{0}×𝐻̃1(𝑀,𝑖ℝ))) orthogonal zum Bild von 𝐿([(𝜑,𝑎)],𝜂). Dann gilt 𝜕𝐴0−𝜎+12𝑎⋅𝜎=0 und

⟨12𝑎′⋅𝜑,𝜎⟩=−⟨𝛿𝑎′,𝑢⟩

für alle 𝑎′∈𝐻2(𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ). Bezüglich einer festen 1-Form 𝑎′∈𝐻2(𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) definieren wir eine 1-Form 𝑏∈𝐻2(𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) durch

⟨𝑏,𝑎′⟩=⟨12𝑎′⋅𝜑,𝜎⟩.

Da 𝜕𝐴0+𝜑+12𝑎⋅𝜑=0 und 𝜕𝐴0−𝜎+12𝑎⋅𝜎=0 gilt, folgt aus Gl. (4.5) aus Beweis zu Proposition 3.4.19, dass 𝛿𝑏=0 für alle 𝑎′ gilt. Somit gilt auch für 𝑎′=𝑏

⟨𝑏,𝑏⟩=⟨12𝑏⋅𝜑,𝜎⟩=−⟨𝛿𝑏,𝑢⟩=0⇒𝑏=0⇒⟨12𝑎′⋅𝜑,𝜎⟩=0.

Da dies für alle 𝑎′∈𝐻2(𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) gilt und 𝜑 ungleich null ist, folgt erneut aus dem Unique Continuation Theorem 𝜎=0. Mittels Gl. (4.10) und der Surjektivität von 𝛿:𝐻2(𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ)→𝐻̃1(𝑀,𝑖ℝ) folgt auch 𝑢=0, was Gl. (4.9) zeigt. Somit haben wir gezeigt, dass

codimim(𝑑𝜋([(𝜑,𝑎)],𝜂))=codim(im𝐿[(𝜑,𝑎)],𝜂)

gilt und 𝜋 eine Fredholm-Abbildung mit ind(𝜋)=ind(𝐿) ist. Gemäß Theorem 4.7.3 können wir 𝜂∈𝐻2(Λ+2𝑇∗𝑀⊗𝑖ℝ) generisch wählen, sodass 𝜋−1(𝜂) gemäß Proposition 4.5.3 eine endlich-dimensionale Untermannigfaltigkeit von 𝒩︀ ist. Die Dimension von 𝜋−1(𝜂) ist dann

dim(𝜋−1(𝜂))=indℝ(𝜋)=indℝ(𝐿)=indℝ(𝜕𝐴+⊕𝑑+⊕𝛿)+1.

Bzw. 𝜋−1(𝜂) ist leer, wenn die erwartete Dimension negativ ist. Dabei haben wir gemäß Lemma 4.5.6 Terme kleinerer Ordnung als das Hauptsymbol vernachlässigt. Wir müssen außerdem den Index von 𝐿 um eins erhöhen, da das Bild von 𝐿 im Gegensatz zu Korollar 4.5.12 nur aus den Funktionen 𝐻̃1(𝑀,𝑖ℝ) besteht, die zu null integrieren. Da 𝑏+(𝑀)>0 gilt, können wir 𝜂∈Ω+2(𝑀,𝑖ℝ) gemäß Korollar 4.5.13 in einem Unterraum von Ω+2(𝑀,𝑖ℝ) der Dimension 𝑏+(𝑀) wählen, sodass keine Lösungen von Gl. (4.6) mit 𝜑=0 existieren. Somit ist ℳ︀𝑃1,𝜂,0 eine Mannigfaltigkeit der Dimension

dim(ℳ︀𝑃1,𝜂,0)=dim(𝜋−1(𝜂))+1=14(𝑐12(𝑃1)−𝜎(𝑀))−𝑏0(𝑀)+𝑏1(𝑀)−𝑏+(𝑀)+1=𝑐12(𝑃1)[𝑀]−2𝜒(𝑀)−3𝜎(𝑀)4+1.

Bzw. ℳ︀𝑃1,𝜂,0 ist leer, wenn die erwartete Dimension negativ ist. Dabei haben wir in der letzten Zeile Korollar 4.2.5 verwendet. Im Fall 𝑏+(𝑀)>0 ist die Wirkung der konstanten Eichtransformationen auf ℳ︀𝑃1,𝜂,0 frei und eigentlich (da die Gruppe der konstanten Eichtransformationen kompakt ist) und somit bildet in diesem Fall der Modulraum der perturbierten Seiberg-Witten-Gleichungen eine Mannigfaltigkeit der Dimension

dim(ℳ︀𝑃1,𝜂)=dim(ℳ︀𝑃1,𝜂,0)−1

□

5. Fazit

Nachdem wir in dieser Arbeit eine Einführung in Begriffe der mathematischen Eichtheorie und Spinorgeometrie gegeben hatten, formulierten wir darauf aufbauend die Seiberg-Witten-Gleichungen für eine Riemannsche 4-Mannigfaltigkeit. Wir zeigten, dass der Seiberg-Witten-Modulraum einer kompakten, einfach zusammenhängenden, Riemannschen 4-Mannigfaltigkeit 𝑀 mit 𝑏+(𝑀)>0 eine kanonische Struktur als endlich-dimensionale Mannigfaltigkeit trägt. Wir berechneten die Dimension dieser Mannigfaltigkeit, welche sich gemäß einer verallgemeinerten Version des Satzes vom regulären Wert für Banach-Mannigfaltigkeiten aus dem Fredholm-Index des positiven Dirac-Operators und der Euler-Charakteristik eines elliptischen Komplexes ergab. Für die Berechnung des Fredholm-Index des Dirac-Operators nutzten wir einen Spezialfall des Atiyah-Singer-Indexsatzes und wir erhielten insgesamt

dim(ℳ︀𝑃1,𝜂)=𝑐12(𝑃1)[𝑀]−2𝜒(𝑀)−3𝜎(𝑀)4.

Ein nächster Schritt im Hinblick auf die Konstruktion der in der Einleitung erwähnten Seiberg-Witten-Invariante besteht darin, die Kompaktheit und Orientierbarkeit des Modulraums zu zeigen. Dabei muss der Modulraum nicht kompaktifiziert werden, was die Seiberg-Witten-Theorie im Vergleich zu anderen Theorien, wie z. B. der in der Einleitung erwähnten Donaldson-Theorie, zu einer analytisch einfacher behandelbaren Theorie macht. Darüber hinaus eröffnet die verwendete Methode einen Zugang zum Atiyah-Singer-Indexsatz, dessen Verständnis durch eine Auseinandersetzung mit der Sprache der K-Theorie, beispielsweise mit Hilfe von [Ati18] oder [Sri96], weiter vertieft werden kann. Für den Indexsatz existiert außerdem eine Verallgemeinerung auf Riemannsche Mannigfaltigkeiten mit Rand, siehe [APS75]. Ein Analogon dieses Satzes für den Dirac-Operator einer kompakten, global hyperbolischen Lorentzmannigfaltigkeit, deren Rand aus raumartigen Cauchy-Flächen besteht, wurde in [BS19] gefunden. Dieses Resultat überträgt die Theorie der Indexsätze auf Lorentzmannigfaltigkeiten und damit auf geometrische Strukturen, wie sie in der relativistischen Physik zur Modellierung von Raumzeiten auftreten.

Bibliografie

  • [Don83] S. K. Donaldson, „An application of gauge theory to four-dimensional topology“, Journal of Differential Geometry, Bd. 18, Nr. 2, S. 279–315, Jan. 1983, doi: 10.4310/jdg/1214437665.
  • [Fre82] M. H. Freedman, „The topology of four-dimensional manifolds“, Journal of Differential Geometry, Bd. 17, Nr. 3, S. 357–453, Jan. 1982, doi: 10.4310/jdg/1214437136.
  • [Wit94] E. Witten, „Monopoles and Four-Manifolds“. Zugegriffen: 30. April 2026. [Online]. Verfügbar unter: http://arxiv.org/abs/hep-th/9411102
  • [SW94] N. Seiberg und E. Witten, „Monopole Condensation, And Confinement In N=2 Supersymmetric Yang-Mills Theory“, Nuclear Physics B, Bd. 426, Nr. 1, S. 19–52, Sep. 1994a, doi: 10.1016/0550-3213(94)90124-4.
  • [SW94] N. Seiberg und E. Witten, „Monopoles, Duality and Chiral Symmetry Breaking in N=2 Supersymmetric QCD“, Nuclear Physics B, Bd. 431, Nr. 3, S. 484–550, Dez. 1994b, doi: 10.1016/0550-3213(94)90214-3.
  • [Lee12] J. M. Lee, Introduction to Smooth Manifolds, Bd. 218. in Graduate Texts in Mathematics, vol. 218. New York, NY: Springer, 2012. doi: 10.1007/978-1-4419-9982-5.
  • [Bau14] H. Baum, Eichfeldtheorie: Eine Einführung in die Differentialgeometrie auf Faserbündeln. Berlin, Heidelberg: Springer, 2014. doi: 10.1007/978-3-642-38539-1.
  • [Lee18] J. M. Lee, Introduction to Riemannian Manifolds, Bd. 176. in Graduate Texts in Mathematics, vol. 176. Cham: Springer International Publishing, 2018. doi: 10.1007/978-3-319-91755-9.
  • [Sch24] D. Schüth, „Skript zur Vorlesung Differentialgeometrie III“. 2024.
  • [Sch25] D. Schüth, „Skript zur Vorlesung Differentialgeometrie IV“. 2025.
  • [LM89] H. B. Lawson und M.-L. Michelsohn, Spin Geometry (PMS-38), Nr. 38. in Princeton Mathematical Series. Princeton, NJ: Princeton University Press, 1989. doi: 10.1515/9781400883912.
  • [Art57] E. Artin, Geometric algebra. in Interscience tracts in pure and applied mathematics, no. 3. New York: Interscience Publishers, 1957.
  • [TV05] P. Teichner und E. Vogt, „ALL 4-MANIFOLDS HAVE SPIN STRUCTURES“, 2005. Zugegriffen: 15. April 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.semanticscholar.org/paper/ALL-4-MANIFOLDS-HAVE-SPIN-STRUCTURES-Teichner-Vogt/8c1b48a061da8be1adf96beb7d0bbb308f672ff7
  • [Tay23] M. E. Taylor, Partial Differential Equations I: Basic Theory, Bd. 115. in Applied Mathematical Sciences, vol. 115. Cham: Springer International Publishing, 2023. doi: 10.1007/978-3-031-33859-5.
  • [Wel80] R. O. Wells, „Elliptic Operator Theory“, in Differential Analysis on Complex Manifolds, R. O. Wells, Hrsg., New York, NY: Springer, 1980, S. 108–153. doi: 10.1007/978-1-4757-3946-6_4.
  • [Dan14] L. Daniel, „Hodge Decomposition“, 27. April 2014. Zugegriffen: 7. April 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://math.berkeley.edu/~lowdanie/hodge_decomposition.pdf
  • [Fri97] T. Friedrich, Dirac-Operatoren in der Riemannschen Geometrie. in Advanced Lectures in Mathematics. Wiesbaden: Vieweg+Teubner Verlag, 1997. doi: 10.1007/978-3-322-80302-3.
  • [HK15] B. Helffer und A. Kachmar, „The Ginzburg-Landau functional with vanishing magnetic field“, Archive for Rational Mechanics and Analysis, Bd. 218, Nr. 1, S. 55–122, Okt. 2015, doi: 10.1007/s00205-015-0856-z.
  • [CDO23] G. Canevari, F. L. Dipasquale, und G. Orlandi, „The Yang-Mills-Higgs functional on complex line bundles: asymptotics for critical points“. Zugegriffen: 8. März 2026. [Online]. Verfügbar unter: http://arxiv.org/abs/2304.11346
  • [Lan02] S. Lang, Introduction to Differentiable Manifolds. in Universitext. New York, NY: Springer, 2002. doi: 10.1007/b97450.
  • [GGK90] I. Gohberg, S. Goldberg, und M. A. Kaashoek, „Fredholm Operators“, in Classes of Linear Operators Vol. I, I. Gohberg, S. Goldberg, und M. A. Kaashoek, Hrsg., Basel: Birkhäuser, 1990, S. 184–214. doi: 10.1007/978-3-0348-7509-7_12.
  • [AB67] M. F. Atiyah und R. Bott, „A Lefschetz Fixed Point Formula for Elliptic Complexes: I“, Annals of Mathematics, Bd. 86, Nr. 2, S. 374–407, 1967, doi: 10.2307/1970694.
  • [AS68] M. F. Atiyah und I. M. Singer, „The Index of Elliptic Operators: I“, Annals of Mathematics, Bd. 87, Nr. 3, S. 484–530, 1968a, doi: 10.2307/1970715.
  • [Hir71] F. Hirzebruch, „The signature theorem: Reminiscences and recreation“, Bd. 70, F. Hirzebruch, L. Hörmander, J. Milnor, J.-P. Serre, und I. M. Singer, Hrsg., Princeton: Princeton University Press, 1971, S. 3–31. Zugegriffen: 7. April 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://hirzebruch.mpim-bonn.mpg.de/id/eprint/84/
  • [Hir54] F. Hirzebruch, „Arithmetic genera and the theorem of riemann-roch for algebraic varieties“, Proceedings of the National Academy of Sciences, Bd. 40, Nr. 2, S. 110–114, Feb. 1954, doi: 10.1073/pnas.40.2.110.
  • [Hir56] F. Hirzebruch, Neue Topologische Methoden in der Algebraischen Geometrie. Berlin, Heidelberg: Springer, 1956. doi: 10.1007/978-3-662-41083-7.
  • [AS63] M. F. Atiyah und I. M. Singer, „The index of elliptic operators on compact manifolds“, Bulletin of the American Mathematical Society, Bd. 69, Nr. 3, S. 422–433, Mai 1963, Zugegriffen: 17. April 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://projecteuclid.org/journals/bulletin-of-the-american-mathematical-society/volume-69/issue-3/The-index-of-elliptic-operators-on-compact-manifolds/bams/1183525276.full
  • [AS68] M. F. Atiyah und G. B. Segal, „The Index of Elliptic Operators: II“, Annals of Mathematics, Bd. 87, Nr. 3, S. 531–545, 1968b, doi: 10.2307/1970716.
  • [AS68] M. F. Atiyah und I. M. Singer, „The Index of Elliptic Operators: III“, Annals of Mathematics, Bd. 87, Nr. 3, S. 546–604, 1968c, doi: 10.2307/1970717.
  • [AS71] M. F. Atiyah und I. M. Singer, „The Index of Elliptic Operators: IV“, Annals of Mathematics, Bd. 93, Nr. 1, S. 119–138, 1971a, doi: 10.2307/1970756.
  • [AS71] M. F. Atiyah und I. M. Singer, „The Index of Elliptic Operators: V“, Annals of Mathematics, Bd. 93, Nr. 1, S. 139–149, 1971b, doi: 10.2307/1970757.
  • [Mor96] J. W. Morgan, The Seiberg-Witten Equations and Applications to the Topology of Smooth Four-Manifolds. (MN-44). Princeton University Press, 1996. Zugegriffen: 25. Februar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.jstor.org/stable/j.ctt7ztfpc
  • [Eva10] L. C. Evans, Partial Differential Equations. American Mathematical Soc., 2010.
  • [Hat02] A. Hatcher, Algebraic Topology. Cambridge University Press, 2002.
  • [Sma65] S. Smale, „An Infinite Dimensional Version of Sard's Theorem“, Bd. 87, S. 861–866, Jan. 1965.
  • [Sar42] A. Sard, „The measure of the critical values of differentiable maps“, Bulletin of the American Mathematical Society, Bd. 48, Nr. 12, S. 883–890, 1942, doi: 10.1090/S0002-9904-1942-07811-6.
  • [Aro56] N. Aronszajn, A Unique Continuation Theorem for Solutions of Elliptic Partial Differential Equations Or Inequalities of Second Order. University of Kansas, Department of Math., 1956.
  • [Ati18] M. Atiyah, K-theory. CRC Press, 2018.
  • [Sri96] V. Srinivas, Algebraic K-theory. 1996. doi: 10.1007/978-0-8176-4739-1.
  • [APS75] M. F. Atiyah, V. K. Patodi, und I. M. Singer, „Spectral asymmetry and Riemannian geometry. Ill“, 1975.
  • [BS19] C. Baer und A. Strohmaier, „An index theorem for Lorentzian manifolds with compact spacelike Cauchy boundary“, American Journal of Mathematics, Bd. 141, Nr. 5, S. 1421–1455, 2019, doi: 10.1353/ajm.2019.0037.

Selbstständigkeitserklärung

Ich erkläre hiermit, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig verfasst und noch nicht für andere Prüfungen eingereicht habe. Sämtliche Quellen einschließlich Internetquellen, die unverändert oder abgewandelt wiedergegeben werden, insbesondere Quellen für Texte, Grafiken, Tabellen, Bilder sowie die Nutzung von generativer Künstlicher Intelligenz für die Erstellung von Texten und Abbildungen, sind als solche kenntlich gemacht. Mir ist bekannt, dass bei Verstößen gegen diese Grundsätze ein Verfahren wegen Täuschungsversuchs bzw. Täuschung eingeleitet wird.